Samstag, 17. September 2011
What's next?
Anfang Oktober beginnen wir unsere Reise Richtung Süden, zuerst mit ein paar Etappen in der Chesapeake Bay, südlich des Patuxent River. Dann ab Norfolk wieder ein Stück auf dem Intracoastal Waterway, wenn möglich die Abkürzungsstrecke durch den Dismal swamp, den wir noch nicht kennen. Ab Beaufort werden wir wahrscheinlich wieder im Atlantik segeln zwischen Küste und Golfstrom - bis ca Jacksonville. Dort sehen wir, ob es uns gefällt und die Temperaturen angenehm sind.
Sonntag, 28. August 2011
"Irene" überstanden
Wir haben "Irene" ohne Schäden überstanden. Wir machten uns am Samstagnachmittag Sorgen, als das Mittagshochwasser nicht mehr zurückging und dann am Abend die Ebbe ausblieb. Doch mittlerweile hatte sich "Irene" nördlich bewegt, sodass die Chesapeake Bay nordöstliche bzw. nördliche Winde erhielt im Westquadrant des Sturms. Das führte dann dazu, dass kein Wasser mehr in die Bay hinein gedrückt wurde und nach Mitternacht am Sonntag das Wasser sogar wieder in den Atlantik hinaus fliessen konnte. Die Gefahr der Flut war gebannt. Ein Augenschein nach Mitternacht ergab, dass nicht einmal die Stege überschwemmt wurden dank des günstigen Verlaufs.
Wir erwartet fiel allerdings der Strom aus. Ein Baum lag am Morgen quer über einer Zufahrtsstrass zwei Meilen von unserem Creek entfernt. Doch bereits waren Anwohner mit Kettensägen im Einsatz. Es ist erstaunlich, wieviele solche Geräte sich in den Haushalten hier befinden. So war die Strasse im Nu frei geräumt. Da ohne Kettensäge, konnte ich nur helfen, ein paar kleinere Aeste zu beseitigen. Immerhin. Der Wind war während der 24 Stunden des tobenden Sturms kein Problem, wir waren gut geschützt in unserem Hurrikan-Versteck. Der Regen hingegen war enorm. Paul sagte: "Wie ein Platzregen, nur dass er nicht zehn Minuten dauert, sondern stundenlang."
Wir erwartet fiel allerdings der Strom aus. Ein Baum lag am Morgen quer über einer Zufahrtsstrass zwei Meilen von unserem Creek entfernt. Doch bereits waren Anwohner mit Kettensägen im Einsatz. Es ist erstaunlich, wieviele solche Geräte sich in den Haushalten hier befinden. So war die Strasse im Nu frei geräumt. Da ohne Kettensäge, konnte ich nur helfen, ein paar kleinere Aeste zu beseitigen. Immerhin. Der Wind war während der 24 Stunden des tobenden Sturms kein Problem, wir waren gut geschützt in unserem Hurrikan-Versteck. Der Regen hingegen war enorm. Paul sagte: "Wie ein Platzregen, nur dass er nicht zehn Minuten dauert, sondern stundenlang."
Freitag, 26. August 2011
Hurricane preparations
Als Korrespondent in Washington hatte ich oft über Hurrikane geschrieben und so wollte ich in den neunziger Jahren auch einmal einen selbst erleben. Ich fuhr deshalb bei passender Gelegenheit nach Wilmington in North Carolina, wo der Landfall eines Sturm erwartet wurde. Es stellte sich sehr rasch heraus, dass der Trip so ziemlich die dümmste Idee meines Lebens war. Denn Hurrikane sind gefährlich: Reissende Flüsse strömen wegen der sintflutartigen Regenfälle quer zur Strasse und drohen Autos wegzuspühlen, nachts herrscht zudem absolute Dunkelheit wegen Stromausfalls. Und dann gibt es natürlich die Gefahr, von irgendwelchen herumfliegenden Teilen getroffen zu werden. Ich stand damals während dieses blödsinnigen Einsatzes vor der Alternative, entweder zu Schaden zu kommen – oder dann eine gute Geschichte zum Erzählen zu Hause zu haben. Es wurde letzteres.
Nun ist es wieder soweit. In der Chesapeake Bay wird Wirbelsturm "Irene" erwartet. Wir sind in unserem Creek, der als Hurrican whole markiert ist, also als geschützter Ort, wo die Winde nicht so stark sein sollten, wie an der Atlantikküste – oder schon an der Mündung des Patuxent River. Unsere Sorge ist denn auch nicht so sehr der Wind, sondern die Flut. Ich habe nachgelesen, dass der letzte grosse Wirbelsturm an der Ostküste, „Isabel“, 2003, den Wasserstand in Baltimore um bis zu 6 Fuss (1.80m) angehoben hat. Am höchsten sind die Wasserstände jeweils am Ende von Creeks und Flussarmen, wo sich die vom Wind in die Bay hinein gedrückten Wassermassen sozusagen stauen. Wir erwarten deshalb in Solomons, an der Mündung des Patuxent, „nur“ 4 Fuss über dem normalen Wasserstand bei Flut. Wenn ich nachmesse, ist das knapp die Höhe der Pfosten, an denen unsere „ Miranda“ im Hurrican-Versteck festgemacht ist.Wir haben heute Morgen die Festmacherleinen um die Pfosten herum geschlungen, damit sie von der Last des Bootes (hoffentlich) festgezogen werden und nicht nach oben, über die Pfostenenden hinaus, rutschen, wenn das Wasser steigt. Auch haben wir höher gelegte Fender an den Pfosten angebracht sowie eine Pfostenverlängerung. Nicht, um die Last des Bootes daran festzumachen, sondern um zu wissen, wo sich der Steg befindet, wenn Land unter herrschen sollte. Das Boot selbst werden wir so vertäuen, dass die Backbordseite keinen Kontakt haben kann mit dem Steg. Die Fender sind also mehr für den Fall der Fälle gedacht.
Und nun warten wir, bis am Samstag der Regen einsetzt, dann der Wind immer stärker wird und das Wasser steigt. Dann wird sich herausstellen, ob „Irene“ Schäden anrichtet bei uns, unseren Freunden und unseren Nachbarn sowie in der weiteren Umgebung. Oder das ganze als eine gute Geschichte endet zum Weitererzählen im Trockenen.
Nun ist es wieder soweit. In der Chesapeake Bay wird Wirbelsturm "Irene" erwartet. Wir sind in unserem Creek, der als Hurrican whole markiert ist, also als geschützter Ort, wo die Winde nicht so stark sein sollten, wie an der Atlantikküste – oder schon an der Mündung des Patuxent River. Unsere Sorge ist denn auch nicht so sehr der Wind, sondern die Flut. Ich habe nachgelesen, dass der letzte grosse Wirbelsturm an der Ostküste, „Isabel“, 2003, den Wasserstand in Baltimore um bis zu 6 Fuss (1.80m) angehoben hat. Am höchsten sind die Wasserstände jeweils am Ende von Creeks und Flussarmen, wo sich die vom Wind in die Bay hinein gedrückten Wassermassen sozusagen stauen. Wir erwarten deshalb in Solomons, an der Mündung des Patuxent, „nur“ 4 Fuss über dem normalen Wasserstand bei Flut. Wenn ich nachmesse, ist das knapp die Höhe der Pfosten, an denen unsere „ Miranda“ im Hurrican-Versteck festgemacht ist.Wir haben heute Morgen die Festmacherleinen um die Pfosten herum geschlungen, damit sie von der Last des Bootes (hoffentlich) festgezogen werden und nicht nach oben, über die Pfostenenden hinaus, rutschen, wenn das Wasser steigt. Auch haben wir höher gelegte Fender an den Pfosten angebracht sowie eine Pfostenverlängerung. Nicht, um die Last des Bootes daran festzumachen, sondern um zu wissen, wo sich der Steg befindet, wenn Land unter herrschen sollte. Das Boot selbst werden wir so vertäuen, dass die Backbordseite keinen Kontakt haben kann mit dem Steg. Die Fender sind also mehr für den Fall der Fälle gedacht.
Und nun warten wir, bis am Samstag der Regen einsetzt, dann der Wind immer stärker wird und das Wasser steigt. Dann wird sich herausstellen, ob „Irene“ Schäden anrichtet bei uns, unseren Freunden und unseren Nachbarn sowie in der weiteren Umgebung. Oder das ganze als eine gute Geschichte endet zum Weitererzählen im Trockenen.
Dienstag, 23. August 2011
Wie abschreckend ist die USA für Segler?
„Was ist das für eine Landesflagge“, fragt uns ein Motorböötler in Tilghman Island (Bild). „Switzerland“, sagen wir. Und dann sagt er: „Ich habe Euch bereits vor Wochen gesehen, im Intracoastal Waterway, auf dem Weg nach Norfolk.“ Stimmt, antworten wir. Und denken: Hat der Mann nur ein gutes Gedächtnis oder sind wir als ausländisches Boot so auffällig wie ein bunter Hund? Und falls letzteres: Warum gibt es so wenige nicht-amerikanische Segelboote an der Ostküste, einem idealen und dazu noch preisgünstigen Segelrevier? Der Grund liegt in den abschreckenden Berichten über Visumszwang, Meldezwang und überhaupt all die sonstigen Massnahmen, die seit dem 9/11 ergriffen worden seien und die auch Segler zu spüren bekämen. Das hat dazu geführt, dass die allermeisten Yachten von der Karibik aus nicht (mehr) nach USA segeln, sondern im Sommer in der südlichen Karibik bleiben während der Hurrikan-Saison. Und die Folge ist, dass wir kein einziges ausländisches Boot gesehen haben in den drei Monaten, seit wir hier sind.
Abschreckend ist tatsächlich das „weisse“ Touristenvisum, das ausländische Crews von Segelbooten für die Einreise per Boot in die USA brauchen, das normale „grüne“ Papier, ein Visawaiver (also ein Rechtsverzicht), reicht nicht. Man muss sich deshalb vor Abreise in der Schweiz einen Vormittag lang auf der US-Botschaft herumschlagen und Einkommen, Ersparnisse und persönliche Verhältnisse offen legen und sogar die Krankenkasse nennen – wo Millionen AmerikanerInnen noch immer keine haben . Doch dann ist Schluss mit Schikanen. Einmal mehr zeigt sich dann nämlich, dass in den USA die Gesetze zwar hart und abschreckend formuliert sind, aber die Anwendung doch oft total large ist.
Ein Beispiel: Bei unserer Ankunft in Beaufort kündigt der Zoll telephonisch den Besuch für den nächsten Morgen 9 Uhr an. Auweia! Jetzt heisst es aufräumen! Alle Dokumente kontrollieren! Haben wir Drogen an Bord? Ja, Medikamente! Müssen wir die angeben? Klar! - - - Wir haben schlecht geschlafen vor dem Termin. Doch dann war alles total harmlos. Die zwei Zöllner, die pünktlich kamen, wollten nicht mal an Bord kommen. Sie sagten uns bereits zur Begrüssung, sie würden nur gerne die Cruising License vorbei bringen, eine gratis erteilte Bewilligung für ein Jahr segeln in den US-amerikanischen Gewässern. „And have a save trip.“
Auch die von „Noonsite“, der wichtigsten Webseite für Fahrtensegler, drastisch geschilderte Meldepflicht funktioniert sehr unbürokratisch. Man ruft bei Ankunft im Hafen eines neuen Bundesstaats die Zollbehörde an (die Nummern sind auf „Noonsite“ zu finden), nennt die Cruising-License-Nummer und das wär’s dann schon. Davor und danach hat man keine Ueberwachungsmassnahmen mehr zu gewärtigen. Auf unserem Trip in die Chesapeake Bay und den zahlreichen Stopps in kleinen Marinas und stillen Ankerbuchten blieben wir behördlich unbehelligt, und wurden von den Menschen total freundlich empfangen. Segeln entlang der Ostküste der USA stellt keine grossen Ansprüche. Man muss gut navigieren und sich an das System der sogenannten Daymarker gewöhnen, rote, bzw. grüne Tafeln, die auf Stecken im Wasser stehen, denen man in die Creeks hinein folgt, um Untiefen zu vermeiden. Es gilt „Red Right Return“ (Rückkehrend Rechts Rot), das heisst die roten Tafeln lässt man auf der Steuerbordseite vorbeiziehen, die grünen auf der Backbordseite – genau umgekehrt wie in Europa. (Das Bild links zeigt das System vom Hafen aus gesehen, also mit den grünen Daymarkern auf der Steuerbordseite.)
Fazit: Segeln in den USA ist so unproblematisch - und unbürokratisch wie irgendwo in Schengenland. Die Warnungen von „Noonsite“ erscheinen total übertrieben, abgesehen vom Visumszwang. Die umfangreiche Auskunftspflicht für die Visa-Erteilung ist ärgerlich, aber der behördliche Ermittlungseifer trifft nicht nur Segler, sondern Millionen auf der Welt, die nicht - wie die Westeuropäer, wenn sie per Flugzeug kommen - mit dem „grünen Visum“ in die USA reisen können.
Abschreckend ist tatsächlich das „weisse“ Touristenvisum, das ausländische Crews von Segelbooten für die Einreise per Boot in die USA brauchen, das normale „grüne“ Papier, ein Visawaiver (also ein Rechtsverzicht), reicht nicht. Man muss sich deshalb vor Abreise in der Schweiz einen Vormittag lang auf der US-Botschaft herumschlagen und Einkommen, Ersparnisse und persönliche Verhältnisse offen legen und sogar die Krankenkasse nennen – wo Millionen AmerikanerInnen noch immer keine haben . Doch dann ist Schluss mit Schikanen. Einmal mehr zeigt sich dann nämlich, dass in den USA die Gesetze zwar hart und abschreckend formuliert sind, aber die Anwendung doch oft total large ist.
Ein Beispiel: Bei unserer Ankunft in Beaufort kündigt der Zoll telephonisch den Besuch für den nächsten Morgen 9 Uhr an. Auweia! Jetzt heisst es aufräumen! Alle Dokumente kontrollieren! Haben wir Drogen an Bord? Ja, Medikamente! Müssen wir die angeben? Klar! - - - Wir haben schlecht geschlafen vor dem Termin. Doch dann war alles total harmlos. Die zwei Zöllner, die pünktlich kamen, wollten nicht mal an Bord kommen. Sie sagten uns bereits zur Begrüssung, sie würden nur gerne die Cruising License vorbei bringen, eine gratis erteilte Bewilligung für ein Jahr segeln in den US-amerikanischen Gewässern. „And have a save trip.“
Auch die von „Noonsite“, der wichtigsten Webseite für Fahrtensegler, drastisch geschilderte Meldepflicht funktioniert sehr unbürokratisch. Man ruft bei Ankunft im Hafen eines neuen Bundesstaats die Zollbehörde an (die Nummern sind auf „Noonsite“ zu finden), nennt die Cruising-License-Nummer und das wär’s dann schon. Davor und danach hat man keine Ueberwachungsmassnahmen mehr zu gewärtigen. Auf unserem Trip in die Chesapeake Bay und den zahlreichen Stopps in kleinen Marinas und stillen Ankerbuchten blieben wir behördlich unbehelligt, und wurden von den Menschen total freundlich empfangen. Segeln entlang der Ostküste der USA stellt keine grossen Ansprüche. Man muss gut navigieren und sich an das System der sogenannten Daymarker gewöhnen, rote, bzw. grüne Tafeln, die auf Stecken im Wasser stehen, denen man in die Creeks hinein folgt, um Untiefen zu vermeiden. Es gilt „Red Right Return“ (Rückkehrend Rechts Rot), das heisst die roten Tafeln lässt man auf der Steuerbordseite vorbeiziehen, die grünen auf der Backbordseite – genau umgekehrt wie in Europa. (Das Bild links zeigt das System vom Hafen aus gesehen, also mit den grünen Daymarkern auf der Steuerbordseite.)
Fazit: Segeln in den USA ist so unproblematisch - und unbürokratisch wie irgendwo in Schengenland. Die Warnungen von „Noonsite“ erscheinen total übertrieben, abgesehen vom Visumszwang. Die umfangreiche Auskunftspflicht für die Visa-Erteilung ist ärgerlich, aber der behördliche Ermittlungseifer trifft nicht nur Segler, sondern Millionen auf der Welt, die nicht - wie die Westeuropäer, wenn sie per Flugzeug kommen - mit dem „grünen Visum“ in die USA reisen können.
Dienstag, 2. August 2011
Der schlimmste 1. August
Auf dem Weg nach Solomons sprachen wir im Auto über den schlimmsten ersten August. Das war 1974, als ich eine Migräne erlitt und jämmerlich darnieder lag, weder für Feuerwerk noch für sonst etwas zu gebrauchen. Seither hatte sich in unserem kleinen Leben am Nationalfeiertag nichts Bemerkenswertes mehr ereignet. Beim Bootssteg angekommen, öffneten wir gut gelaunt alle Luken, um etwas Luft herein zu lassen in der Hitze- Da ertönte ein Schrei oder war’s mehr ein irrer Seufzer meiner Frau: „Kakerlaken“. Ueber Kakerlaken sprechen Böötler nicht gerne; es handelt sich um eine unanständige Krankheit, die viele zwar aus eigener Erfahrung kennen, aber lieber verschweigen. Wir hatten bisher Glück gehabt, hatten immer aufgepasst mit den Kartons etc; denn die Legende geht, dass schon ca. ab Madeira die Invasion der Viecher droht, die sich lange vor uns auf der Erde eingerichtet haben und deshalb über zähe Ueberlebsgene verfügen.
Agnes machte sich ohne weitere Worte auf den Weg, um ein Mittel zu holen. Sie kam zurück mit zwei Gasbomben. „Das einzige, was hilft“, sagte sie resolut. Wir machten alle Luken wieder dicht, öffneten die Gasbomben, schlossen das Boot mit dem Gas im innern ab und gingen zu Roy Rodgers, um einen Cesars Salad zu essen. Es ist erstaunlich, wie gelassen man zu Mittag essen kann, während andere von Atemnot und Krämpfen gezeichnet, einem quälenden Tod entgegen gehen.
Später fuhren wir zurück, um das Ergebnis unserer Vernichtungsaktion zu besichtigen. Im innern des Bootes war die Luft von den beiden Gasbomben so dick, als hätte jemand ein paar Zigaretten geraucht. Ich hielt die Luft an, ging hinein und öffnete erneut alle Luken. Dabei musste ich plötzlich und dringend einen Atemzug nehmen, doch es ging gut und ich erlitt keine Atemnot. Wir besichtigten nach angemessener Lüftungsfrist die herum liegenden paar toten Kakerlaaken, andere waren noch läbig, waren aber verdächtig langsam unterwegs und wurden nun sozusagen von Hand ermordet. Dann wurde geputzt und ein weiteres Gift namens „Raid Max“ gespritzt.
Als wir fertig waren, kam Earl, unser Nachbar, um sein Boot richtig festzumachen. Earl war am Sonntag bei Ebbe kurz vor dem rettenden Steg auf Grund gelaufen. „Besser als Kakerlaken“, sagte ich zu ihm. Earl, der alles kann und alles weiss, sagte ganz ungeniert, er würde in seinem Haus bei Kakerlakenbefall immer drei Gasaktionen durchführen, jeweils im Abstand von vier Tagen. Dies allein garantiere, dass die frisch geschlüpften Cockroaches getötet würden und dann nach jeweils vier Tagen die nächste Eier-Generation. Erst danach könne man sicher sein, dass keine Eier mehr vorhanden seien.
Die nächste Bombardierung findet nun also am Freitag statt. Bis dann haben die Kakerlaken eine Gnadenfrist. Wahrscheinlich lachen sie über uns und nehmen uns überhaupt nicht ernst, weil ihre Gattung zähe ist und uns wahrscheinlich überleben wird, nicht als Individuen, aber als Gattung. Für uns aber war es der schlimmste 1. August und die Migräne von 1974 rückt nun klar auf Platz 2.
Agnes machte sich ohne weitere Worte auf den Weg, um ein Mittel zu holen. Sie kam zurück mit zwei Gasbomben. „Das einzige, was hilft“, sagte sie resolut. Wir machten alle Luken wieder dicht, öffneten die Gasbomben, schlossen das Boot mit dem Gas im innern ab und gingen zu Roy Rodgers, um einen Cesars Salad zu essen. Es ist erstaunlich, wie gelassen man zu Mittag essen kann, während andere von Atemnot und Krämpfen gezeichnet, einem quälenden Tod entgegen gehen.
Später fuhren wir zurück, um das Ergebnis unserer Vernichtungsaktion zu besichtigen. Im innern des Bootes war die Luft von den beiden Gasbomben so dick, als hätte jemand ein paar Zigaretten geraucht. Ich hielt die Luft an, ging hinein und öffnete erneut alle Luken. Dabei musste ich plötzlich und dringend einen Atemzug nehmen, doch es ging gut und ich erlitt keine Atemnot. Wir besichtigten nach angemessener Lüftungsfrist die herum liegenden paar toten Kakerlaaken, andere waren noch läbig, waren aber verdächtig langsam unterwegs und wurden nun sozusagen von Hand ermordet. Dann wurde geputzt und ein weiteres Gift namens „Raid Max“ gespritzt.
Als wir fertig waren, kam Earl, unser Nachbar, um sein Boot richtig festzumachen. Earl war am Sonntag bei Ebbe kurz vor dem rettenden Steg auf Grund gelaufen. „Besser als Kakerlaken“, sagte ich zu ihm. Earl, der alles kann und alles weiss, sagte ganz ungeniert, er würde in seinem Haus bei Kakerlakenbefall immer drei Gasaktionen durchführen, jeweils im Abstand von vier Tagen. Dies allein garantiere, dass die frisch geschlüpften Cockroaches getötet würden und dann nach jeweils vier Tagen die nächste Eier-Generation. Erst danach könne man sicher sein, dass keine Eier mehr vorhanden seien.
Die nächste Bombardierung findet nun also am Freitag statt. Bis dann haben die Kakerlaken eine Gnadenfrist. Wahrscheinlich lachen sie über uns und nehmen uns überhaupt nicht ernst, weil ihre Gattung zähe ist und uns wahrscheinlich überleben wird, nicht als Individuen, aber als Gattung. Für uns aber war es der schlimmste 1. August und die Migräne von 1974 rückt nun klar auf Platz 2.
Freitag, 22. Juli 2011
115 Grad heiss
Feucht heisse Tage kündigen sich am frühen Morgen an, wenn die Sonne aufgeht in einem Dunst aus Feuchtigkeit. Es herrscht dann meistens auch totale Windstille, wie hier in unserem Creek, dem "Mill Creek" bei Solomons (MD). Das beste ist, der zu erwartenden Hitze zu enfliehen wie der Kälte im Winter: Man flüchtet in ein Haus und bleibt dort den ganzen Tag, schaltet nur hin und wieder den Wetterkanal ein, um sich wohlig erschrecken zu lassen von der "gefühlten" Hitze, die natürlich höher liegen sollte als die "echte", sonst wird aus der News nie eine Schlagzeile. Die lokalen TV-Stationen setzen noch einen drauf: Sie sind mit kleinen "Messpistolen" unterwegs und messen alles, was ihnen vor die Kamera kommt, auch den heissen Asphalt. Das gibt dann sensationelle Zahlen. Heute, am 22. Juli, soll es bis zu 105 Grad warm werden, umgerechnet in Celsius sind das gut 40 Grad, "gefühlt" sollen es gar 115 Grad sein oder 46 feucht-heisse Celsius-Grade.
Mittwoch, 20. Juli 2011
Ein Gewitter wie im Film
Ich behaupte, dass in Amerika die Gewitter gewaltiger sind, die Blitze heller, die Donnerschläge knallender als in der übrigen Welt. Die Gewitter hier sind genau so, wie wir sie aus den alten Filmen kennen, wo sintflutartige Regenfälle eine Frau und einen Mann heimsuchen, sie mit Kopftuch, er mit breitkrempigem Hut, nachts im Licht eines Autoscheinwerfers. Wir dachten jeweils, dass die Hollywood-Regisseure übertreiben würden mit ihren Blitzen und den Regengüssen der freiwilligen Feuerwehr. Das stimmt nicht, die Film-Gewitter sind meiner Meinung nach den echten bedrohlich genau nachempfunden .
Doch vielleicht übertreibe ich und habe nur Schweizer Berggewitter vergessen, die ich als Primarschüler in der Ferienkolonie in Graubünden erlebte, wenn wir atemlos in unseren Betten lagen im grossen Schlafsaal und nicht wagten „einundzwanzig“ zu zählen, weil der Donner praktisch zeitgleich mit dem Blitz vom Piz Beverin auf uns nieder ging.
Item: Als ich gestern abend plötzlich eine mächtig schwarze Himmelswand durch das Fenster meines Restaurants in Lusby erblickte, ging mir ein kleiner Schreck durch die Knochen und vor dem geistigen Auge spielte sich in Sekundenschnelle ab, was ich im folgenden erleben sollte. Ich verlangte hastig nach der Rechnung und ging ins Freie. Ich hatte eine halbe Stunde Fussmarsch vor mir, ein Teil durch offenes Feld. Bald erblickte ich bei einem furchtsamen Zurückschauen den ersten langen und blankweissen Blitz, der nur wenig entfernt senkrecht in den Boden stach. Und auch vor mir waren immer wieder ähnliche Ungetüme von elektrischem Licht zu sehen. Ich zählte einundzwanzig und kam bis 26 – was ich als beruhigend empfand Ich rief nun Agnes an, die in Washington geblieben war, um mich nach der Richtung des Gewitters zu erkundigen. Ich erhoffte davon weitere Beruhigung. Doch weit gefehlt: Auf dem Radar, so berichtete meine Wetterfee, sei zu sehen, wie eine rot-orange-grüne Suppe sich von Dunkirk südlich Richtung Solomons verschiebe. Das war nun bad news. Und wie zur Bestätigung des Wetterberichts hob jetzt ein Wind an. Die Autos fuhren mit Licht und vor mir überquerte ein Mann die Strasse mit einer Taschenlampe, obschon es noch nicht richtig dunkel war und verschwand in einem Haus ohne Licht. Stromausfall?
Nun waren die ersten Tropfen zu spüren und einem hellen Blitz folgte ein erst hell knisternder, dann knallender Donner auf dem Fusse, sodass ich wie in der Ferienkolonie kein fertig gezähltes „Einundzwanzig“ mehr zusammen brachte. Gleichzeitig kam die Wegpassage über freies Feld und ich dachte, es wäre schon blöd, ein Jahr nach der Pensionierung von einem Blitz erschlagen zu werden. Nichts geschah jedoch in den kritischen Minuten, da ich ein offenes Ziel für die Gewittergötter war. Doch nun begann es richtig zu regnen; ich begann zu traben, um mich rasch ins nahe Waldstück zu retten, die letzten 10 Minuten des Weges.
Während ich auf der noch trockenen Waldstrasse lief, begann sich eine Sintflut in die Baumkronen zu ergiessen, wie es nur die Frau mit dem Kopftuch in dem alten Film erlebt hat und ihr Partner, Humphrey Bogart wahrscheinlich. Das Baumwerk verlor schnell seine anfängliche Undurchlässigkeit. Ich wurde total nass von einem erstaunlich warmen Regen.
Als ich endlich beim Bootssteg ankam, war unsere „Miranda“ kaum zu sehen in dem Regennebel. Die Lucken hatte ich noch bei schönstem Wetter geschlossen, wie wir das immer tun, um nicht unterwegs Gewissensbisse zu kriegen.
Den Rest des Gewitters betrachtete ich dann angstfrei durch den offenen Niedergang. Bald fühlten sich die Regentropfen kühler an auf der Haut, die Sicht wurde besser im stillen Creek, wo nun auch wieder Wasservögel zu sehen waren. Blitz, Donner und auch der Regen liessen nach. Das Gewitter war vorbei.
Doch vielleicht übertreibe ich und habe nur Schweizer Berggewitter vergessen, die ich als Primarschüler in der Ferienkolonie in Graubünden erlebte, wenn wir atemlos in unseren Betten lagen im grossen Schlafsaal und nicht wagten „einundzwanzig“ zu zählen, weil der Donner praktisch zeitgleich mit dem Blitz vom Piz Beverin auf uns nieder ging.
Item: Als ich gestern abend plötzlich eine mächtig schwarze Himmelswand durch das Fenster meines Restaurants in Lusby erblickte, ging mir ein kleiner Schreck durch die Knochen und vor dem geistigen Auge spielte sich in Sekundenschnelle ab, was ich im folgenden erleben sollte. Ich verlangte hastig nach der Rechnung und ging ins Freie. Ich hatte eine halbe Stunde Fussmarsch vor mir, ein Teil durch offenes Feld. Bald erblickte ich bei einem furchtsamen Zurückschauen den ersten langen und blankweissen Blitz, der nur wenig entfernt senkrecht in den Boden stach. Und auch vor mir waren immer wieder ähnliche Ungetüme von elektrischem Licht zu sehen. Ich zählte einundzwanzig und kam bis 26 – was ich als beruhigend empfand Ich rief nun Agnes an, die in Washington geblieben war, um mich nach der Richtung des Gewitters zu erkundigen. Ich erhoffte davon weitere Beruhigung. Doch weit gefehlt: Auf dem Radar, so berichtete meine Wetterfee, sei zu sehen, wie eine rot-orange-grüne Suppe sich von Dunkirk südlich Richtung Solomons verschiebe. Das war nun bad news. Und wie zur Bestätigung des Wetterberichts hob jetzt ein Wind an. Die Autos fuhren mit Licht und vor mir überquerte ein Mann die Strasse mit einer Taschenlampe, obschon es noch nicht richtig dunkel war und verschwand in einem Haus ohne Licht. Stromausfall?
Nun waren die ersten Tropfen zu spüren und einem hellen Blitz folgte ein erst hell knisternder, dann knallender Donner auf dem Fusse, sodass ich wie in der Ferienkolonie kein fertig gezähltes „Einundzwanzig“ mehr zusammen brachte. Gleichzeitig kam die Wegpassage über freies Feld und ich dachte, es wäre schon blöd, ein Jahr nach der Pensionierung von einem Blitz erschlagen zu werden. Nichts geschah jedoch in den kritischen Minuten, da ich ein offenes Ziel für die Gewittergötter war. Doch nun begann es richtig zu regnen; ich begann zu traben, um mich rasch ins nahe Waldstück zu retten, die letzten 10 Minuten des Weges.
Während ich auf der noch trockenen Waldstrasse lief, begann sich eine Sintflut in die Baumkronen zu ergiessen, wie es nur die Frau mit dem Kopftuch in dem alten Film erlebt hat und ihr Partner, Humphrey Bogart wahrscheinlich. Das Baumwerk verlor schnell seine anfängliche Undurchlässigkeit. Ich wurde total nass von einem erstaunlich warmen Regen.
Als ich endlich beim Bootssteg ankam, war unsere „Miranda“ kaum zu sehen in dem Regennebel. Die Lucken hatte ich noch bei schönstem Wetter geschlossen, wie wir das immer tun, um nicht unterwegs Gewissensbisse zu kriegen.
Den Rest des Gewitters betrachtete ich dann angstfrei durch den offenen Niedergang. Bald fühlten sich die Regentropfen kühler an auf der Haut, die Sicht wurde besser im stillen Creek, wo nun auch wieder Wasservögel zu sehen waren. Blitz, Donner und auch der Regen liessen nach. Das Gewitter war vorbei.
Montag, 18. Juli 2011
In der Umerziehung
Wir werden unseren Grosskindern einmal erzählen, dass es früher in den Supermärkten Menschen gegeben hat, die unsere Orangen und Bananen, die Kartoffel-Chips und das Geflügel einscannten und am Ende das Geld für den Einkuaf kassierten. Denn seit kurzem macht sich in den USA ein System breit, das keine Kassierinnen mehr braucht: Der Self-check-out. Diese unbedienten Kassen sind bald so häufig wie der Self Check-in auf dem Flughafen.Bisher habe ich beim Einkauf das neue Teufelszeug wenn immer möglich gemieden, doch nun merke ich, dass die Betreiber der Supermärkte eine raffinierte Strategie anwenden, um mich langsam aber konsequent umzuerziehen: Sie verknappen bewusst die Zahl der bedienten Kassen und bieten dafür immer mehr Maschinen an. Heute Nachmittag zum Beispiel waren bei „Shoppers“ in College Park nur gerade zwei bediente Kassen offen, vor denen sich lange Schlangen bildeten. An den sechs Self-Checkout-Stationen hingegen herrschte kein Gedränge. Und so entschied ich mich zwecks zügiger Erledigung des Einkaufs und unter Vermeidung von Wartezeit halt für eine dieser Selbst-Kassier-Maschinen.
Da ich schon ein paar Mal wegen langer Schlangen weich geworden bin und selber gecannt habe, bin ich mittlerweile ziemlich gewandt und muss den Kaffeerahm nicht mehr um alle Ecken drehen, um den „SKU“ zu finden. Mit einem gewissen Stolz kann ich sagen, dass ich auch schwierige Scans hinkriege, zum Beispiel den unebenen Strichcode auf der Cellophan-Packung meiner Lieblings-Brezel. Man muss – wie die „richigen“ Kassierinnen – den Code nur mit den Händen etwas strecken und glätten, dann geht’s bestens.
Laut offizieller Statistik (http://www.bls.gov/oco/cg/cgs024.htm) gibt es landesweit 850 000 Kassiererinnen und (erstaunlich viele) Kassierer. Es ist klar, dass die meisten von ihnen über kurz oder lang ihren Job verlieren, wenn der neue Trend – wenig bediente Kassen, viele Self check outs – weiter forciert wird. Kommt eigentlich nur darauf an, wie schnell wir uns umerziehen lassen.
Da ich schon ein paar Mal wegen langer Schlangen weich geworden bin und selber gecannt habe, bin ich mittlerweile ziemlich gewandt und muss den Kaffeerahm nicht mehr um alle Ecken drehen, um den „SKU“ zu finden. Mit einem gewissen Stolz kann ich sagen, dass ich auch schwierige Scans hinkriege, zum Beispiel den unebenen Strichcode auf der Cellophan-Packung meiner Lieblings-Brezel. Man muss – wie die „richigen“ Kassierinnen – den Code nur mit den Händen etwas strecken und glätten, dann geht’s bestens.
Laut offizieller Statistik (http://www.bls.gov/oco/cg/cgs024.htm) gibt es landesweit 850 000 Kassiererinnen und (erstaunlich viele) Kassierer. Es ist klar, dass die meisten von ihnen über kurz oder lang ihren Job verlieren, wenn der neue Trend – wenig bediente Kassen, viele Self check outs – weiter forciert wird. Kommt eigentlich nur darauf an, wie schnell wir uns umerziehen lassen.
Sonntag, 17. Juli 2011
Die Erfindung der Ampel
Wenn das Lichtsignal endlich auf Grün wechselt, ist es den meisten von uns herzlich egal, wer das System erfunden hat. Ehrlich gesagt auch dann, wenn die Ampel auf Rot steht. Man denkt sich nichts dabei - bis am Samstag, 16. Juli, kurz vor 11 Uhr morgens, als wir vor dem Lichtsignal im kleinen lokalen Museum in Syracuse im Bundesstaat New York stehen. Und auf einer Tafel lesen, dass hier, in dieser Stadt, die Erfindung gemacht worden ist, die Rot und Grün zum Inbegriff von Stillstand und Bewegung werden liess.
1924 also sei die Ampel erfunden worden, steht da. Im Original lautet der Text: „Crouse and Hinds' best known invention is the traffic light, first installed in Syracuse at the corner of James and State Streets in 1924.” Ein bisschen spät, denke ich und schaue zu Hause auf Wikipedia nach. In der Tat eine museale Falschangabe: Erste Versuche mit Lichtsignalen gehen bereits zurück aufs Jahr 1868 in England. Und das erste traffic light in Amerika soll 1912 in Salt Lake City installiert worden sein, die Erfindung eines Polizisten übrigens, falls man den Angaben glauben darf. Interessanterweise nimmt nicht einmal die im Museumstext erwähnte Firma „Crouse and Hinds“ für sich in Anspruch, die Erfindung gemacht zu haben, wie eine weitere kleine Recherche ergibt. Das Unternehmen fabriziert noch immer Verkehrsanlagen, heute unter dem Namen „Cooper Industries“. Nach dieser Computerarbeit bin ich etwas belämmert, weil ich bisher felsenfest an die Wahrheit von Tafeln geglaubt habe, die in Museen dem Publikum präsentiert werden. Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet in der Frage der Erfindung des Lichtsignals die Wahrheitsampel abrupt auf Rot schalten und eine Falschmeldung enthüllen würde.
1924 also sei die Ampel erfunden worden, steht da. Im Original lautet der Text: „Crouse and Hinds' best known invention is the traffic light, first installed in Syracuse at the corner of James and State Streets in 1924.” Ein bisschen spät, denke ich und schaue zu Hause auf Wikipedia nach. In der Tat eine museale Falschangabe: Erste Versuche mit Lichtsignalen gehen bereits zurück aufs Jahr 1868 in England. Und das erste traffic light in Amerika soll 1912 in Salt Lake City installiert worden sein, die Erfindung eines Polizisten übrigens, falls man den Angaben glauben darf. Interessanterweise nimmt nicht einmal die im Museumstext erwähnte Firma „Crouse and Hinds“ für sich in Anspruch, die Erfindung gemacht zu haben, wie eine weitere kleine Recherche ergibt. Das Unternehmen fabriziert noch immer Verkehrsanlagen, heute unter dem Namen „Cooper Industries“. Nach dieser Computerarbeit bin ich etwas belämmert, weil ich bisher felsenfest an die Wahrheit von Tafeln geglaubt habe, die in Museen dem Publikum präsentiert werden. Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet in der Frage der Erfindung des Lichtsignals die Wahrheitsampel abrupt auf Rot schalten und eine Falschmeldung enthüllen würde.
Sonntag, 10. Juli 2011
Allein unterwegs nach Annapolis und zurück
Zum erstenmal war ich mit unserem Boot allein unterwegs, also ohne Agnes, die Co-Skipperin, und ohne ein anderes Crewmitglied. Ich musste unsere „Miranda“ nach Annapolis bringen, wo die Chesapeake-Rigging-Company zu Hause ist und wo das Boot neue Stahlseile, Wanten und Stage, bekam. Das Bild rechts zeigt eine kritische Phase bei dieser Arbeit, während der die Rollfockanlage frei seitlich links am Boot hängt, um dann vorne am Bug befestigt zu werden.
Nach der anderthalbtägigen Arbeit von zwei Riggern ging’s wieder zurück nach Solomons. Alles ging gut. Der neue Autopilot steuerte klaglos. Zwei grosse Unterschiede allerdings stellte ich fest:
- Bei der Ansteuerung Richtung Annapolis, kurz nach dem Lighthouse, das meinen Namen trägt („Thomas Point Lighthouse“), konnte ich eine rote Tonne nicht finden und meine GPS-Route gab an, dass ich sie bereits passiert hätte. Allein laut Karte und Positionsbestimmung darauf traf dies nicht zu. In dieser Situation konnte ich mich unmöglich für längere Zeit diesem Navigationsproblem widmen. Denn da war niemand, der während der Zeit Ausguck hätte halten können, angesichts des regen Verkehrs auf dem Wasser unabdingbar. Ich nahm dann die Karte ins Cockpit, studierte sie und sah mit dem Feldstecher ein grünes Seezeichen; der Vergleich mit der Karte stimmte und so setzte ich fröhlich den neuen Kurs. Lehre daraus: Wer allein ist, darf sich nicht in letzter Minute („Position schon passiert?“) mit der Navigation (und einem falsch eingegebenen Wegpunkt im GPS) befassen.
- Das zweite Problem ist das An- und Ablegen. Da allein, gab ich bei der Abfahrt nicht einfach Gas, um vom Steg wegzukommen, sondern schob das Boot mit der Hand vom Steg weg, schön langsam, damit ich keine anderen Boote touchieren oder dies rechtzeitig erkennen würde. Das gelang gut, auch deshalb, weil es um 5 Uhr morgens keinen Wind hatte. Die Navigation bei der Ankunft in Solomons war einfach, weil ich dort schon hundertmal angekommen war. Und als ich an unserem Steg anlegte, war Paul bereits die Treppe herunter gekommen von seinem Haus, um mir zu helfen. Ein kühles Bier hatte er auch dabei. Die Lehre daraus: Keine, mir schien aber, das Bier hätte ich nach gut 10 Stunden und 43.5 Meilen echt verdient.
Nach der anderthalbtägigen Arbeit von zwei Riggern ging’s wieder zurück nach Solomons. Alles ging gut. Der neue Autopilot steuerte klaglos. Zwei grosse Unterschiede allerdings stellte ich fest:
- Bei der Ansteuerung Richtung Annapolis, kurz nach dem Lighthouse, das meinen Namen trägt („Thomas Point Lighthouse“), konnte ich eine rote Tonne nicht finden und meine GPS-Route gab an, dass ich sie bereits passiert hätte. Allein laut Karte und Positionsbestimmung darauf traf dies nicht zu. In dieser Situation konnte ich mich unmöglich für längere Zeit diesem Navigationsproblem widmen. Denn da war niemand, der während der Zeit Ausguck hätte halten können, angesichts des regen Verkehrs auf dem Wasser unabdingbar. Ich nahm dann die Karte ins Cockpit, studierte sie und sah mit dem Feldstecher ein grünes Seezeichen; der Vergleich mit der Karte stimmte und so setzte ich fröhlich den neuen Kurs. Lehre daraus: Wer allein ist, darf sich nicht in letzter Minute („Position schon passiert?“) mit der Navigation (und einem falsch eingegebenen Wegpunkt im GPS) befassen.
- Das zweite Problem ist das An- und Ablegen. Da allein, gab ich bei der Abfahrt nicht einfach Gas, um vom Steg wegzukommen, sondern schob das Boot mit der Hand vom Steg weg, schön langsam, damit ich keine anderen Boote touchieren oder dies rechtzeitig erkennen würde. Das gelang gut, auch deshalb, weil es um 5 Uhr morgens keinen Wind hatte. Die Navigation bei der Ankunft in Solomons war einfach, weil ich dort schon hundertmal angekommen war. Und als ich an unserem Steg anlegte, war Paul bereits die Treppe herunter gekommen von seinem Haus, um mir zu helfen. Ein kühles Bier hatte er auch dabei. Die Lehre daraus: Keine, mir schien aber, das Bier hätte ich nach gut 10 Stunden und 43.5 Meilen echt verdient.
Obamas running mate
Die Frage, wer im November 2012 gegen Barack Obama antritt, beschäftigt im Moment niemanden auf der Welt. Ausser jene republikanischen Kandidaten in spe und ihre Handler, die unbedingt Millionen von Dollars auf die Reihe kriegen müssten, damit ihr Wahlkampf nicht endet, bevor er begonnen hat. Wir befinden uns in einer Phase, in der – marxistisch gesprochen – das Kapital das Sagen hat. Es hat laut Spendenstatistik für die letzten drei Monate den in Europa ziemlich unbekannten Mitt Romney (Bild) zu ihrem Kandidaten gewählt. Er führt mit 18.5 Millionen weit vor dem zweit platzierten Ron Paul, der gerade 4,5 Millionen Dollar zusammen gebracht hat.
Romney allerdings, ein früherer Gouverneur von Massachusetts, hat den Ruf eines liberalen Republikaners, der in seinem Staat unter anderem eine Reform des Gesundheitswesens in die Tat umgesetzt hat wie sie Obama auf nationaler Ebene anstrebt. Das „Wall Street Journal“ hat deshalb Romney als „running mate“ Obamas bezeichnet, als Kampfgefährten Obamas also, was jeden Republikaner zusammenzucken lässt. Und wie es scheint, ist auch das Kapital unsicher, ob wir es bei Romney wirklich mit einem aussichtsreichen Konservativen zu tun haben, denn er hat nicht mal die Hälfte der Spenden zusammen gebracht im Vergleich zu seinem letzten Versuch im Jahr 2007.
Was ist der Grund? Das Kapital ist wählerisch geworden, muss man sagen, denn es folgt neuerdings dem Grundsatz eines effizienten Mitteleinsatzes. Und spendet nicht mehr querbeet für einzelne Kandidaten, sondern investiert in sogenannte Super-PACs (http://tinyurl.com/2e8ad5d), das sind Spendenorganisationen, die keinem einzelnen Kandidaten zugeordnet sein müssen und sich im Wahlkampf für oder auch gegen einen Kandidaten engagieren können. Dieses neue Modell ist massgeschneidert für die komplexen Spendengesetze, aber auch für die momentane Situation, da sich der mutmassliche Gegner Obamas noch nicht richtig herausgeschält hat.
Man müsste also, in Abwandlung des obigen Satzes, dass das Kapital das Sagen hat, für 2012 eine neue Regel formulieren. Neu gilt nicht mehr der Grundsatz, dass die Grosspender Kampagnen und Kandidaten überhaupt erst ermöglichen. Neu ist, dass sie sich ihren Einfluss auf den Kandidaten erst sichern, wenn ein Name erfolgversprechend am Horizont sichtbar geworden ist. Politisch kommt es am Schluss aufs gleiche hinaus, weil mit Geld in der US-Politik fast alles legal erkauft werden kann. Oekonomisch hingegen macht das neue Modell mehr Sinn als das alte: 2007 hatten Spender im Vorwahljahr noch 44 Millionen für Romney aufgeworfen – und er hat das Rennen nicht gemacht. Verlorenes Geld also. Deshalb gilt heute: Besser warten, ob Romneys Erfolg diesmal nachhaltiger ist. Denn erst dann käme der Moment, wo geldmässig aus dem running mate ein echter Gegner Obamas geformt werden müsste.
Romney allerdings, ein früherer Gouverneur von Massachusetts, hat den Ruf eines liberalen Republikaners, der in seinem Staat unter anderem eine Reform des Gesundheitswesens in die Tat umgesetzt hat wie sie Obama auf nationaler Ebene anstrebt. Das „Wall Street Journal“ hat deshalb Romney als „running mate“ Obamas bezeichnet, als Kampfgefährten Obamas also, was jeden Republikaner zusammenzucken lässt. Und wie es scheint, ist auch das Kapital unsicher, ob wir es bei Romney wirklich mit einem aussichtsreichen Konservativen zu tun haben, denn er hat nicht mal die Hälfte der Spenden zusammen gebracht im Vergleich zu seinem letzten Versuch im Jahr 2007.
Was ist der Grund? Das Kapital ist wählerisch geworden, muss man sagen, denn es folgt neuerdings dem Grundsatz eines effizienten Mitteleinsatzes. Und spendet nicht mehr querbeet für einzelne Kandidaten, sondern investiert in sogenannte Super-PACs (http://tinyurl.com/2e8ad5d), das sind Spendenorganisationen, die keinem einzelnen Kandidaten zugeordnet sein müssen und sich im Wahlkampf für oder auch gegen einen Kandidaten engagieren können. Dieses neue Modell ist massgeschneidert für die komplexen Spendengesetze, aber auch für die momentane Situation, da sich der mutmassliche Gegner Obamas noch nicht richtig herausgeschält hat.
Man müsste also, in Abwandlung des obigen Satzes, dass das Kapital das Sagen hat, für 2012 eine neue Regel formulieren. Neu gilt nicht mehr der Grundsatz, dass die Grosspender Kampagnen und Kandidaten überhaupt erst ermöglichen. Neu ist, dass sie sich ihren Einfluss auf den Kandidaten erst sichern, wenn ein Name erfolgversprechend am Horizont sichtbar geworden ist. Politisch kommt es am Schluss aufs gleiche hinaus, weil mit Geld in der US-Politik fast alles legal erkauft werden kann. Oekonomisch hingegen macht das neue Modell mehr Sinn als das alte: 2007 hatten Spender im Vorwahljahr noch 44 Millionen für Romney aufgeworfen – und er hat das Rennen nicht gemacht. Verlorenes Geld also. Deshalb gilt heute: Besser warten, ob Romneys Erfolg diesmal nachhaltiger ist. Denn erst dann käme der Moment, wo geldmässig aus dem running mate ein echter Gegner Obamas geformt werden müsste.
Mittwoch, 6. Juli 2011
WD-40
„WD-40“ ist für Handwerker, was das „Albumblatt für Elise“ für die Klavierschüler: ein Allerweltsding. Niemand, der Schraubenschlüssel oder Notenschlüssel kennt, kommt an ihm vorbei. WD-40 ist die geniale Komposition einer Flüssigkeit, welche im Nu verhockte Schrauben lockert oder Bedienungselemente wieder leicht gängig macht. Im Segelwesen kann man es auch zum Reinigen von Fendern verwenden. Ja ich habe gelesen, dass manche Segler es sogar erfolgreich gegen Rheuma einsetzen, denn „WD-40“ lässt sich als Spray auch ganz einfach auf jene Gelenke spritzen, die von Gsüchti heimgesucht sind.
Das Wundermittel kommt in zwei Darreichungsformen, als Spray gegen grosse Probleme. Und mit einem Röhrchen gegen kleine, im Motorraum oft nur schwer zu erreichende. Diese Röhrchen haben es in sich: Sie sind mit einem Klebeband an die Spraydose geklebt. Und wer nicht wahnsinnig acht gibt, hat sie spätestens nach dem zweiten Gebrauch verloren. Dagegen kann man zwar etwas tun, zum Beispiel Röhrchen der alten WD-40 Dosen als Ersatz aufbewahren oder präventiv die Röhrchenhalterungen neuer Dosen gleich am Beginn verstärken. Seit kurzem ist dieses ärgerliche Röhrchenproblem jedoch auf geniale Weise gelöst: bei den WD-40 Dosen der neusten Generation (siehe Bild) lässt sich das Röhrchen ganz einfach hoch- und niederklappen, je nach Anwendung. Eine bahnbrechende Neuerung.
Mittlerweile gibt es Nachahmermittel; eins davon hat einen so tollen Namen, dass ich es haben musste: Liquid wrench, flüssiger Schraubenschlüssel. Ein drittes kaufte ich auf Empfehlung von Paul, es heisst Corrosion block und muss vor Beginn der Korrosion angewendet werden; es heisst im Volksmund auch „Anti-seize“. Dann gibt es, ebenfalls als präventive Bastlermedizin, für Metall ein High-Tech-Mittel Tef-Gel sowie Lanocote, eine gelbe Salbe ebenfalls gegen Korrosion, die ich nach getaner Arbeit jeweils gerne auch als Handcreme verwende.
Es ist klar, dass diesen Wundermitteln immer etwas der Ruf von Snake oil anhaftet, ein wunderbarer Begriff, der augenzwinkernd die Nutzlosigkeit eines Produkts vermutet. WD-40 gehört klar nicht dazu, sondern hat mittlerweile einen sagenumwobenen Ruf, zum Beispiel was den Namen selbst angeht. „WD-40“ – woher kommt das? Die Legende lautet, dass es sich bei der Entwicklung im Labor um jene Versuchsflüssigkeit zur Wasserverdrängung „Water Displacement“ (WD) gehandelt hat, welche beim 40. Versuch erfolgreich war. WD-1 bis WD-39 waren da wohl nichts anderes als - Snake oil.
Das Wundermittel kommt in zwei Darreichungsformen, als Spray gegen grosse Probleme. Und mit einem Röhrchen gegen kleine, im Motorraum oft nur schwer zu erreichende. Diese Röhrchen haben es in sich: Sie sind mit einem Klebeband an die Spraydose geklebt. Und wer nicht wahnsinnig acht gibt, hat sie spätestens nach dem zweiten Gebrauch verloren. Dagegen kann man zwar etwas tun, zum Beispiel Röhrchen der alten WD-40 Dosen als Ersatz aufbewahren oder präventiv die Röhrchenhalterungen neuer Dosen gleich am Beginn verstärken. Seit kurzem ist dieses ärgerliche Röhrchenproblem jedoch auf geniale Weise gelöst: bei den WD-40 Dosen der neusten Generation (siehe Bild) lässt sich das Röhrchen ganz einfach hoch- und niederklappen, je nach Anwendung. Eine bahnbrechende Neuerung.
Mittlerweile gibt es Nachahmermittel; eins davon hat einen so tollen Namen, dass ich es haben musste: Liquid wrench, flüssiger Schraubenschlüssel. Ein drittes kaufte ich auf Empfehlung von Paul, es heisst Corrosion block und muss vor Beginn der Korrosion angewendet werden; es heisst im Volksmund auch „Anti-seize“. Dann gibt es, ebenfalls als präventive Bastlermedizin, für Metall ein High-Tech-Mittel Tef-Gel sowie Lanocote, eine gelbe Salbe ebenfalls gegen Korrosion, die ich nach getaner Arbeit jeweils gerne auch als Handcreme verwende.
Es ist klar, dass diesen Wundermitteln immer etwas der Ruf von Snake oil anhaftet, ein wunderbarer Begriff, der augenzwinkernd die Nutzlosigkeit eines Produkts vermutet. WD-40 gehört klar nicht dazu, sondern hat mittlerweile einen sagenumwobenen Ruf, zum Beispiel was den Namen selbst angeht. „WD-40“ – woher kommt das? Die Legende lautet, dass es sich bei der Entwicklung im Labor um jene Versuchsflüssigkeit zur Wasserverdrängung „Water Displacement“ (WD) gehandelt hat, welche beim 40. Versuch erfolgreich war. WD-1 bis WD-39 waren da wohl nichts anderes als - Snake oil.
Dienstag, 5. Juli 2011
90 Grad und keine Klimaanlage
Wir haben fast neun Jahre lang im schicken Washingtoner Friendship-Hights-Quartier gelebt. Wenn man im Sommer durch die Strassen lief, hörte man von allüberall das Brummen der Klimaaggregate, die jeweils im Freien aufgestellt sind mit Blasrohr ins Innere des Hauses. Auch wir hatten so ein Ding, das für eine kühle Atmosphäre sorgte, rein klimatisch natürlich, wenn draussen die Temperatur auf 90 Grad stieg. Das könnte man nun in Celsius umrechnen, doch reicht die Fausregel: 90 Grad und höher ist „heiss“.
Nun wohnen wir in einem andern Quartier, gleich ennet der Stadtgrenze, in Mount Rainier, wo es keine Diplomaten und Auslandskorrespondenten gibt, dafür einen Bioladen und eine buntbemalte Kreuzung vom Quartierfest, das gerade eben stattgefunden hat. Und Klimaanlagen haben die meisten Bewohner auch nicht, entsprechend fällt das gewohnte Brummen auf dem Heimweg aus. Heiss ist es aber immer noch: 90 Grad, doch wir müssen nicht leiden: Nachts kühlt es ab und so haben wir die Fenster geöffnet - auch im Parterre, weil Einbrüche in diesen ärmeren Quartieren wunder selten sind (es gibt ja nichts zu klauen). Am Morgen öffnen wir jeweils die Haus- und die gegenüber liegende Verandatür, sodass kühle Luft durch das Innere des Hauses strömen kann. Später schliessen wir Türen und Fenster und stellen die Riesen-Ventilatoren an, die an der Decke befestigt sind und die uns dann kühle Luft zufächeln. Geht doch!
Nun wohnen wir in einem andern Quartier, gleich ennet der Stadtgrenze, in Mount Rainier, wo es keine Diplomaten und Auslandskorrespondenten gibt, dafür einen Bioladen und eine buntbemalte Kreuzung vom Quartierfest, das gerade eben stattgefunden hat. Und Klimaanlagen haben die meisten Bewohner auch nicht, entsprechend fällt das gewohnte Brummen auf dem Heimweg aus. Heiss ist es aber immer noch: 90 Grad, doch wir müssen nicht leiden: Nachts kühlt es ab und so haben wir die Fenster geöffnet - auch im Parterre, weil Einbrüche in diesen ärmeren Quartieren wunder selten sind (es gibt ja nichts zu klauen). Am Morgen öffnen wir jeweils die Haus- und die gegenüber liegende Verandatür, sodass kühle Luft durch das Innere des Hauses strömen kann. Später schliessen wir Türen und Fenster und stellen die Riesen-Ventilatoren an, die an der Decke befestigt sind und die uns dann kühle Luft zufächeln. Geht doch!
Sonntag, 3. Juli 2011
Ein Land im Krieg
Bei Adams Ribs in Mayo, einem Restaurant, das für seine Poulets und Rippchen eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, gibt es bis zum 3 Juli, jeweils zwischen 1o Uhr und 15 Uhr Budweiser Light für 1 Dollar - "for our troops". Ich frage den Kellner, wie das zu verstehen sei. Können wir 1 Dollar zahlen und ein amerikanischer Soldat in Irak oder in Afghanistan kriegt dann ein Bier sozusagen von uns spendiert. "Nein, wir wollen nicht, dass unsere Truppen betrunken kämpfen", sagt der Kellner. Ja, wie ist dann das Angebot zu verstehen? "Oh", meint unser Gewährsmann, "Du kriegst ein Budweiser für 1 Dollar und Du trinkst es." Und die Truppe? "Kriegt dann eine Spende, aber frag mich nicht, wie das genau geht."
Niemand weiss so richtig etwas, eine Zeiterscheinung im Land mit der am weitesten entwickelten Informationstechnologie. Auf der Fahrt nach Hause reden wir über die Meldungen von den Gefallenen, die im Fernsehen kommen und die uns nicht loslassen. Neben Name und Vorname sind immer auch das Alter und der Ort des Einsatzes aufgeführt; es sind fast ausschliesslich sehr junge Männer, die als Gefallene gemeldet werden. Und man denkt, wie das ist, wenn in Tulsa (Oklahoma) oder in Monterrey (Kalifornien) die Nachricht vom Tod des Sohnes, Ehemannes oder Bruders eintrifft. Ein Land im Krieg mit Bud Light zum Schnäppchenpreis.
Niemand weiss so richtig etwas, eine Zeiterscheinung im Land mit der am weitesten entwickelten Informationstechnologie. Auf der Fahrt nach Hause reden wir über die Meldungen von den Gefallenen, die im Fernsehen kommen und die uns nicht loslassen. Neben Name und Vorname sind immer auch das Alter und der Ort des Einsatzes aufgeführt; es sind fast ausschliesslich sehr junge Männer, die als Gefallene gemeldet werden. Und man denkt, wie das ist, wenn in Tulsa (Oklahoma) oder in Monterrey (Kalifornien) die Nachricht vom Tod des Sohnes, Ehemannes oder Bruders eintrifft. Ein Land im Krieg mit Bud Light zum Schnäppchenpreis.
Freitag, 24. Juni 2011
Sieg über einen verbogenen Pfosten
Es ist schon komisch, dass man als Pensionierter und berufsmässiger Müssiggänger das Gefühl haben kann, Ferien echt verdient zu haben. Oder jedenfalls eine Atempause nach Ueberholungsarbeiten am Boot, die eine Achterbahn aus Frust, Glücksgefühl, Schwerarbeit und begangener oder auch nur knapp vermiedener Fehler waren. Nehmen wir als Beispiel den verbogenen Pfosten an Deck, dessen Auswechslung eine Sache von Minuten wäre. Wäre, wenn das Ding sich nicht total korrodiert präsentiert hätte und am Schluss nur eines blieb: der ganzen Anlage mit zwei verschiedenen Trennscheiben zu Leibe rücken, die mir Earl ausgeliehen hatte.
Der Kollege von Paul mit seinem unerschöpfplichen Arsenal an Maschinen erwies sich als wahrer Glücksfall an selbstverständlicher landestypischer Hilfsbereitschaft. Am Schluss scheiterte die Aktion aber beinahe noch an einem zu kurzen Schraubvorsatz. Doch nach dem Motto „Every project calls for new tools“ posteten wir bei „Ace“ einen sagenhaften Langschaft-Schraubvorsatz, von dessen Erfindung ich keine Ahnung hatte; Paul gab den entscheidenen Tipp. Wir fuhren gemeinsam zu „Ace“, kauften zwei Stück des Schrauberdings, setzten ihn in die Bohrmaschine ein – et voilà.So verbringt man sein Leben. Und kann dereinst sagen, dass man einen Relingpfosten und dessen Halterung (siehe Bild) nach nicht endenwollendem Kampf besiegt hat. Die gesegelten Meilen verschwinden hinter solchen Leistungen – und das ist auch gut so. Denn – ich zitiere einen weitgereisten Skipper: „Ein bisschen Reffen kann jeder, wenn der Wind zunimmt, aber gut reparieren ist eine ganz andere Sache.“
So habe ich nun das Wochenende verdient, was überhaupt das beste ist bei meiner 5-Tages-Plackerei: Ich habe wieder einen Arbeitsrhythmus und ergo auch ein freies Wochenende. Und muss nicht mehr fragen, was heute für ein Tag sei, weil die Zeit auf See jeweils total unstrukturiert zerrinnt. Ein verbogener Pfosten hat also durchaus seine guten Seiten. Und der neue Pfosten in seiner Halterung sieht wirklich schön aus.
Der Kollege von Paul mit seinem unerschöpfplichen Arsenal an Maschinen erwies sich als wahrer Glücksfall an selbstverständlicher landestypischer Hilfsbereitschaft. Am Schluss scheiterte die Aktion aber beinahe noch an einem zu kurzen Schraubvorsatz. Doch nach dem Motto „Every project calls for new tools“ posteten wir bei „Ace“ einen sagenhaften Langschaft-Schraubvorsatz, von dessen Erfindung ich keine Ahnung hatte; Paul gab den entscheidenen Tipp. Wir fuhren gemeinsam zu „Ace“, kauften zwei Stück des Schrauberdings, setzten ihn in die Bohrmaschine ein – et voilà.So verbringt man sein Leben. Und kann dereinst sagen, dass man einen Relingpfosten und dessen Halterung (siehe Bild) nach nicht endenwollendem Kampf besiegt hat. Die gesegelten Meilen verschwinden hinter solchen Leistungen – und das ist auch gut so. Denn – ich zitiere einen weitgereisten Skipper: „Ein bisschen Reffen kann jeder, wenn der Wind zunimmt, aber gut reparieren ist eine ganz andere Sache.“
So habe ich nun das Wochenende verdient, was überhaupt das beste ist bei meiner 5-Tages-Plackerei: Ich habe wieder einen Arbeitsrhythmus und ergo auch ein freies Wochenende. Und muss nicht mehr fragen, was heute für ein Tag sei, weil die Zeit auf See jeweils total unstrukturiert zerrinnt. Ein verbogener Pfosten hat also durchaus seine guten Seiten. Und der neue Pfosten in seiner Halterung sieht wirklich schön aus.
Mittwoch, 15. Juni 2011
Gebell und rote Bohnen
Gestern nahmen Luke und ich das Ruder auseinander und ich montierte neue Leitungen an den Hydraulikzylinder, an welchen ich dann einen Kübel Wasser hängte, um das System zu testen, bevor das Ruder wieder mühsam montiert würde. Leider waren nun nicht mehr die Leitungen undicht, der ursprüngliche Grund der Reparatur, sondern der Zylinder selbst sonderte ein hellgelbes Wasser ab. Und so stand ich am Mittag überraschend vor der Frage: Wo repariert im südlichen Maryland jemand meinen französischen Hydraulikzylinder?
Luke wusste dazu folgendes: Ich müsse auf der Route 235 ein paar Meilen fahren, bis ich zu einem gelben Briefkasten käme. Der Name des Hydraulik-Shops selbst sei ihm leider entfallen. Doch was er wisse, sei noch dies: Wenn ich rechter Hand die Sandgates Road sähe, sei ich bereits zu weit gefahren. Gesagt getan. Und prompt kam ich nach gut 11 Meilen an der Sandgates Road vorbei, drehte folgerichtig um und nahm einen zweiten Anlauf. Da war er ja, der gelbe Briefkasten, den ich bei der ersten Durchfahrt übersehen hatte. Ich bremste scharf ab, bog von der Route 235 auf einen Dreckweg ab und sah von weitem eine Art offene Blechscheune. Links davon war ein Hundezwinger, in welchem ein deutscher Schäfer wie irre bellte und sich dabei um die eigene Achse drehte. Ich stieg aus und nahm an, dass dieses rechtsdrehende Biest wohl nichts Gutes im Sinn hatte. Ich war deshalb froh, dass ein Zaun mich von dem Hund trennte.Nun trat ich in einen kleinen Werkstattladen rechts vom offenen Scheunentor ein und gleich kam ein Mann aus einer Art Hinterzimmer: Graues Haar, stahlblauer Pullover, ein rosige, ungesunde Gesichtshaut, glasige Augen.
"No way“ sprach er mit einer Grabesstimme, als ich ihm meinen Hydraulikzylinder präsentierte. Ob er wisse, wer das Ding flicken könne, frage ich. „No idea“, tönte es erneut im tiefstem Bass, wie er hier gerne für suggestive Radiowerbung („You have to get it!“) verwendet wird. Jetzt sagte ich beinahe flehend: „You know, it’s metric, it’s french” Doch das Rosagesicht drehte sich bereits ab, wünschte mir dann aber, wieder halb zu mir gewendet, doch noch ein tiefstimmiges “Good luck”.
Als ich aus dem Laden trat, rannte der Schäfer bellend entlang dem Zaun. Offenbar versprach er sich davon mehr Abschreckung als mit dem irren Drehen von vorhin. Ich sagte zu ihm : „Alles Gueti, gäll !“, die schweizerdeutsche Variante von Good luck, und stieg ins Auto ein.
Zurück beim Boot schaute ich im Internet nach und fand „Southern Maryland Hydraulics“ und den viel versprechenden Hinweis „metric fittings“. Ein Anruf - in Amerika muss man immer zuerst anrufen, bevor man irgendwo hin fährt - tönte gut. Und so fuhr ich wieder am gelben Briefkasten vorbei auf der 235, aber diesmal viel weiter, bis nach Waldorf nämlich, ca. eine Stunde Fahrt, bog dann links ab von der 235, Richtung Irongate Drive 18, wo der Chef von "Southern Maryland Hydraulics", ein hagerer Kerl im Pensionsalter, an einem Tisch hinter einem Kundenschalter sass und gerade rote Bohnen aus einem weissen Plastikteller löffelte. Daneben hatte er eine Büchse Cola Light. Auf die Frage, ob er meinen Hydraulikzylinder flicken könne, sagte er: „Sure.“ Und seine Sekretärin, die seine Tochter hätte sein können (und es wohl auch war), brachte gleich ein Namensschild an und legte das Teil auf ein Gestell. Auch meine zweite Frage, wann ich es wieder abholen könne, beantwortete der Mann in einem einzigen Wort: „Tomorrow.“ „Ok“, sagte ich, „dann rufe ich Sie morgen an.“ „No, we call you“, sagte er nun in einem ersten vollständigen Satz. Und beim Wort „call“ öffnete er den Mund ungewöhnlich weit, so dass ich darin die roten Bohnen erblickte, die er gerade hinein geschoben, aber noch nicht gekaut hatte. Mir schoss die Frage durch den Kopf, ob diese Bohnen sein Mittag- oder eher sein Abendessen seien, denn es war mittlerweile 16 Uhr geworden.
„Oh, sure“, antwortete ich, und vielen Dank und „Good bye“. Und natürlich „Have a great evening". Dann stieg ich ins Auto und fuhr zurück. Auf der Heimweg dachte ich, dass dies trotz allem ein interessanter Bootsarbeitstag gewesen sei.
Luke wusste dazu folgendes: Ich müsse auf der Route 235 ein paar Meilen fahren, bis ich zu einem gelben Briefkasten käme. Der Name des Hydraulik-Shops selbst sei ihm leider entfallen. Doch was er wisse, sei noch dies: Wenn ich rechter Hand die Sandgates Road sähe, sei ich bereits zu weit gefahren. Gesagt getan. Und prompt kam ich nach gut 11 Meilen an der Sandgates Road vorbei, drehte folgerichtig um und nahm einen zweiten Anlauf. Da war er ja, der gelbe Briefkasten, den ich bei der ersten Durchfahrt übersehen hatte. Ich bremste scharf ab, bog von der Route 235 auf einen Dreckweg ab und sah von weitem eine Art offene Blechscheune. Links davon war ein Hundezwinger, in welchem ein deutscher Schäfer wie irre bellte und sich dabei um die eigene Achse drehte. Ich stieg aus und nahm an, dass dieses rechtsdrehende Biest wohl nichts Gutes im Sinn hatte. Ich war deshalb froh, dass ein Zaun mich von dem Hund trennte.
"No way“ sprach er mit einer Grabesstimme, als ich ihm meinen Hydraulikzylinder präsentierte. Ob er wisse, wer das Ding flicken könne, frage ich. „No idea“, tönte es erneut im tiefstem Bass, wie er hier gerne für suggestive Radiowerbung („You have to get it!“) verwendet wird. Jetzt sagte ich beinahe flehend: „You know, it’s metric, it’s french” Doch das Rosagesicht drehte sich bereits ab, wünschte mir dann aber, wieder halb zu mir gewendet, doch noch ein tiefstimmiges “Good luck”.
Als ich aus dem Laden trat, rannte der Schäfer bellend entlang dem Zaun. Offenbar versprach er sich davon mehr Abschreckung als mit dem irren Drehen von vorhin. Ich sagte zu ihm : „Alles Gueti, gäll !“, die schweizerdeutsche Variante von Good luck, und stieg ins Auto ein.
Zurück beim Boot schaute ich im Internet nach und fand „Southern Maryland Hydraulics“ und den viel versprechenden Hinweis „metric fittings“. Ein Anruf - in Amerika muss man immer zuerst anrufen, bevor man irgendwo hin fährt - tönte gut. Und so fuhr ich wieder am gelben Briefkasten vorbei auf der 235, aber diesmal viel weiter, bis nach Waldorf nämlich, ca. eine Stunde Fahrt, bog dann links ab von der 235, Richtung Irongate Drive 18, wo der Chef von "Southern Maryland Hydraulics", ein hagerer Kerl im Pensionsalter, an einem Tisch hinter einem Kundenschalter sass und gerade rote Bohnen aus einem weissen Plastikteller löffelte. Daneben hatte er eine Büchse Cola Light. Auf die Frage, ob er meinen Hydraulikzylinder flicken könne, sagte er: „Sure.“ Und seine Sekretärin, die seine Tochter hätte sein können (und es wohl auch war), brachte gleich ein Namensschild an und legte das Teil auf ein Gestell. Auch meine zweite Frage, wann ich es wieder abholen könne, beantwortete der Mann in einem einzigen Wort: „Tomorrow.“ „Ok“, sagte ich, „dann rufe ich Sie morgen an.“ „No, we call you“, sagte er nun in einem ersten vollständigen Satz. Und beim Wort „call“ öffnete er den Mund ungewöhnlich weit, so dass ich darin die roten Bohnen erblickte, die er gerade hinein geschoben, aber noch nicht gekaut hatte. Mir schoss die Frage durch den Kopf, ob diese Bohnen sein Mittag- oder eher sein Abendessen seien, denn es war mittlerweile 16 Uhr geworden.
„Oh, sure“, antwortete ich, und vielen Dank und „Good bye“. Und natürlich „Have a great evening". Dann stieg ich ins Auto und fuhr zurück. Auf der Heimweg dachte ich, dass dies trotz allem ein interessanter Bootsarbeitstag gewesen sei.
Montag, 13. Juni 2011
How was it?
West Marine, mein Bootsladen, will wissen, ob der neue Autopilot meine Wünsche erfüllt und wie’s mit der Zustellung geklappt hat. Die US-Bank nimmt es noch genauer und möchte die Frage klären, ob die Eröffnung des Kontos speditiv erfolgt sei; dann geht’s noch mehr ins Detail: wie beurteile ich die Navigation beim Anmeldevorgang, wird gefragt, und was halte ich von der angebotenen Hilfe per Helpseite/Livechat/Mail.
Burger King schliesslich fragt auf dem Kassenzettel kurz und bündig: „How was it?“ und bietet ein Gratis-Menu an fürs Mitmachen bei der Survey, sofern selbige innerhalb von 48 Stunden erfolgt. Void where prohibited by law! One coupon per customer! Legaleese halt, für das die Disclaimer-Anwälte 400 Dollar pro Stunde kassieren.
Die Befragung von Kunden nach getätigten Einkäufen bzw. erhaltenen Dienstleistungen ist so häufig, dass nur die Dümmsten ihre Zeit noch gratis hergeben, um die Unternehmen in ihren Marketinganstrengungen zu stärken bzw. den Profit zu maximieren. Denn darum geht es doch, oder? Der Bootsladen zum Beispiel schreckt nicht davor zurück, zu fragen, ob man die Preise als "zu hoch" bzw. "zu niedrig" beurteile. Selbstverständlich kreuze ich „zu hoch“ an, Schlaumeier, der ich bin, denn ich möchte West Marine mit meinem kleinen Survey-Beitrag zu Preissenkungen veranlassen und hoffe dabei, dass andere Surveyisten meiner Logik folgen. Wer „zu niedrig“ wählt, würde sich in der anonymen Masse der Konsumenten automatisch als Preistreiber schuldig machen. Gut wäre allerdings, wenn man die Wahl hätte, anzukreuzen: „Zu niedrig, wenn Sie anständige Löhne bezahlen müssten.“ Aber das ist ein anderes Thema. Die ganze Umfragerei spielt sich ohnehin in einem engen Korsett gängiger Zufriedenheitsanforderungen ab; Platz für eine ideologische Diskussion gibt es da nicht.
Ich wette, dass in der Schweiz das Tool der Kundenbefragung bald auch seinen Siegeszug durch die Waren- und Dienstleistungswelt antreten wird. Ich erlaube mir deshalb gleich mit dem guten Beispiel voran zu gehen und frage Sie: Wie war dieser Blogbeitrag? Zu lang, zu kurz?
Und wie war der Schluss? Zum Gähnen?
Wie bitte? Korrigieren Sie das bitte sofort!
So ist gut! Vielen Dank, dass Sie an der Umfrage teilgenommen haben. Have a nice day.
Burger King schliesslich fragt auf dem Kassenzettel kurz und bündig: „How was it?“ und bietet ein Gratis-Menu an fürs Mitmachen bei der Survey, sofern selbige innerhalb von 48 Stunden erfolgt. Void where prohibited by law! One coupon per customer! Legaleese halt, für das die Disclaimer-Anwälte 400 Dollar pro Stunde kassieren.
Die Befragung von Kunden nach getätigten Einkäufen bzw. erhaltenen Dienstleistungen ist so häufig, dass nur die Dümmsten ihre Zeit noch gratis hergeben, um die Unternehmen in ihren Marketinganstrengungen zu stärken bzw. den Profit zu maximieren. Denn darum geht es doch, oder? Der Bootsladen zum Beispiel schreckt nicht davor zurück, zu fragen, ob man die Preise als "zu hoch" bzw. "zu niedrig" beurteile. Selbstverständlich kreuze ich „zu hoch“ an, Schlaumeier, der ich bin, denn ich möchte West Marine mit meinem kleinen Survey-Beitrag zu Preissenkungen veranlassen und hoffe dabei, dass andere Surveyisten meiner Logik folgen. Wer „zu niedrig“ wählt, würde sich in der anonymen Masse der Konsumenten automatisch als Preistreiber schuldig machen. Gut wäre allerdings, wenn man die Wahl hätte, anzukreuzen: „Zu niedrig, wenn Sie anständige Löhne bezahlen müssten.“ Aber das ist ein anderes Thema. Die ganze Umfragerei spielt sich ohnehin in einem engen Korsett gängiger Zufriedenheitsanforderungen ab; Platz für eine ideologische Diskussion gibt es da nicht.
Ich wette, dass in der Schweiz das Tool der Kundenbefragung bald auch seinen Siegeszug durch die Waren- und Dienstleistungswelt antreten wird. Ich erlaube mir deshalb gleich mit dem guten Beispiel voran zu gehen und frage Sie: Wie war dieser Blogbeitrag? Zu lang, zu kurz?
Und wie war der Schluss? Zum Gähnen?
Wie bitte? Korrigieren Sie das bitte sofort!
So ist gut! Vielen Dank, dass Sie an der Umfrage teilgenommen haben. Have a nice day.
Donnerstag, 9. Juni 2011
Unsere Miranda - frisch gestrichen
Bei 35 Grad am Schatten und einer brutal hohen Luftfeuchtigkeit hier in Solomons ist mein Hirni weich geworden, sodass ich die Arbeit am Boot einstellte. Dreimaliger Gang zu einer Miniute Maid zwecks Bezug von Fanta hat da gar nichts mehr genützt, ja den Zustand langsamen Denkens eher verschlimmert. Doch für ein Photo reichte es noch. Und ich muss sagen: Unsere Miranda sieht schick aus, ich habe das frühere Eierschalenweiss am Rumpf durch ein weisses Weiss ersetzt, was mehr Ovni-Look ergibt. Die Wasserlinie habe ich mit Trilux-Antifouling - leider nur in Off-White erhältlich - gestrichen, nachdem die ursprüngliche Zwei-Komponenten-Farbe dem Salzwasser nicht standgehalten hatte. Das Bild ist extra aus einer gewissen Distanz aufgenommen worden, weil aus der Nähe betrachtet, sich schon der eine oder andere Patzer erkennen liesse. Und das wollten wir vermeiden. Die richtige Reihenfolge wäre gewesen, das Deck vor dem Aufkleben des neuen Antiskid zu schleifen, dann den Treadmaster aufzukleben und dann zu malen. Doch die Chance wurde 2006 verpasst, als die neuen Anti-Rutschmatten montiert wurden. Und so ist das Boot nun halt nur aus der Ferne eine wirkliche Beauty.
Montag, 30. Mai 2011
Ein perfektes Memorial Day Weekend
Das Wochenende von Memorial Day markiert den Beginn des Sommers in Amerika und das wird überall gefeiert. Paul und ich fuhren deshalb am Samstag Nachmittag zu Ken, einem pensionierten Bundesbeamten, der an seinem Steg Krabben fängt. Ungefähr ein Dutzend holt er pro Tag raus. Wir bekam 40 aus seinen zwei Reusen, die Ken an einer Leine frisch aus dem Wasser holte. Zu Hause angekommen, gaben wir die Hälfte unseren Nachbarn, die im Laufe des Tages immer mehr Familienbesuch bekommen hatten. Selbst heizten wir einen Topf auf dem Gaskocher im Freien, gaben Bier und Essig hinein. Und schütteten dann die bedauernswerten Kreaturen in den Dampf, würzten sie mit Krabben-Würzmix, dann Deckel drauf und 15 Minuten steamen.
Als die Krabben gar waren, versammelten wir uns auf der Terrasse, um mit Hammer und Messer an das Krabbenfleisch zu kommen. Das Knacken der Krabben ist eine Riesenarbeit, die verstanden sein will. Zu dem herausgepulten zarten Fleisch gab es Maiskolben und einen leichten französischen Weisswein – ein Festessen.
Am Sonntag dann segelten wir mit A und Y bei schönstem Wetter und wenig Wind zusammen mit Dutzenden andern Booten kreuz und quer in der Mündung des Patuxent River, einem idealen Segelrevier südlich von Washington, wo wir vor 20 Jahren als Anfänger alle denkbaren nautischen Fehler gemacht hatten. Später tuckerten wir den Fluss hinauf in einen einsamen Creek, wo wir zusammen mit ein paar andern Booten ankerten. Wir holten den Bootsgrill hervor und grillierten Steaks. Als es dunkelte, zündeten wir die Laterne an, welche bald von Hunderten von Mayflies umschwärmt wurde, weshalb wir uns bald schlafen legten. Der Morgen dann war so still wie sonst nirgends in der Zivilisation. Die Sonne ging auf über dem spiegelglatten Wasser und ich suchte einen WLAN, um Zeitung zu lesen und das Facebook zu checken. Ein perfektes Memorial Day Weekend.
Als die Krabben gar waren, versammelten wir uns auf der Terrasse, um mit Hammer und Messer an das Krabbenfleisch zu kommen. Das Knacken der Krabben ist eine Riesenarbeit, die verstanden sein will. Zu dem herausgepulten zarten Fleisch gab es Maiskolben und einen leichten französischen Weisswein – ein Festessen.
Am Sonntag dann segelten wir mit A und Y bei schönstem Wetter und wenig Wind zusammen mit Dutzenden andern Booten kreuz und quer in der Mündung des Patuxent River, einem idealen Segelrevier südlich von Washington, wo wir vor 20 Jahren als Anfänger alle denkbaren nautischen Fehler gemacht hatten. Später tuckerten wir den Fluss hinauf in einen einsamen Creek, wo wir zusammen mit ein paar andern Booten ankerten. Wir holten den Bootsgrill hervor und grillierten Steaks. Als es dunkelte, zündeten wir die Laterne an, welche bald von Hunderten von Mayflies umschwärmt wurde, weshalb wir uns bald schlafen legten. Der Morgen dann war so still wie sonst nirgends in der Zivilisation. Die Sonne ging auf über dem spiegelglatten Wasser und ich suchte einen WLAN, um Zeitung zu lesen und das Facebook zu checken. Ein perfektes Memorial Day Weekend.
Mittwoch, 25. Mai 2011
Sparen beim Fliegen
Die Fluggesellschaften erfinden immer neue Wege, um uns Billigstfliegern zu sagen, dass wir ihre allerletzten Kunden sind , weil wir für einen Flug am liebsten nichts bezahlen würden und dafür aber auch bereit sind, jede nur erdenkliche Unannehmlichkeit in Kauf nehmen. So bestraft uns United Airlines für unsern angeborenen Sparzwang neustens damit, dass wir auf Transatlantik-Flügen nur noch ein Gepäckstück gratis mitnehmen dürfen. Und beim Check-in im Internet versucht die US-Gesellschaft krampfhaft, uns davon abzuhalten, den gekauften Billigsitz zu wählen. Statt dessen wird dafür geworben, knapp 100 Franken mehr zu zahlen für einen besseren Platz.Doch was heisst besser? Der Platz bietet gut 20 Zentimeter mehr Beinfreiheit und befindet sich etwas weiter vorne in der Kabine, aber natürlich immer noch in der Holzklasse. Und das wär’s dann auch schon.
Ich gehöre zu jenen, die solche „Upgrades“ und alle anderen modernen Strafzölle für Getränke, „zusätzliche“ Gepäckstücke und dergleichen eisern ignorieren. Ich wäre bereit, notfalls mit angezogenen Knieen über den Atlantik zu fliegen, falls man für das Ausstrecken der Beine künftig 100 Franken „upgrade“ bezahlen muss.
Und ich beklage mich nicht, sondern beobachte mit Hochgenuss, dass die Vermarktung des 20-Zentimeter-Upgrades bei United zu einem logistischen Albtraum geführt hat. Das System funktioniert nämlich höchstens in vollen Kabinen. Sobald es genügend Platz hat, wie am Dienstag auf dem Flug nach Washington, entsteht die dumme Situation, dass die Upgrade-Passagiere die Gehörnten sind, weil sie 100 Franken für etwas bezahlt hatten, das sie auch gratis hätten haben können. Zusätzlich muss das Kabinenpersonal unmittelbar vor dem Start Polizei spielen und die Billigst-Passagiere davor warnen, knapp vor dem Start den Sitz zu wechseln und einen freien Upgrade-Platz zu ergattern. Dieses Sesselhüpfen ist sonst ein beliebtes Game, um zum Beispiel neben einen leeren Mittelsitz zu kommen.
Doch warum sollten wir unseren Billig-Platz wechseln? Viele hatten – wie ich – in der leeren Dreierreihe bzw. dank nicht belegtem Mittelsitz eh so viel Platz wie noch nie für die 400 Franken, die wir bezahlt hatten. Also: Hände weg von zweifelhaften Upgrade-Angeboten.
Ich gehöre zu jenen, die solche „Upgrades“ und alle anderen modernen Strafzölle für Getränke, „zusätzliche“ Gepäckstücke und dergleichen eisern ignorieren. Ich wäre bereit, notfalls mit angezogenen Knieen über den Atlantik zu fliegen, falls man für das Ausstrecken der Beine künftig 100 Franken „upgrade“ bezahlen muss.
Und ich beklage mich nicht, sondern beobachte mit Hochgenuss, dass die Vermarktung des 20-Zentimeter-Upgrades bei United zu einem logistischen Albtraum geführt hat. Das System funktioniert nämlich höchstens in vollen Kabinen. Sobald es genügend Platz hat, wie am Dienstag auf dem Flug nach Washington, entsteht die dumme Situation, dass die Upgrade-Passagiere die Gehörnten sind, weil sie 100 Franken für etwas bezahlt hatten, das sie auch gratis hätten haben können. Zusätzlich muss das Kabinenpersonal unmittelbar vor dem Start Polizei spielen und die Billigst-Passagiere davor warnen, knapp vor dem Start den Sitz zu wechseln und einen freien Upgrade-Platz zu ergattern. Dieses Sesselhüpfen ist sonst ein beliebtes Game, um zum Beispiel neben einen leeren Mittelsitz zu kommen.
Doch warum sollten wir unseren Billig-Platz wechseln? Viele hatten – wie ich – in der leeren Dreierreihe bzw. dank nicht belegtem Mittelsitz eh so viel Platz wie noch nie für die 400 Franken, die wir bezahlt hatten. Also: Hände weg von zweifelhaften Upgrade-Angeboten.
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