Wir sind am Anker in St.George, es ist Nationalfeiertag auf Bermudas und wir sind fixundfoxi. Gestern abend hatten wir überraschend ein Leck festgestellt an der Stopfbuchse. Das ist die Stelle, wo die Propellerwelle ins Bootsinnere kommt und die deshalb dicht sein muss, gleichzeitig aber dafür zu sorgen hat, dass sich die Propellerwelle drehen kann. Die erste Erkenntnis bei der Panne war: Es geht schon verdammt schnell, bis verdammt viel Wasser im Boot ist und die Pumpen mit knappen Schlauchdurchmessern überfordert sind. Erste Priorität war nun, das Leck an der Stopfbuchse abzudichten.
Den Motor konnten wir natürlich nicht mehr benutzen und so übten wir uns nach getaner Leckdichtung und Pumparbeit im Flautesegeln. 25 Seemeilen entlang der Südküste von Bermudas können da plötzlich sehr lang sein, gegen Morgen kam Nebel auf und irgendwie hatten Agnes und ich das Gefühl, jetzt gilt es ernst mit dem Segeln - Schluss mit billigem Motoren.
Mit der Seebehörde von Bermuda standen wir in Kontakt; ein freundlicher Funker fragte uns, ob wir eine Rettungsinsel an Bord hätten - eine Frage, wo man plötzlich denkt, ja ist es denn sooo ernst? Und Bermuda Control wollte auch, dass wir uns regelmässig melden und gab uns dafür Uhrzeitvorgaben. Dann haben sie uns die Wettervorhersage vorgelesen: bis und mit Montag...
Am Donnerstag morgen meldete sich dann der Mann am Funk aber erneut mit einem herzlichen "Guten Morgen" und der Nachricht, dass er eine US-Mega-Yacht ausfindig gemacht habe. Sie fahre auf gleichem Kurs wie wir und sei bereit, uns abzuschleppen. ETA 30 Minuten. Und in der Tat: eine halbe Stunde später tauchte ein Ungetüm aus dem Nebel auf und ich schwöre jetzt und für immerdar, nie mehr etwas Abfälliges über Ami-Millionäre zu sagen, die Megayachten haben. Der Kapitän der "Harbour Island", wohl ein Angestellter des Millionärs, nahm uns mit einem gekonnten Manöver an den Haken, unterstützt von seiner Profi-Crew. Wir waren von nun an sozusagen sein nachgeschlepptes Gummiboot: In rasender Fahrt ging's Richtung St. George. Dort im Hafen hiess mich der Kapitän, die Abschleppleine zu lösen - und verschwand. Seine Dienste waren ganz offensichtlich ein Geschenk, Bermuda Rescue übernahm nun den Rest und half und beim Ankern.
Alles gut gegangen also. Wir hatten Glück, dass die Stopfbuchse nicht 500 Meilen vom nächsten Hafen weg, sondern nur 25 Meilen weg ihren Geist aufgab. Nun müssen wir die Reparatrur organisieren. .
Donnerstag, 24. Mai 2012
Dienstag, 22. Mai 2012
Nachtrag zur Sturmtaktik - ein Fall für Beidrehen
Unsere Taktik ca 300 Seemeilen südwestlich vor Bermuda am 21. Mai 2012 angesichts der Sturmwinde aus
Süden: Wir liefen zunächst in südwestlicher Richtung ab, in der
Hoffnung aus dem Gebiet mit den Starkwinden herauszukommen. Später, als dies
erreicht schien, versuchten wir nordöstlich zu gehen. Dies wurde kurze Zeit
später vereitelt durch die erneute Zunahme des Windes. Wir gingen nordwestlich,
schliesslich wieder südwestlich nach der Taktik vom Morgen.
Dann sieht man uns auf nördlichen Kurs, das war, als wir
beigedreht lagen von ca Mitternacht bis 3 Uhr am 22. Mai. Schliesslich nehmen
wir den ursprünglichen Kurs wieder auf (links im Bild) und versuchen, östlich
zu segeln, was gar nicht so schlecht gelingt.
Fazit: Wir hätten von Anfang an Beidrehen sollen; das härte uns nördlich versetzt, sehr komfortabel und ohne viel Meilen zu verlieren. Statt dessen versuchten wir, mit dem Kopf durch die Windwand zu gehen, was uns ruppige Stunden beschert hat. Das Boot allerdings benahm sich mit 3. Reff und einem Fetzchen Genua sehr tugendhaft, war gut balanciert; auch die Windsteuerung arbeitete perfekt.
Montag, 21. Mai 2012
Im Sturm
Dass wir am Sonntag in ein Starkwindband hineinsegeln würden, hätten wir uns nicht gedacht, um so mehr als das Tief westlich vor Bermuda bereits vor unserer Abfahrt in Jacksonville auf den Langfristprognosen aufgetaucht war. Auch als wir gestern morgen unsere Position in die Wetterkarte übertrugen, schien die Distanz zum Wind mit über 30 Knoten knapp 100 Seemeilen.
Doch kaum war die Tinte im Logbuch trocken, hob ein Wind an, der uns schnell auch das dritte Reff einziehen liess. An Vorwärtskommen war nicht mehr zu denken, wir prallten kursmässig gesagt an eine undurchdringliche Wand und so segelten wir zurück in der Hoffnung auf ruhigere Gewässer. Doch auch da täuschten wir uns zunächst. Als es dann um 18 Uhr etwas ruhiger wurde, schaute ich eine Lokalprognose an und die sagte für die nächsten Stunden 20 bis 25 Knoten Wind voraus. Das ginge ja noch. Wir feierten Happy hour, dann gab es einen feinen selbstgemachten Linseneintopf, frisch gebackenes Brot weasr auch da.
Nur: Unser Optimismus hinsichtlich der Wetterentwicvklung war zu gross, wie sich eine Stunde später zeigte, als erneut ein Sturm losbrach. Wir änderten einen inzwischen eingeschlagenen nördlichen Kurs und liefen erneut südlich ab. Muss interessant aussehen auf dem Tracker, unser Sonntagsvergnügen. Es wurde erneut ein ruppiger Ritt, den Agnes auf ihrer Wache jedoch gleichmütig hinnahm. Als ich um Mitternacht wieder dran war, entschieden wir uns – endlich, kann man sagen – zum Beidrehen. Als Agnes dann vor dem Schlafengehen noch meine Lieblingsguetsli hervor holte, war die Welt für mich schon fast wieder perfekt.
Um drei Uhr war auch der Spuk mit dem Wind endlich zu Ende, der Wind stellte ab und wir motorten nun in einer aufgewühlten See endlich wieder Richtung Bermuda. Wir hatten einen Tag verloren auf unserer Reise, doch distansmässig waren wir nur etwa 25 Meilen zurückgedrängt worden. Das Boot war immer in guter Verfassung, ausbalanciert, auch die Windsteuerung war nie überfordert. Die weiteren Verteidigungslinien, ein 4. Reff und/oder ei ne Sturmfock, mussten nicht gewählt werden. Das Beidrehen war eine gute Idee, weil das Treibenlassen in der Windrichtung Ruhe an Bord brachte. Die Wellen waren nicht besonders hoch, also keine Gefahr des Querschlagens. So, und nun schauen wir nach, was das Wetter heute bringt.
--
Doch kaum war die Tinte im Logbuch trocken, hob ein Wind an, der uns schnell auch das dritte Reff einziehen liess. An Vorwärtskommen war nicht mehr zu denken, wir prallten kursmässig gesagt an eine undurchdringliche Wand und so segelten wir zurück in der Hoffnung auf ruhigere Gewässer. Doch auch da täuschten wir uns zunächst. Als es dann um 18 Uhr etwas ruhiger wurde, schaute ich eine Lokalprognose an und die sagte für die nächsten Stunden 20 bis 25 Knoten Wind voraus. Das ginge ja noch. Wir feierten Happy hour, dann gab es einen feinen selbstgemachten Linseneintopf, frisch gebackenes Brot weasr auch da.
Nur: Unser Optimismus hinsichtlich der Wetterentwicvklung war zu gross, wie sich eine Stunde später zeigte, als erneut ein Sturm losbrach. Wir änderten einen inzwischen eingeschlagenen nördlichen Kurs und liefen erneut südlich ab. Muss interessant aussehen auf dem Tracker, unser Sonntagsvergnügen. Es wurde erneut ein ruppiger Ritt, den Agnes auf ihrer Wache jedoch gleichmütig hinnahm. Als ich um Mitternacht wieder dran war, entschieden wir uns – endlich, kann man sagen – zum Beidrehen. Als Agnes dann vor dem Schlafengehen noch meine Lieblingsguetsli hervor holte, war die Welt für mich schon fast wieder perfekt.
Um drei Uhr war auch der Spuk mit dem Wind endlich zu Ende, der Wind stellte ab und wir motorten nun in einer aufgewühlten See endlich wieder Richtung Bermuda. Wir hatten einen Tag verloren auf unserer Reise, doch distansmässig waren wir nur etwa 25 Meilen zurückgedrängt worden. Das Boot war immer in guter Verfassung, ausbalanciert, auch die Windsteuerung war nie überfordert. Die weiteren Verteidigungslinien, ein 4. Reff und/oder ei ne Sturmfock, mussten nicht gewählt werden. Das Beidrehen war eine gute Idee, weil das Treibenlassen in der Windrichtung Ruhe an Bord brachte. Die Wellen waren nicht besonders hoch, also keine Gefahr des Querschlagens. So, und nun schauen wir nach, was das Wetter heute bringt.
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Sonntag, 20. Mai 2012
Abwarten
Das Rückwärtsfahren hat uns einen gemütlichen Morgen beschert und uns nun wie geplant in eine Zone mit Leichtwind hinein gebracht. Jetzt überlegen wir uns, ob wir in nordöstlicher Richtung segeln sollen, in einem leichten Nordostwind, um dann morgen vor Ort zu sein, wenn angenehme südliche Winde einsetzen östlich von 070 Grad West, das heisst, das Starkwindband in nordöstlicherr Richtung von uns abgerückt ist und somit sich das Wetter bessert.
Weil auch das Zentrum des Tiefs über uns hinweg geht, kommt der gute alte Barometer wieder zu Ehren: Wenn er zu fallen beginnt, wären das good news, weil das Zentrum des Tiefs sich uns von Südwesten her nähert. Noch ist es nicht soweit. Wir gucken, während der Brotteig von Agnes aufgeht, nun nochmal auf die Wetterkarten.
Wer wissen will, was wir in den letzten Stunden gemacht haben, klickt auf "Wir sind im Moment hier" rechts neben diesem Text. Danke herzlichst für den Gwunder und das Interesse.
Weil auch das Zentrum des Tiefs über uns hinweg geht, kommt der gute alte Barometer wieder zu Ehren: Wenn er zu fallen beginnt, wären das good news, weil das Zentrum des Tiefs sich uns von Südwesten her nähert. Noch ist es nicht soweit. Wir gucken, während der Brotteig von Agnes aufgeht, nun nochmal auf die Wetterkarten.
Wer wissen will, was wir in den letzten Stunden gemacht haben, klickt auf "Wir sind im Moment hier" rechts neben diesem Text. Danke herzlichst für den Gwunder und das Interesse.
Schlechtes Wetter
Nach der neusten Wettervorhersage vom Sonntagmorgen haben wir gewendet und haben nun einen südwestlichen Kurs, um das Vorüberziehen des Tiefs westlich von Bermuda abzuwarten. Wir waren sozusagen zu früh dran und bleiben nun halt in der Autobahnraststätte, bis der "Stau" (gleich Tief) vorbei ist. Schade um all den Diesel, den wir verfeuert haben, nun geht's ein Feld zurück.
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Danke, lieber Süd-Südost
Wir haben weiterhin einen süd-südöstlichen Wind - dies bedeutet, dass wir für unseren Kurs von 090 nach Bermuda gerade anliegen können, ideal also und so sind wir ein happy boat. Heute ist es bevölkt und damit wird nichts aus der Mittagsbreite. Ich habe gestern den Sextanten wieder einmal hervor genommen. Trotz mangelhafter Beherrschung des Kopfrechnens, früheren krassen Messefehlern und Kopfschütteln bei Kollegen möchte ich es noch dazu bringen, im allerärgsten Fall Bermuda bzw. die Azoren ohne elektronische Hilfe zu finden. Ich kenne zwar niemanden, der vom Blitz erschlagen worden ist; in den letzten Tagen haben wir aber ein Wetterleuchten am Nachthimmel erlebt, das uns - wie das politische Wetterleuchten - eine Warnung sein sollte.
Samstag, 19. Mai 2012
Flaute
Wir hatten einen perfekten Freitag, guten Wind den ganzen Tag und so konnten wir die psychologisch wichtige Marke erreichen von 450 Seemeilen bis zum Ziel, eine Distanz, die wir falls nötig unter Motor machen könnten. Psychologisch bedeutsam deshalb, weil wir seit Freitagabend dauernd und nun eben sorglos Sprit verbrennen. Es gibt im Gebiet von 31 Grad 15 Minuten Nord und 072 Grad 50 Minuten West ganz einfach keinen Wind. Dafür auch keinen Regen und keine Gewitter.
Ausgewechselt haben wir heute Morgen eine schamgefeilte Leine für den Genuafurler. Ich hatte die Position vor dem Start verändert, paradoxerweise, um ein Schamfeilen zu vermeiden. Nun zeigte sich, dass mit der Veränderung ein anderer kritischer Punkt entstand, den ich nicht bedacht hatte, nämlich entlang des Gewindes eines unserer neuen Norsman-Terminals. Es wirkte wie ein Messer und sägte an der teuren Leine bis beinahe auf die Knochen.
Woher eine neue Leine nehmen? Wir nahmen die Schot von der Wendefock und ersetzten selbige mit dem Rest der kaputten Genuaschnur. Das ganze muss nun noch etwas justiert werden und dann lässt sich's mit dem Jury rig leben bis Bermuda.
Ausgewechselt haben wir heute Morgen eine schamgefeilte Leine für den Genuafurler. Ich hatte die Position vor dem Start verändert, paradoxerweise, um ein Schamfeilen zu vermeiden. Nun zeigte sich, dass mit der Veränderung ein anderer kritischer Punkt entstand, den ich nicht bedacht hatte, nämlich entlang des Gewindes eines unserer neuen Norsman-Terminals. Es wirkte wie ein Messer und sägte an der teuren Leine bis beinahe auf die Knochen.
Woher eine neue Leine nehmen? Wir nahmen die Schot von der Wendefock und ersetzten selbige mit dem Rest der kaputten Genuaschnur. Das ganze muss nun noch etwas justiert werden und dann lässt sich's mit dem Jury rig leben bis Bermuda.
Freitag, 18. Mai 2012
Regen
Wir haben weiterhin leichten Wind, doch wenn wir eines der häufigen Regengebiete durchfahren, kann es schon passieren, dass der Wind auf ca 5-6 Bf auffrischt und wir - wie gestern Morgen - das dritte Reff begrüssen. Dazwischen gibt's immer wieder lange Phasen, wo wir motoren müssen, weshalb unser Perkins 4-108 einmal eine namentliche Erwähnung verdient. Die Nächte sind rabenschwarz, da der Mond freigenommen hat. Dennoch: Wir kommen vorwärts und können unsere angepeilten Etmale von ca 100sm erreichen. Wer wissen will, wo wir gerade sind, klickt auf "Wir sind im Moment hier", rechts oben neben diesem Text.
Mittwoch, 16. Mai 2012
Endlich unterwegs
Wir haben die Leinen losgeworfen und nach ein paar Stunden den Golfstrom vor Jacksonville erreicht, der uns nordwärts versetzte, manchmal hatten wir 40 Grad Stromabdrift. Dank einer genialen Karte, die uns Thomas aus Innsbruck geschickt hatte, fanden wir heute Morgen die Stelle, an der der Golfstrom auch ostwärts setzt. Davon profitieren wir im Moment. Wir sind am motoren, hatten aber während der Nacht sehr guten Wind aus Süd Bf bis 3.
Dienstag, 8. Mai 2012
Wir sitzen fest
Wir alle kennen das Gefühl: im Zug stecken zu bleiben oder im
Flugzeug als Nummer 15 auf den Start zu warten. Für einen ewigen Moment steht die
Zeit still, und wenn es sehr lange dauert, denkt man: „Wir werden ewig da
hocken.“ Im Moment hocken wir in Jacksonville: Das Boot ist für die
Atlantiküberquerung bereit, Wassertanks sind aufgefüllt, die Lifelines
montiert, alle Schäkel gesichert. Food gebunkert, und die verschiedenen kleinen
und grossen Systeme getestet, so dass man sagen kann, alles funktioniert - bis
zu dem Moment dann, wo das erste Ding unweigerlich kaputt geht unterwegs.
Warum wir nicht ablegen? Ein hartnäckiger Ostwind ist
angesagt draussen im Atlantik. Und weil wir nach Osten wollen, möchten wir den
Wind keinesfalls auf die Nase, denn kreuzen am Wind ist nicht unsere Sache.
Unsere Ovni hat einen Winkel von bestenfalls 55 Prozent, da macht man zwar auch
seine 100 Meilen in 24 Stunden, aber zum Ziel hin ist es in diesem Zickzack
vielleicht die Hälfte.
Warum wir nicht ablegen? Ein hartnäckiger Ostwind ist
angesagt draussen im Atlantik. Und weil wir nach Osten wollen, möchten wir den
Wind keinesfalls auf die Nase, denn kreuzen am Wind ist nicht unsere Sache.
Unsere Ovni hat einen Winkel von bestenfalls 55 Prozent, da macht man zwar auch
seine 100 Meilen in 24 Stunden, aber zum Ziel hin ist es in diesem Zickzack
vielleicht die Hälfte.
Und so sitzen wir
also fest wie S-Bahn-Passagiere am Morgen bei einer - Achtung: SBB-Deutsch - Betriebsstörung. Im Gegensatz zu den unglücklichen Pendlern haben wir aber einen kompetenten Coach und Berater
an unserer Seite, unseren Freund aus Oesterreich, ein Thomas wie ich, also
vertrauenswürdig, und dazu erprobter Weltensegler, ebenfalls mit einer Ovni. Er checkt nicht nur mit uns die Wetterkarten,
sondern redet uns auch gut zu. Das ist genau das, was wir im Moment brauchen.
Und so geht also der Alltag hier an Land weiter. Eigentlich
sitzen wir ja gar nicht fest, sondern können – im Gegensatz zu den S-Bahn-Passagieren im
stillstehenden Zug – joggen gehen oder einkaufen oder ins Kino oder in eine Bar. Die Sache ist wieder mal nur gerade ein bisschen psychologisch: Wir möchten gerne loslegen, können aber nicht. Und das ist ein
Früstchen.
Montag, 7. Mai 2012
Die Sonntagsausgabe - das Lesevergnügen
Jeden Sonntag in den letzten 12 Monaten habe ich eine
Zeitung in der Hand gehalten, die mir ein ausserordentliches Lesevergnügen
bereitet hat: The New York Times. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich
in eine ganz bestimmte Stimmung versetzen muss, um die Inhalte wirklich zu
geniessen – wenn geniessen angesichts des Zustands der Welt und der in der New
York Times reflektierten Informationen und Gedanken das richtige Wort ist.
Dennoch: Die richtige Stimmung meint, dass ich zuerst die jeweiligen Bünde – Bücher, wie die Deutschen sagen – sortiert habe: Der Sport wurde ungelesen weggelegt; mit amerikanischem Sport, den Franchises, kann ich nichts anfangen. Weggelegt habe ich auch die Arts Sektion, wobei ich anerkenne, dass zwischen klassischer und populärer Kultur kein Unterschied gemacht wird, eine künstliche Trennung, mit der Schweizer Zeitungen nie zurecht kommen werden.
Meist habe ich mit dem Reisen-Bund begonnen und dort mit neusten Berichten und Recherchen über das Fliegen und wie man der Feindschaft von Airport-Personal, Fluggesellschaften und Security ein Schnippchen schlagen, sie im besten Fall zu Freunden machen kann.Dann nahm ich jeweils die Business Sektion an die Hand, wo ich das Interview zum Thema Führungserfahrungen als erstes gelesen habe, gefolgt von der aktuellen und intelligenten Kolumne von Gretchen Morgensohn, einer Frau, von der ich gerne wissen möchte, wie sie zu ihrem Vornamen gekommen ist.
Im Style-Bund, einem Produkt, das Schweizer Zeitungen erfolglos zu kopieren suchten, erfolglos deshalb, weil die Redaktionen nie erkannten, dass Style eine hoch ernste Angelegenheit ist und sich mit Lustig-Trendig überhaupt nicht verträgt…im Style-Bund also las ich mit Genuss und manchmal mit Trauer „Modern Love“, wunderschöne, erschütternde Geschichten von immer andern Autorinnen – meistens in der Tat Frauen, Männer tun sich mit Modern Love offenbar schwer – die ihre Liebe schildern, crazy stupid love oft, muss ich in Anlehnung an einen Filmtitel konstatieren. Und spannend, aber nie anzüglich, höchstens verwirrend.
Als vorletzten Bund nahm ich jeweils den ersten Bund in Arbeit, wo die Nachrichten und Primeurs des Tages präsentiert werden. Meist garniert mit einer exzellenten Recherche, etwa über Arbeitsbedingungen bei Apple in China. Der New York Times verdanke ich die Erkenntnis, dass chinesische ArbeiterInnen von Apple nachts um 3 Uhr in ihren Schlafsäälen geweckt werden können, um dann in einer 7-Tage-Schicht 12 Stunden das iPhone4 zu montieren, nur weil das kratzfeste Glas (beinahe) zu spät für die Lancierung des Telephons angeliefert worden war.
Dann folgte Week in Review, das Produkt eines ausserordentlich kreativen, "läbigen" Ressorts, wie ich annehme, welches in der neusten Aushabe die Wantologists präsentiert, eine neue Spezies von Psychotherapeuten, die uns sagen, was wir erreichen möchten. Und natürlich Maureen Dowd, meine Lieblings-Kolumnistin, gerade zu Besuch bei Marine LePen – Berühungsängste gibt es bei der New York Times keine.
Zum Schluss kommt das Dessert: die Book-Review, in der neusten Ausgabe mit einer höchst instruktiven Besprechnung der Lyndon-B-Johnson-Biographie durch Bill Clinton
Und nun fehlt mir der Atem. Dennoch muss erwähnt werden: Jetzt, am Ende, folgt das New York Times Magazine, wo ich nur feststellen kann: Dieses Magazin hat jeden Sonntag genau jene grosse Geschichte, von der ich sagen muss: Exakt diese Story musste man an dem heutigen Sonntag präsentieren..
Nur: Wie machen die das mit Auftragsvergabe und Vorproduktion?
Nach gut dreieinhalb Stunden legte ich die Zeitung und ihr Magazin zur Seite. Es ist in der Zwischenzeit Sonntagnachmittag geworden und eigentlich hätte etwas tun sollen, vielleicht mal das Deck des Bootes reinigen können oder auch nur joggen gehen.
Doch ich fühle mich überwältigt und glücklich, irgendwie, ja genau: glücklich, dass ich an dem Sonntag nichts anderes getan habe, als die beste Zeitung der Welt in der Hand gehalten zu haben.
Dennoch: Die richtige Stimmung meint, dass ich zuerst die jeweiligen Bünde – Bücher, wie die Deutschen sagen – sortiert habe: Der Sport wurde ungelesen weggelegt; mit amerikanischem Sport, den Franchises, kann ich nichts anfangen. Weggelegt habe ich auch die Arts Sektion, wobei ich anerkenne, dass zwischen klassischer und populärer Kultur kein Unterschied gemacht wird, eine künstliche Trennung, mit der Schweizer Zeitungen nie zurecht kommen werden.
Meist habe ich mit dem Reisen-Bund begonnen und dort mit neusten Berichten und Recherchen über das Fliegen und wie man der Feindschaft von Airport-Personal, Fluggesellschaften und Security ein Schnippchen schlagen, sie im besten Fall zu Freunden machen kann.Dann nahm ich jeweils die Business Sektion an die Hand, wo ich das Interview zum Thema Führungserfahrungen als erstes gelesen habe, gefolgt von der aktuellen und intelligenten Kolumne von Gretchen Morgensohn, einer Frau, von der ich gerne wissen möchte, wie sie zu ihrem Vornamen gekommen ist.
Im Style-Bund, einem Produkt, das Schweizer Zeitungen erfolglos zu kopieren suchten, erfolglos deshalb, weil die Redaktionen nie erkannten, dass Style eine hoch ernste Angelegenheit ist und sich mit Lustig-Trendig überhaupt nicht verträgt…im Style-Bund also las ich mit Genuss und manchmal mit Trauer „Modern Love“, wunderschöne, erschütternde Geschichten von immer andern Autorinnen – meistens in der Tat Frauen, Männer tun sich mit Modern Love offenbar schwer – die ihre Liebe schildern, crazy stupid love oft, muss ich in Anlehnung an einen Filmtitel konstatieren. Und spannend, aber nie anzüglich, höchstens verwirrend.
Als vorletzten Bund nahm ich jeweils den ersten Bund in Arbeit, wo die Nachrichten und Primeurs des Tages präsentiert werden. Meist garniert mit einer exzellenten Recherche, etwa über Arbeitsbedingungen bei Apple in China. Der New York Times verdanke ich die Erkenntnis, dass chinesische ArbeiterInnen von Apple nachts um 3 Uhr in ihren Schlafsäälen geweckt werden können, um dann in einer 7-Tage-Schicht 12 Stunden das iPhone4 zu montieren, nur weil das kratzfeste Glas (beinahe) zu spät für die Lancierung des Telephons angeliefert worden war.
Dann folgte Week in Review, das Produkt eines ausserordentlich kreativen, "läbigen" Ressorts, wie ich annehme, welches in der neusten Aushabe die Wantologists präsentiert, eine neue Spezies von Psychotherapeuten, die uns sagen, was wir erreichen möchten. Und natürlich Maureen Dowd, meine Lieblings-Kolumnistin, gerade zu Besuch bei Marine LePen – Berühungsängste gibt es bei der New York Times keine.
Zum Schluss kommt das Dessert: die Book-Review, in der neusten Ausgabe mit einer höchst instruktiven Besprechnung der Lyndon-B-Johnson-Biographie durch Bill Clinton
Und nun fehlt mir der Atem. Dennoch muss erwähnt werden: Jetzt, am Ende, folgt das New York Times Magazine, wo ich nur feststellen kann: Dieses Magazin hat jeden Sonntag genau jene grosse Geschichte, von der ich sagen muss: Exakt diese Story musste man an dem heutigen Sonntag präsentieren..
Nur: Wie machen die das mit Auftragsvergabe und Vorproduktion?
Nach gut dreieinhalb Stunden legte ich die Zeitung und ihr Magazin zur Seite. Es ist in der Zwischenzeit Sonntagnachmittag geworden und eigentlich hätte etwas tun sollen, vielleicht mal das Deck des Bootes reinigen können oder auch nur joggen gehen.
Doch ich fühle mich überwältigt und glücklich, irgendwie, ja genau: glücklich, dass ich an dem Sonntag nichts anderes getan habe, als die beste Zeitung der Welt in der Hand gehalten zu haben.
Donnerstag, 3. Mai 2012
zyGrib - das Wetter
Wetter ist das grosse Thema unterwegs. Jeden Tag laden wir
Wettermodelle herunter, die wir dann auf dem Laptop anschauen. Das Problem bisher war, dass die Viewer (wie Ugrib), die
die Grib-Files mit den Wetterdaten darstellen,
entweder sehr teuer sind oder wichtige Features nicht beinhalten. Wichtig wäre
zum Beispiel, die Längen- und Breitengrade zu sehen und die eigene Position eintragen zu können sowie allenfalls die
Position des Bootes in den nächsten 24 oder 48 Stunden. Wir haben für die
Position jeweils Post-it-Zettelchen in Pfeilform auf den Bildschirm geklebt,
eine ziemlich primitive Methode.
Seit zwei Tagen nun haben wir zyGrib, ein holländischen
Programm, das es gratis gibt und das alle Vorteile von teuren Viewern hat. Es
gibt zwei separate Darstellungen für Wind einerseits und Niederschläge
anderseits. Und weiter kann man mit einem Klick auf die rechte Maustaste jede
Menge Positionen eintragen. Auch die Längen- und Breitengrade gibt es, leider
nur in Nord und Ost. Wer sich, wie wir, momentan auf dem 80. Längengrad West
aufhält, sieht sich auf 280 Ost, also einmal in östlicher Richtung um
die Erde herum, bis man wieder in Florida ist. Das ist etwas mühsam, aber als
kleiner Nachteil zu bewältigen.
Ich empfehle also
allen Wetter-Freaks den zyGrib, mit der schüchternen Frage allerdings, warum
die Programmierer das simple Ding mit West und Süd nicht hingekriegt haben.
Dienstag, 24. April 2012
Ein Leben ohne eBalance?
Gestern habe ich mich von eBalance abgemeldet, dem Diätprogramm der Neuen Zürcher Zeitung. Hier der Schlussbericht unter meinem Pseudonym thomthom - und Reaktionen von andern Teilnehmern:
"Nach sieben Monaten und um 20 kg leichter möchte ich mich von eBalance verabschieden. Ich finde, das neue Gewichtsleben sollte nun auch ohne Coaching mit eBalance weiter gehen.
Mir ist während des Prozesses langsam klar geworden, dass ich mit plusminus 1300 Kalorien am Tag leben muss - und leben kann. Das hat hoffentlich in der nahen Zukunft zum Ergebnis, dass ich mein neues Gewicht von 81kg (176cm, 60jährig) halten oder noch etwas verringern kann. Dies ist die wichtigste Einsicht.
Die zweitwichtigste war, ohne eBalance im Alltag auch weiterhin nicht Erbsen, wohl aber Kalorien zu zählen. Und möglichst keine Ausnahmen von den neuen Essgewohnheiten zuzulassen. Übrigens nicht nur Essgewohnheiten: Nach 40 Jahren und geschätzten knapp 10 000 Bieren habe ich das Biertrinken auf Null reduziert und gedenke, dies beizubehalten.
Das Beste für mich ist, dass ich dank der Gewichtsabnahme keine Knieprobleme mehr habe und wieder eine Stunde pro Tag Joggen kann. "
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von Jamire am Montag, 23. April 2012, 08:01 h
Hallo thomthom
Gratulation zu deinem tollen Erfolg! Könnte einem grad neidisch machen.....
Ich hoffe, dass du das Gewicht halten kannst und wünsche dir alles Gute!
Jamire
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von Savannah am Montag, 23. April 2012, 09:08 h
Gratulation zu den 20kg (da will ich auch mal noch hin...) und alles Gute!!!!
Savannah
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von miranoeava am Montag, 23. April 2012, 09:30 h
Ich gratuliere dir herzlich zu dieser Leistung und hoffe, dass du dein Gewicht halten kannst. Und wenn es wider Erwarten ein wenig hoch geht, weisst du ja, dass du mit eBalance ein gutes Instrument zur Hand hast.
1300 kcal finde ich persönlich sehr wenig, aber das muss für dich selbstverständlich nicht gelten. Es scheint, als ob du dich auf diesem Niveau gut eingerichtet hast, das ist ja super!
Es freut mich auch für dich, dass sich dein besseres Körpergefühl in Schmerzlosigkeit ausdrückt. Das primäre Ziel ist ja nicht das Aussehen an sich (jedenfalls für mich), sondern die körperliche Gesundheit. Denn die gilt es so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, das Aussehen ändert sich mit den Jahren ja sowieso...
Alles Gute!
Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von Bändy am Montag, 23. April 2012, 21:35 h
Lieber thomthom
Erstmals ganz herzliche Gratulation zu deinem Erfolg! 20 Kilogramm in sieben Monaten - das ist beeindruckend!
Mich nimmt es jedoch wunder, wieso du davon ausgehst, dass du nun auf dem Kalorienniveau 1300 bleiben musst? Das kann doch nicht sein. Bei deinem Gewicht und deiner Grösse müsstest du einen Tagesverbrauch von mindestens etwa 2200 Kalorien haben, eher noch mehr. Sicher muss sich dein Körper nach der verminderten Kalorienzufuhr über die letzten Monate langsam wieder daran gewöhnen, mehr Kalorien zu sich zu nehmen, aber das sollte doch machbar sein. Oder hast du über Jahrzehnte hinweg mit regelmässigen Diäten und Jojo-Gewichtseffekt deinen Stoffwechsel so beeinträchtigt?
Wie auch immer - ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Halten des Gewichts!
Bändy
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von leichterleben am Montag, 23. April 2012, 22:19 h
Hallo Thomthom,
beeindruckend!!!! Ich gratuliere Dir herzlich zu Deinem tollen Erfolg. Du wirst sehen, dass wenn Du konsequent Deinen neuen Weg weiterverfolgst, sich weitere Erfolge einstellen werden, kann ja auch die Verbesserung der körperlichen Fitness bedeuten. Ich selbst konnte mit eB auch mein Wohlfühlgewicht erreichen. Dieses zu halten war für sehr einfach, da ich sportlich sehr aktiv war. Und wenn durch, welche Gründe auch immer etwas "schief" gehen sollte, ist eB ein sehr guter Weg wieder auf den richtigen Pfad zu kommen.
Alles Gute!
"Nach sieben Monaten und um 20 kg leichter möchte ich mich von eBalance verabschieden. Ich finde, das neue Gewichtsleben sollte nun auch ohne Coaching mit eBalance weiter gehen.
Mir ist während des Prozesses langsam klar geworden, dass ich mit plusminus 1300 Kalorien am Tag leben muss - und leben kann. Das hat hoffentlich in der nahen Zukunft zum Ergebnis, dass ich mein neues Gewicht von 81kg (176cm, 60jährig) halten oder noch etwas verringern kann. Dies ist die wichtigste Einsicht.
Die zweitwichtigste war, ohne eBalance im Alltag auch weiterhin nicht Erbsen, wohl aber Kalorien zu zählen. Und möglichst keine Ausnahmen von den neuen Essgewohnheiten zuzulassen. Übrigens nicht nur Essgewohnheiten: Nach 40 Jahren und geschätzten knapp 10 000 Bieren habe ich das Biertrinken auf Null reduziert und gedenke, dies beizubehalten.
Das Beste für mich ist, dass ich dank der Gewichtsabnahme keine Knieprobleme mehr habe und wieder eine Stunde pro Tag Joggen kann. "
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von Jamire am Montag, 23. April 2012, 08:01 h
Hallo thomthom
Gratulation zu deinem tollen Erfolg! Könnte einem grad neidisch machen.....
Ich hoffe, dass du das Gewicht halten kannst und wünsche dir alles Gute!
Jamire
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von Savannah am Montag, 23. April 2012, 09:08 h
Gratulation zu den 20kg (da will ich auch mal noch hin...) und alles Gute!!!!
Savannah
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von miranoeava am Montag, 23. April 2012, 09:30 h
Ich gratuliere dir herzlich zu dieser Leistung und hoffe, dass du dein Gewicht halten kannst. Und wenn es wider Erwarten ein wenig hoch geht, weisst du ja, dass du mit eBalance ein gutes Instrument zur Hand hast.
1300 kcal finde ich persönlich sehr wenig, aber das muss für dich selbstverständlich nicht gelten. Es scheint, als ob du dich auf diesem Niveau gut eingerichtet hast, das ist ja super!
Es freut mich auch für dich, dass sich dein besseres Körpergefühl in Schmerzlosigkeit ausdrückt. Das primäre Ziel ist ja nicht das Aussehen an sich (jedenfalls für mich), sondern die körperliche Gesundheit. Denn die gilt es so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, das Aussehen ändert sich mit den Jahren ja sowieso...
Alles Gute!
Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von Bändy am Montag, 23. April 2012, 21:35 h
Lieber thomthom
Erstmals ganz herzliche Gratulation zu deinem Erfolg! 20 Kilogramm in sieben Monaten - das ist beeindruckend!
Mich nimmt es jedoch wunder, wieso du davon ausgehst, dass du nun auf dem Kalorienniveau 1300 bleiben musst? Das kann doch nicht sein. Bei deinem Gewicht und deiner Grösse müsstest du einen Tagesverbrauch von mindestens etwa 2200 Kalorien haben, eher noch mehr. Sicher muss sich dein Körper nach der verminderten Kalorienzufuhr über die letzten Monate langsam wieder daran gewöhnen, mehr Kalorien zu sich zu nehmen, aber das sollte doch machbar sein. Oder hast du über Jahrzehnte hinweg mit regelmässigen Diäten und Jojo-Gewichtseffekt deinen Stoffwechsel so beeinträchtigt?
Wie auch immer - ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Halten des Gewichts!
Bändy
Aw:Ein Leben ohne eBalance?
geschrieben von leichterleben am Montag, 23. April 2012, 22:19 h
Hallo Thomthom,
beeindruckend!!!! Ich gratuliere Dir herzlich zu Deinem tollen Erfolg. Du wirst sehen, dass wenn Du konsequent Deinen neuen Weg weiterverfolgst, sich weitere Erfolge einstellen werden, kann ja auch die Verbesserung der körperlichen Fitness bedeuten. Ich selbst konnte mit eB auch mein Wohlfühlgewicht erreichen. Dieses zu halten war für sehr einfach, da ich sportlich sehr aktiv war. Und wenn durch, welche Gründe auch immer etwas "schief" gehen sollte, ist eB ein sehr guter Weg wieder auf den richtigen Pfad zu kommen.
Alles Gute!
Samstag, 21. April 2012
Lippen, mal so - mal so
Es kommt vor, dass man zweimal in kurzem Zeitabstand aneinander vorbei geht. Das erstemal sage ich „Good morning“ und der andere sagt „Howyadoing“ oder etwas ähnliches, was sich wie ein Verschlucker anhört. Bei der zweiten Begegnung auf dem Steg in der Marina kurz nach der ersten hingegen ist der Morgengruss nicht mehr angebracht. Und Mr Howyadoing kann sein Howyadoing auch nicht mehr anbringen.
Was tun? Im amerikanischen Alltag gibt es dafür eine praktische Lösung: die zusammen gekniffenen Lippen. Sie sind das kleinste mögliche Anzeichen einer Freundlichkeit. Auch anzutreffen beim fremden Flugpassagier, der sich über mir in der Gepäckablage zu schaffen macht und mir – während er in seinem Rucksack kramt – sein Gesicht mit den Lippen zeigt.
Doch diese kleinste mögliche freundliche Beachtung ist nicht die einzige Funktion der zusammengekniffenen Lippen. Wir sehen die Strichlippen auch oft auf Bildern von Politikern (seltener bei Politikerinnen). Hier drückt der Lippendruck nicht eine alltagstaugliche Mindestfreundlichkeit aus, sondern etwas total anderes: Anspannung im öffentlichen Kontext, oft vor wichtigen (unerfreulichen) Medienauftritten. Die zusammen gekniffenen Lippen sind auf Politikerbildern und im Fernsehen so häufig zu sehen (siehe Bild mit dem Kandidaten Romney), dass sie kaum je beschrieben werden. Hier ist eine Fundstelle, die ich meiner Expertin für amerikanische Alltagskultur verdanke („Hallo, Camille, thanks a lot!“): http://center-for-nonverbal-studies.org/tensemou.htm
In Europa ist das Gesicht mit den zusammengekniffenen Lippen als öffentlicher mimischer Ausdruck praktisch unbekannt geblieben. Zusammengekniffene Lippen gibt es gelegentlich im kleinen Kreis, an einer Sitzung zum Beispiel, wenn es darum geht, vieldeutig ein meist leicht ärgerliches Erstaunen auszudrücken, das man (noch) nicht in Worte fassen möchte.
Auch als kleinste Freundlichkeit gibt es das Lippenpressen in Europa nicht ; man würde sich hüten, an einem Morgen beim zweiten Zusammentreffen die Lippen zusammen zu kneifen, eher geht man wortlos aneinander vorbei – oder sagt irgendwas Bedeutungsvolles („Auch früh unterwegs?“ ). Da ich im Alltag nichts besseres zu tun habe, übe ich dieses Zusammenkneifen (siehe Bild mit Übung im Gange), habe mich aber bisher nicht getraut, es live zur Schau zu stellen. Ich fürchte, dass meine Mindestfreundlichkeit total misslingt – und der andere dann wirklich vom Howyadoing übergeht zum besorgten: „Are YOU all-RIIIIGHT?“ Das wäre dann eine ganz andere Geschichte.
Was tun? Im amerikanischen Alltag gibt es dafür eine praktische Lösung: die zusammen gekniffenen Lippen. Sie sind das kleinste mögliche Anzeichen einer Freundlichkeit. Auch anzutreffen beim fremden Flugpassagier, der sich über mir in der Gepäckablage zu schaffen macht und mir – während er in seinem Rucksack kramt – sein Gesicht mit den Lippen zeigt.
Doch diese kleinste mögliche freundliche Beachtung ist nicht die einzige Funktion der zusammengekniffenen Lippen. Wir sehen die Strichlippen auch oft auf Bildern von Politikern (seltener bei Politikerinnen). Hier drückt der Lippendruck nicht eine alltagstaugliche Mindestfreundlichkeit aus, sondern etwas total anderes: Anspannung im öffentlichen Kontext, oft vor wichtigen (unerfreulichen) Medienauftritten. Die zusammen gekniffenen Lippen sind auf Politikerbildern und im Fernsehen so häufig zu sehen (siehe Bild mit dem Kandidaten Romney), dass sie kaum je beschrieben werden. Hier ist eine Fundstelle, die ich meiner Expertin für amerikanische Alltagskultur verdanke („Hallo, Camille, thanks a lot!“): http://center-for-nonverbal-studies.org/tensemou.htm
In Europa ist das Gesicht mit den zusammengekniffenen Lippen als öffentlicher mimischer Ausdruck praktisch unbekannt geblieben. Zusammengekniffene Lippen gibt es gelegentlich im kleinen Kreis, an einer Sitzung zum Beispiel, wenn es darum geht, vieldeutig ein meist leicht ärgerliches Erstaunen auszudrücken, das man (noch) nicht in Worte fassen möchte.
Auch als kleinste Freundlichkeit gibt es das Lippenpressen in Europa nicht ; man würde sich hüten, an einem Morgen beim zweiten Zusammentreffen die Lippen zusammen zu kneifen, eher geht man wortlos aneinander vorbei – oder sagt irgendwas Bedeutungsvolles („Auch früh unterwegs?“ ). Da ich im Alltag nichts besseres zu tun habe, übe ich dieses Zusammenkneifen (siehe Bild mit Übung im Gange), habe mich aber bisher nicht getraut, es live zur Schau zu stellen. Ich fürchte, dass meine Mindestfreundlichkeit total misslingt – und der andere dann wirklich vom Howyadoing übergeht zum besorgten: „Are YOU all-RIIIIGHT?“ Das wäre dann eine ganz andere Geschichte.
Freitag, 13. April 2012
Ende Winterlager - und eine lange To-do-Liste
Diese Woche haben wir unser Winterlager verlassen und das Boot in einer nahegelegenen Werft ausgewassert. Schliesslich einen neuen Antifouling-Belag aufgetragen, der das Boot etwas schneller macht, mindestens nicht gerade bremst wie mit alten Belägen, auf denen sich Algen, Muscheln und anderes Meeresgetier am Rumpf festklammern kann, in der Hoffnung auf einen Gratistrip in eine neue Zukunft.
Im Mai wollen wir dann von Jacksonville (Florida) Richtung Bermuda segeln und von dort via Azoren nach Portugal. 3400 Meilen insgesamt und unsere vierte Ueberquerung des Atlantik. Weil unsere Miranda II für den grossen Trip in einem guten Zustand sein sollte, ist die To-do-Liste im Moment wieder lang. Gerade habe ich den Impeller des Log noch einmal nachgesehen, weil der "Tacho" auf dem kleinen Ausflug von der Werft zurück dauernd Null angezeigt hat. Ich konnte nun (leider) kein Problem entdecken und so bleibt der Nullstand ein Rätsel. Wie weiter, muss ich mir noch überlegen.
Dann warten wir auf Mast Tangs, ein Wort, das ich bisher nicht kannte. Es handelt sich um Befestigungen, an denen neu die Lazy Jacks am Mast festgemacht werden sollen. Bisher waren sie an die Maststufen geknüpft, den Leiterli-Tritten, auf denen man den Mast hochklettern kann. Keine gute Konstruktion, wie mir schien, weil die beiden betroffenen Tritte einer Dauerbelastung ausgesetzt sind, die neu besser von Mast Tangs übernommen würden.
Weiter sollten Mastschiene und Mastrutscher gereinigt werden, damit sie gut gleiten. Und dann sollten wir unbedingt Reserve-Schäckel kaufen - man weiss nie. Auch auf ein rotes LED der Dimension BA9S warten wir noch, das stromsparend den Navigationstisch erleuchten sollte. Warum rot? Rot erhält die Nachtsichtigkeit des menschlichen Auges, weiss zerstört sie und es dauert auf der Wache eine Weile, bis sie im Dunkeln wieder hergestellt ist - nicht tragisch, aber doch sinnvoll, wenn man nachts rotes statt weisses Licht hat.
Bereits betriebsbereit ist das Satellitentelefon, die Mail-Tests sind nach nervenerschütternden Installationen von Treibern auf dem Laptop schliesslich einwandfrei verlaufen, ebenso die testweise Bestellung und Lieferung von Wetterkarten, ein Gratis-Service von www.grib.us, den wir wieder gerne benutzen werden. Was würde passieren, wenn dieses High-tech-Verfahren nicht funktioniert? Antwort: Dann wäre unsere einzige Wettervorhersage das Kurzwellenradio (auf die To-do-Liste notieren: "Frequenzen nachsehen") und ein Barometer, wie 1999 als wir zum ersten Mal an Bord von La Villa" (einer Bavaria 42) den Atlantik überquert hatten.
Im Mai wollen wir dann von Jacksonville (Florida) Richtung Bermuda segeln und von dort via Azoren nach Portugal. 3400 Meilen insgesamt und unsere vierte Ueberquerung des Atlantik. Weil unsere Miranda II für den grossen Trip in einem guten Zustand sein sollte, ist die To-do-Liste im Moment wieder lang. Gerade habe ich den Impeller des Log noch einmal nachgesehen, weil der "Tacho" auf dem kleinen Ausflug von der Werft zurück dauernd Null angezeigt hat. Ich konnte nun (leider) kein Problem entdecken und so bleibt der Nullstand ein Rätsel. Wie weiter, muss ich mir noch überlegen.
Dann warten wir auf Mast Tangs, ein Wort, das ich bisher nicht kannte. Es handelt sich um Befestigungen, an denen neu die Lazy Jacks am Mast festgemacht werden sollen. Bisher waren sie an die Maststufen geknüpft, den Leiterli-Tritten, auf denen man den Mast hochklettern kann. Keine gute Konstruktion, wie mir schien, weil die beiden betroffenen Tritte einer Dauerbelastung ausgesetzt sind, die neu besser von Mast Tangs übernommen würden.
Weiter sollten Mastschiene und Mastrutscher gereinigt werden, damit sie gut gleiten. Und dann sollten wir unbedingt Reserve-Schäckel kaufen - man weiss nie. Auch auf ein rotes LED der Dimension BA9S warten wir noch, das stromsparend den Navigationstisch erleuchten sollte. Warum rot? Rot erhält die Nachtsichtigkeit des menschlichen Auges, weiss zerstört sie und es dauert auf der Wache eine Weile, bis sie im Dunkeln wieder hergestellt ist - nicht tragisch, aber doch sinnvoll, wenn man nachts rotes statt weisses Licht hat.
Bereits betriebsbereit ist das Satellitentelefon, die Mail-Tests sind nach nervenerschütternden Installationen von Treibern auf dem Laptop schliesslich einwandfrei verlaufen, ebenso die testweise Bestellung und Lieferung von Wetterkarten, ein Gratis-Service von www.grib.us, den wir wieder gerne benutzen werden. Was würde passieren, wenn dieses High-tech-Verfahren nicht funktioniert? Antwort: Dann wäre unsere einzige Wettervorhersage das Kurzwellenradio (auf die To-do-Liste notieren: "Frequenzen nachsehen") und ein Barometer, wie 1999 als wir zum ersten Mal an Bord von La Villa" (einer Bavaria 42) den Atlantik überquert hatten.
Münz
Niemand fällt auf den Preis von 4.99 herein. Wir wissen alle, dass das Angebot nur zum Schein hart gerechnet ist; der nächste Preissprung wäre nicht 5.00, sondern 5. 99, um erneut die Illusion zu schaffen, der Preis sei knapp kalkuliert. Bei höheren Beträgen verschwindet – da total unglaubwürdig - die 1-Cent-Spanne und 19.90 oder 499.00, müssen als Superangebot herhalten.
All diese scheinbar hart gerechneten Preise in den USA sind ohnehin eine totale Illusion, weil immer eine lokale Verkaufstaxe hinzukommt, die den zu bezahlenden Betrag automatisch über die psychologische Vulgärschwelle anhebt. 4.99 sind dann nicht mehr 4.99, sondern zum Beispiel 5.13.
Und diese 5-irgendwas sind ein Problem. Denn sie führen automatisch zu einem Herausgeld in Münzen, mit dem wir Konsumenten unsere liebe Mühe haben. Man kann das ewig anschwellende Münz im Hosensack horten oder zu Hause in einem Einmachglas, es im Bus loszuwerden versuchen – oder man kann mit gleicher Münze zurückzahlen, das heisst im Supermarkt Quarter, Dimes und Cents herauszählen, bis in der Schlange ein Gemurmel entsteht. Aber am Ende des Tages kommen immer neue Münzen hinzu, denn der Münzsalat wächst unablässig - trotz allerbesten Bemühungen.
Die Mühlen des Kapitalismus halten nun allerdings auch für das Münzproblem eine Lösung bereit, es sind die Coin-Machines, Münzautomaten, die das Kleingeld in atemberaubendem Tempo sortieren und dem Kunden dann einen Voucher ausstellen, mit welchem man beim Consumer Desk im Lebensmittelsupermarkt Nötli beziehen kann.
Das interessante ist, dass diese Maschinen eine Kommission von 8 Prozent für ihre Mühe beanspruchen. Das ist nichts anderes als ein Negativzins. Dieser sagt uns, dass wir - wenn wir (unfreiwillig) Geld in Münzen anlegen - dafür einen Abschlag von 8 Prozent entrichten müssen, um die Münzen loszuwerden bzw, in Banknoten zurück zu verwandeln, in die Banknotenwährung zu konvertieren, technisch gesagt.
Die Zukunft wird zeigen, dass der 8-Prozent-Zins für uns alle unakzeptabel ist und wir deshalb dazu übergehen, noch mehr mit Plastikgeld, Kreditkarten und dergleichen, zu bezahlen, wo der Händler die Transaktionskosten trägt. Nach und nach wird das Münzgeld verschwinden und das Problem wachsender Münzlager wird, 600 Jahre nach Erfindung des Geldstücks, gelöst sein.
Frage nun aber: Was passiert nach dem Ende des Münzgeldes mit den hart gerechneten Preisen? Kehren wir zurück zu einem besten Preis von 5.01 oder 101.10? Oder 5.00 und 100.00?
Und: Ist das dann glaubwürdiger als die fiktiven 4.99 oder 99.90?
All diese scheinbar hart gerechneten Preise in den USA sind ohnehin eine totale Illusion, weil immer eine lokale Verkaufstaxe hinzukommt, die den zu bezahlenden Betrag automatisch über die psychologische Vulgärschwelle anhebt. 4.99 sind dann nicht mehr 4.99, sondern zum Beispiel 5.13.
Und diese 5-irgendwas sind ein Problem. Denn sie führen automatisch zu einem Herausgeld in Münzen, mit dem wir Konsumenten unsere liebe Mühe haben. Man kann das ewig anschwellende Münz im Hosensack horten oder zu Hause in einem Einmachglas, es im Bus loszuwerden versuchen – oder man kann mit gleicher Münze zurückzahlen, das heisst im Supermarkt Quarter, Dimes und Cents herauszählen, bis in der Schlange ein Gemurmel entsteht. Aber am Ende des Tages kommen immer neue Münzen hinzu, denn der Münzsalat wächst unablässig - trotz allerbesten Bemühungen.
Die Mühlen des Kapitalismus halten nun allerdings auch für das Münzproblem eine Lösung bereit, es sind die Coin-Machines, Münzautomaten, die das Kleingeld in atemberaubendem Tempo sortieren und dem Kunden dann einen Voucher ausstellen, mit welchem man beim Consumer Desk im Lebensmittelsupermarkt Nötli beziehen kann.
Das interessante ist, dass diese Maschinen eine Kommission von 8 Prozent für ihre Mühe beanspruchen. Das ist nichts anderes als ein Negativzins. Dieser sagt uns, dass wir - wenn wir (unfreiwillig) Geld in Münzen anlegen - dafür einen Abschlag von 8 Prozent entrichten müssen, um die Münzen loszuwerden bzw, in Banknoten zurück zu verwandeln, in die Banknotenwährung zu konvertieren, technisch gesagt.
Die Zukunft wird zeigen, dass der 8-Prozent-Zins für uns alle unakzeptabel ist und wir deshalb dazu übergehen, noch mehr mit Plastikgeld, Kreditkarten und dergleichen, zu bezahlen, wo der Händler die Transaktionskosten trägt. Nach und nach wird das Münzgeld verschwinden und das Problem wachsender Münzlager wird, 600 Jahre nach Erfindung des Geldstücks, gelöst sein.
Frage nun aber: Was passiert nach dem Ende des Münzgeldes mit den hart gerechneten Preisen? Kehren wir zurück zu einem besten Preis von 5.01 oder 101.10? Oder 5.00 und 100.00?
Und: Ist das dann glaubwürdiger als die fiktiven 4.99 oder 99.90?
Montag, 30. Januar 2012
Dear Ethicist
The other day I went to a campaign event, organized by a candidate and a party which never did get my vote and never will. The purpose was to watch a well known politician and his followers with my own eyes, without the filter of TV footage.
I sat in a back seat in the ball room, far away from the podium. But as turnout was low that afternoon, we were asked by a volunteer to please take a forward seat closer to the podium so that the auditorium would look fuller.
I did so with others, but at once realized that I now would no more be a bystander, but a participant of the cause. I even got a button and a bumper sticker from some volunteer next to me.
When the event started, I further became aware that I sat in the midst of an enthusiastic crowd. My biggest concern at that moment was: Should I applaud and even cheer during the speech of the candidate? If staying silent, I would be a spoiler; I would look very bad so close to the podium and everybody would think, who this guy was and whether he was doing opposition research, which in a way was true, although the research was for purely private purposes only.
On the other hand: applauding and clapping hands, all the more enthusiastic cheering, would be a clear betrayal of my deepest political convictions.
Dear Ethicist, what would have been the right thing to do?
I decided to applaud somewhat meagerly and only for lines I could easily approve - like "America is a great country" -, but tried to be silent and not clapping hands too openly on clearly partisan lines.
However, when walking home from the event I felt full of guilt and I thought that maybe I better should not have participated - or left the auditorium when asked to take a seat close to the podium. But on the other hand: getting first hand knowledge of the political process seems a perfectly good reason to take part in a campaign event of the other side...
Thank you for your guidance.
Yours sincerely
Thomas Ruest
I sat in a back seat in the ball room, far away from the podium. But as turnout was low that afternoon, we were asked by a volunteer to please take a forward seat closer to the podium so that the auditorium would look fuller.
I did so with others, but at once realized that I now would no more be a bystander, but a participant of the cause. I even got a button and a bumper sticker from some volunteer next to me.
When the event started, I further became aware that I sat in the midst of an enthusiastic crowd. My biggest concern at that moment was: Should I applaud and even cheer during the speech of the candidate? If staying silent, I would be a spoiler; I would look very bad so close to the podium and everybody would think, who this guy was and whether he was doing opposition research, which in a way was true, although the research was for purely private purposes only.
On the other hand: applauding and clapping hands, all the more enthusiastic cheering, would be a clear betrayal of my deepest political convictions.
Dear Ethicist, what would have been the right thing to do?
I decided to applaud somewhat meagerly and only for lines I could easily approve - like "America is a great country" -, but tried to be silent and not clapping hands too openly on clearly partisan lines.
However, when walking home from the event I felt full of guilt and I thought that maybe I better should not have participated - or left the auditorium when asked to take a seat close to the podium. But on the other hand: getting first hand knowledge of the political process seems a perfectly good reason to take part in a campaign event of the other side...
Thank you for your guidance.
Yours sincerely
Thomas Ruest
Dienstag, 22. November 2011
Von Charleston bis Jacksonville
Das Gebiet des Rheins war überschwemmt. Und ich sollte eine Story schreiben. Doch die Redaktion wollte nicht einfach irgendwelche Faits divers; das Ereignis sollte vielmehr zum Anlass genommen werden, die „apokalyptische Zeit“ zu beschreiben, in der wir leben. Im Newsroom war es laut, so dass ich keinen vernünftigen Gedanken fassen konnte. Ein Chefredaktor aus längst verflossenen Zeiten wies mich an einen ruhigeren Arbeitsplatz. Doch dort nahte nun die Dead line. Ich erwachte und sagte zu Agnes, die bereits dabei war, das Boot für unseren Trip nach Jacksonville vorzubereiten: „Warum muss man immer noch arbeiten nachts, wenn man längst pensioniert ist.“
Unwillig und noch immer ausser mir von dem Traum mit der Ueberschwemmung trank ich Kaffee und machte mich bei den weiteren Vorbereitungen nützlich. Ich hatte am Abend eine exzellente Analyse meines Kollegen Robert Mayer gelesen zur Krise des Euro, so erinnerte ich mich nun, während ich die Anoden aus dem Wasser nahm. Wahrscheinlich hatte mir dieser Bericht den Albtraum zugefügt. Die Schlussfolgerung war voller Pessimismus, eben „apokalyptische Zeit“.Wir verliessen Charleston Harbor nun an diesem Samstagmorgen und motorten Richtung Atlantik, wo wir unerwartet hohe Wellen antrafen. Doch auf einem Kurs von 215 (Karte) nahm Miranda die Wellen „gracefully“, wie die Amerikaner sagen. Wir setzten die Segel, nahmen die Windsteuerung in Betrieb und waren total happy, wieder segeln zu können nach dem wochenlangen „Autofahren“ im Kanal. Später am Tag drehte der Wind von Nordost auf Ost, und es wurde wärmer. Doch dann, kurz nach 23 Uhr am Samstag, fiel der Wind in sich zusammen und wir mussten motoren. Bis am Sonntag Nachmittag, als wir in Jacksonville eintrafen. Nach gut 170 Meilen sind wir nun in unserem Winterquartier. Und planen das Neue Jahr.
Unwillig und noch immer ausser mir von dem Traum mit der Ueberschwemmung trank ich Kaffee und machte mich bei den weiteren Vorbereitungen nützlich. Ich hatte am Abend eine exzellente Analyse meines Kollegen Robert Mayer gelesen zur Krise des Euro, so erinnerte ich mich nun, während ich die Anoden aus dem Wasser nahm. Wahrscheinlich hatte mir dieser Bericht den Albtraum zugefügt. Die Schlussfolgerung war voller Pessimismus, eben „apokalyptische Zeit“.Wir verliessen Charleston Harbor nun an diesem Samstagmorgen und motorten Richtung Atlantik, wo wir unerwartet hohe Wellen antrafen. Doch auf einem Kurs von 215 (Karte) nahm Miranda die Wellen „gracefully“, wie die Amerikaner sagen. Wir setzten die Segel, nahmen die Windsteuerung in Betrieb und waren total happy, wieder segeln zu können nach dem wochenlangen „Autofahren“ im Kanal. Später am Tag drehte der Wind von Nordost auf Ost, und es wurde wärmer. Doch dann, kurz nach 23 Uhr am Samstag, fiel der Wind in sich zusammen und wir mussten motoren. Bis am Sonntag Nachmittag, als wir in Jacksonville eintrafen. Nach gut 170 Meilen sind wir nun in unserem Winterquartier. Und planen das Neue Jahr.
Mittwoch, 16. November 2011
Norfolk bis Charleston
Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt: Wir dachten, ab Beaufort würden wir im Atlantik segeln, schön der Küste entlang südlich, um nicht in den nördlich setzenden Golfstrom hinein zu geraten. Doch die Kälte mit nördlichen und nordöstlichen Winden machte uns Warmduschern einen Strich durch die Planung. Wir hatten keine Lust, Nachtwachen bei 5 Grad zu schieben. Und so tuckerten wir – wie viele andere Boote auch – durch die kalten Carolinas, 50 Meilen am Tag und dann für die Nacht in eine schöne Marina, Heizung anschalten und aufwärmen.
Mehr als 50 Meilen sind pro Tag, bzw pro 24 Stunden, kaum zu schaffen, weil die Tage kürzer geworden sind, Brückenöffnungszeiten beachtet werden müssen und man am Morgen auch nicht vor 7 Uhr ablegen will, wenn noch ein feucht-kalter Nebel im Kanal liegt. So haben wir von Norfolk bis Charleston nun halt zwei Wochen gebraucht, unendlich lange Tage in der Natur, vorbei an Sumpflandschaften, dann wieder Condos-Condos-Condos, Spekulationsbauten, finanziert mit Steuernachlässen. Dank des Landweges haben wir aber auch Georgetown und andere hübsche Orte kennen gelernt.
Zum Alltag auf dem Kanal gehörte auch das Suchen nach der besten oder am wenigsten schlechten Tiefe. Die Boote mit Plotter an Bord hatten es leichter; sie folgten der Kanalmitte auf ihren Bildschirmen. Wir hingegen mit Papierkarte und Tiefenmesser mussten immer wieder die richtige Tiefe mit Schwenkern „erfühlen“. Der Trick dieses Auslotens ist, frühzeitig zu sehen, ob man auf die linke oder auf die rechte Seite des Fahrwassers geraten ist, damit man entsprechend korrigieren kann, bis die Zahlen auf der Anzeige wieder besser aussehen. Im Gegensatz zur Strasse gibt es im Intracoastal Waterway keine weissen Mittellinien.
Die Alternative dieser Mühsal wäre gewesen, bereits im Oktober die Chesapeake Bay zu verlassen und bei wärmerem Wetter die Aussenroute im Atlantik zu nehmen. Nur ist im Oktober noch Hurrikan-Saison und sind die (Versicherungs-)Risiken noch höher als im November. Die meisten Bootsversicherungen machen strenge Auflagen für den Aufenthalt südlich des 38. Breitengrades, also südlich von Cape Hatteras, sodass man im Schadensfall wohl fast unweigerlich den kürzeren ziehen würde.
Die Hurrikan-Saison dauert offiziell bis Ende November, doch dieses Jahr, so hat uns unser Wetter-Experte Thomas aus Oesterreich wissen lassen, hatte sich das Meer wegen der kalten Winde aus Norden früher als sonst abgekühlt und die Gefahr von späten Wirbelstürmen sank auf Null. Der Vorteil ausbleibender Stürme wurde also mit dem Nachteil kalten Novemberwetters erkauft.
Der Lohn der Kanal-Plackerei ist jetzt immerhin, dass wir die nördliche Kälte, für den Moment mindestens, verlassen haben. Wir hoffen, in den nächsten paar Wochen weiterhin T-Shirt-Wetter zu haben - wie man sich das vorstellt, wenn man den Winter im Süden verbringen möchte.
Mehr als 50 Meilen sind pro Tag, bzw pro 24 Stunden, kaum zu schaffen, weil die Tage kürzer geworden sind, Brückenöffnungszeiten beachtet werden müssen und man am Morgen auch nicht vor 7 Uhr ablegen will, wenn noch ein feucht-kalter Nebel im Kanal liegt. So haben wir von Norfolk bis Charleston nun halt zwei Wochen gebraucht, unendlich lange Tage in der Natur, vorbei an Sumpflandschaften, dann wieder Condos-Condos-Condos, Spekulationsbauten, finanziert mit Steuernachlässen. Dank des Landweges haben wir aber auch Georgetown und andere hübsche Orte kennen gelernt.
Zum Alltag auf dem Kanal gehörte auch das Suchen nach der besten oder am wenigsten schlechten Tiefe. Die Boote mit Plotter an Bord hatten es leichter; sie folgten der Kanalmitte auf ihren Bildschirmen. Wir hingegen mit Papierkarte und Tiefenmesser mussten immer wieder die richtige Tiefe mit Schwenkern „erfühlen“. Der Trick dieses Auslotens ist, frühzeitig zu sehen, ob man auf die linke oder auf die rechte Seite des Fahrwassers geraten ist, damit man entsprechend korrigieren kann, bis die Zahlen auf der Anzeige wieder besser aussehen. Im Gegensatz zur Strasse gibt es im Intracoastal Waterway keine weissen Mittellinien.
Die Alternative dieser Mühsal wäre gewesen, bereits im Oktober die Chesapeake Bay zu verlassen und bei wärmerem Wetter die Aussenroute im Atlantik zu nehmen. Nur ist im Oktober noch Hurrikan-Saison und sind die (Versicherungs-)Risiken noch höher als im November. Die meisten Bootsversicherungen machen strenge Auflagen für den Aufenthalt südlich des 38. Breitengrades, also südlich von Cape Hatteras, sodass man im Schadensfall wohl fast unweigerlich den kürzeren ziehen würde.
Die Hurrikan-Saison dauert offiziell bis Ende November, doch dieses Jahr, so hat uns unser Wetter-Experte Thomas aus Oesterreich wissen lassen, hatte sich das Meer wegen der kalten Winde aus Norden früher als sonst abgekühlt und die Gefahr von späten Wirbelstürmen sank auf Null. Der Vorteil ausbleibender Stürme wurde also mit dem Nachteil kalten Novemberwetters erkauft.
Der Lohn der Kanal-Plackerei ist jetzt immerhin, dass wir die nördliche Kälte, für den Moment mindestens, verlassen haben. Wir hoffen, in den nächsten paar Wochen weiterhin T-Shirt-Wetter zu haben - wie man sich das vorstellt, wenn man den Winter im Süden verbringen möchte.
Freitag, 28. Oktober 2011
Südliche Bay und ländliches Virginia
Für die südliche Chesapeake Bay haben wir uns viel Zeit genommen. Erst besuchten wir Smith Island und Tangier Island. Mit dem Festland sind die Menschen nur über ein kleines Postboot verbunden, das sie nach Christfield am Eastern Shore übersetzt, also auf der Atlantikseite der Bay.Weil auf den Inseln die Prohibition nie aufgehört hat, ist man punkto Alk auf die eigenen Bordvorräte angewiesen. Als diese zur Neige gingen, haben wir nach Deltaville aufs westliche Ufer der Bay übergesetzt. Später dann waren wir im Perrin River, knapp 4 Fuss war die Wassertiefe am Eingang des Flusses, sodass wir das Ruder hochklappten. Entsprechend waren wir DIE Attraktion. Bei unserer Ankunft klickten Kameras und wir erhielten am Steg Besuch, da sich „the arrival of a boat from Sweden“ schnell herumgesprochen habe in der kleinen Gemeinde.
Später waren wir im Sarah-Creek, dann in Salt Pond, einer etwas sterilen Community, wo private Ferienhausbeseitzer mit Meeranstoos einem das Joggen auf dem weissen Sandstrand verwehren (no trespassing). Heute nun sind wir in Norfolk gelandet, mitten in der Stadt, die wir in den kommenden Tagen besichtigen wollen.
Wir hatten ausserordentlich guten Wind, meist aus Südwest, 20 bis 25 Kn, sodass wir as zweite Reff einzogen und gestern sogar das dritte, damit Miranda nicht zuviel Druck aufs Ruder kriegte. Heute mit einem Northerner und bei entsprechend kalten Temperaturen harrten wir drei Stunden in der Kälte aus bis zur Ankunft in Norfolk. Wir konnten das gesammelte Kriegsspielzeug der Navy besichtigen, jedenfalls jene Zerstörer und Flugzeugträger, die nicht gerade irgendwo auf der Welt Krieg führen.
Von nun an ist Schluss mit Segeln. Wir werden ca 200 Meilen im Intracoastal Waterway vor uns hin tuckern. Wir nehmen dieses Mal die Abkürzung durch den Dismal swamp nach Elizabeth City und von dort dann nach Beaufort. Ab Beaufort segeln wir dann wieder im Atlantik – falls es weiter ruhig bleibt an der Hurrikan-Front. Mit Wirbelstürmen ist statistisch noch bis Ende November zu rechnen, auch wenn sie im letzten Monat der Saison statistisch betrachtet selten sind – doch eben nur statistisch, in der Wirklichkeit...
Später waren wir im Sarah-Creek, dann in Salt Pond, einer etwas sterilen Community, wo private Ferienhausbeseitzer mit Meeranstoos einem das Joggen auf dem weissen Sandstrand verwehren (no trespassing). Heute nun sind wir in Norfolk gelandet, mitten in der Stadt, die wir in den kommenden Tagen besichtigen wollen.
Wir hatten ausserordentlich guten Wind, meist aus Südwest, 20 bis 25 Kn, sodass wir as zweite Reff einzogen und gestern sogar das dritte, damit Miranda nicht zuviel Druck aufs Ruder kriegte. Heute mit einem Northerner und bei entsprechend kalten Temperaturen harrten wir drei Stunden in der Kälte aus bis zur Ankunft in Norfolk. Wir konnten das gesammelte Kriegsspielzeug der Navy besichtigen, jedenfalls jene Zerstörer und Flugzeugträger, die nicht gerade irgendwo auf der Welt Krieg führen.
Von nun an ist Schluss mit Segeln. Wir werden ca 200 Meilen im Intracoastal Waterway vor uns hin tuckern. Wir nehmen dieses Mal die Abkürzung durch den Dismal swamp nach Elizabeth City und von dort dann nach Beaufort. Ab Beaufort segeln wir dann wieder im Atlantik – falls es weiter ruhig bleibt an der Hurrikan-Front. Mit Wirbelstürmen ist statistisch noch bis Ende November zu rechnen, auch wenn sie im letzten Monat der Saison statistisch betrachtet selten sind – doch eben nur statistisch, in der Wirklichkeit...
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