Samstag, 13. April 2013

Die Schlacht von Trafalgar


Wie oft denken Sie tagsüber an Sex? Und wie oft an die grossen Seeschlachten der Geschichte? Sehen Sie! Bei uns war es bis gestern auch so. Doch dann segelten wir von Cadiz nach Barbate, hatten einen schönen Wind und kamen an jenem Kap vorbei, das dem Trafalgar Square in London den Namen gab. „Die Engländer haben gewonnen, sonst gäbe es den Namen nicht mitten in der City“, sagte ich. Und bekam einen Punkt. „Nelson“, sagte Agnes und bekam ebenfalls einen Punkt. Nun war es 1:1. Doch nun, bei den Gegnern der Engänder,  ging meine Frau in Führung: „Die Franzosen.“ 2:1 für sie.

 Unglaublich, wie manche Leute Schulwissen über Jahrzehnte konservieren. Sie nennt ihn noch dazu „Commodore“ und baut damit die Führung aus.  

Wir hatten nun die Strömung gegen uns und alle Zeit in der Welt, um zu überlegen, wie die Schlachtschiffe wohl agiert hatten, falls „agiert“ das richtige Wort ist. Nämlich mit Wind aus Nord und Strömung nach Nordwesten setzend. Und aufkreuzen konnte man mit diesen Ungetümen ja auch nicht. Später beschlossen wir, alles einmal in Wikipedia nachzuschauen.

In Barbate angekommen ergab die Lektüre in Wikipedia: Nelson in der Tat; er verlor kein einziges Schiff, kam aber selbst ums Leben, nicht als Admiral (wie ich gedacht hatte), sondern als Vizeadmiral, der ewige Zweite sozusagen. Ein ungewöhnlicher Fall:  kein eigenes Schiff verloren, aber Chef weg,.

Bei der Looser-Flotte handelte sich übrigens um eine Koalition aus Franzosen und Spaniern. Und das alles ist lange her, passierte im Jahr 1805, dem gleichen Jahr, als Beethovens „Eroica“in Wien uraufgeführt wurde. Auch das steht in Wikipedia.

Mittwoch, 10. April 2013

Seekarten auf dem Handy


Ich habe seit ein paar Wochen ein neues Handy, das erste Samsung meines Lebens; es läuft unter Android 4.1. Im App-Store stöbernd entdeckte ich schon am ersten Tag beim Ausprobieren des neuen Spielzeugs jene Seekarten, welche ich mit einem Chip bereits auf einem Laptop und zur Sicherheit auf einem zweiten, kleinen  System (Lowrance Elite 4M) installiert habe. Ich konnte nicht widerstehen und kaufte das Europa-Kartenset für Android für 24 Franken, ein Klacks wenn man weiss, dass allein schon die beiden Chips mit dem europäischen Atlantik und dem Mittelmeer über 400 Franken gekostet hatten.
Was sind nun die Billig-Karten auf dem Android wert?
Heute machte ich einen ersten Test. Ich gab mit dem Zeigfinger  zwei Routenpunkte ein für eine Strecke von Cadiz nach Rota und setzte mich mit dem Phone aufs Oberdeck der Fähre. Und siehe da: Wie auf meinem Laptop wird das Boot, bzw. seine GPS-Position, mit einem Dreieck gezeigt, das an der Spitze einen langen Pfeil hat, sodass man Richtung und mutmassliches Ziel mit einem Blick erkennt. Um Details zu sehen, bewegt man die Finger gleich wie bei den Fotos, einfacher geht’s nicht. Der kleine Bildschirm zeigt  alle gewünschten Details etwa drei Seemeilen voraus, bei unserem Segelboot sind das ca 30 Minuten, ausreichend also  für die Planung und Navigation.
Einziger Nachteil: Die vielen Features des Programms auf dem grossen Rechner sind nicht vorhanden, also keine Peilungen, kein Antikollisionssystem, keine Alarme usw usf. Doch darauf könnte ich im Notfall verzichten. Denn eines wurde schnell klar: Im ärgsten Fall, wenn der letzte Laptop abgestürzt, alle Papierkarten und Hafenhandbücher über Bord gegangen sind und ich allein mit meinem Handy wäre: Ich hätte eine gute Chance, den rettenden Hafen zu finden. Was will man mehr für 24 Franken?

Von Lagos nach Cadiz


Nach einem halben Jahr Urlaub in Lagos an der Algarve sind wir wieder unterwegs. Mit neuem Antifouling und einer guten Brise aus Nord hatten wir einen wunderbaren Trip nach Osten nach Vilamoura, einem klassischen Ferrienort für Nordländer, diein diesen Tagen  in den chicen Bars gerade den Frühling geniessen.

Wir wollten erst direkt nach Cadiz, doch am Ende eines sonnigen, aber kühlen Tages fanden wir, Vilamoura tue es auch. Schliesslich duschen wir zu Hause auch nicht kalt.

Am andern Tag ging es dann bei wenig Wind, dafür um so wärmeren Temperaturen Richtung Cadiz, wo wir kurz vor Mitternacht im Hafen Rota, im Norden der Bucht von Cadiz, anlegten. Zum erstenmal seit zweieinhalb Jahren sind wir nun wieder in Spanien. Und uns scheint, die Krise des Wirtschaftssystems sei um vieles schlimmer geworden als das, was wir noch vor drei Jahren  eine Finanzkrise nannten.

Denn überall in der Kleinstadt Rota sind Läden eingegangen und zu vermieten. Das ärgste: Tagsüber sind auffallend viele Männer im arbeitsfähigen Alter unterwegs, stehen herum oder  lesen in Bars vor leeren Tassen ausgiebig ihre Zeitung. Im Norden vor drei Jahren waren uns vor allem halbfertige Hausbauten aufgefallen. Nun, so haben wir den Eindruck, wird nicht einmal mehr halbfertig gebaut.

Sonntag, 17. März 2013

Der letzte Marathon


Ich komme langsam in ein Alter, wo ich Sachen „das letzte Mal“ mache. Und so bin ich diesen Sonntag den (wahrscheinlich) letzten Marathon gelaufen. Der Trainingsplan war aus einer gewissen Verlegenheit entstanden: Was macht man jeden Vormittag an einem Ort wie Lagos, an der Algarve, wenn man nicht arbeitet und in Gottesnamen nicht dauernd am Boot herumbasteln kann. Lesen? Der Morgen ist  für mich keine Lesezeit, ausser im Zug oder im Flugzeug. Posten? Soviel gibt’s auch nicht jeden Tag einzukaufen. Bleibt das Internet – oder eben sportliche Ertüchtigung.

Weil das Winterwetter in Lagos für ein Jogging-Training geradezu ideal ist (kühl, aber nicht zu kalt für die Muskeln und Sehnen), wurde der Plan geboren, nach Washington (einmal) und Zürich (zweimal) ein viertes Mal die Strecke über gut 42 Kilometer zu laufen. Ich legte mir eine Trainingsstrecke zurecht, buchte den Marathon von Barcelona plus Flüge für 25 Euro und trainierte zuletzt knapp 80 km pro Woche, insgesamt etwa 1500 km seit letzten September. Die Trainings fanden jeden zweiten Tag statt, an den freien Tagen ging ich ins Fitness zwecks Rückenstärkung und zum Schwimmen als Dessert.

Und gestern also war nun der grosse Tag: Bei trübem, d.h,. idealem Wetter und ca 12 Grad machte ich mich kurz nach halb acht Uhr in Barcelona von unserem Hotel auf zum Startplatz. Da ich aus Aufregung viel zu früh dran war, hatte ich Zeit, die übrigen Freizeitsportler zu betrachten. Es ist unglaublich, wieviel unterschiedliche Stilformen sich für diese ziemlich uniforme Sportart herausgebildet haben: Gross in  Mode sind Kompressionssocken, die Oberprofis haben sich zusätzlich eine Art Kompressionsärmel übergezogen. Dann gibt es erstaunlicherweise Leute, die in zwei verschiedenen Schuhen, also kein einheitliches Paar, antreten. Weiter waren jede Menge verschiedenartiger Shorts zu betrachten, einzelne Frauen trugen hübsche Jogging-Röckchen. Weiter wird mittels Leibgurt jede Menge von Powernahrung mitgeführt. Ein Franzose hatte „Coup de Fouet“ bei sich, ein treffender Produktname, finde ich; ich hatte 2 Isostar Gel (Peach) im Hosensack meiner Hugo-Durchschnittsshorts.

Und dann ging’s los. Eine wundervolle Strecke, ein echter City-Marathon. Besonders stolz bin ich, am Stadion des FC Barcelona entlang gelaufen zu sein, während ich die architektonischen Werke von Gaudi nicht verstehe, höflich gesagt. Ich finde sie nämlich scheusslich und ich bleibe bei dieser Meinung, obschon ich weiss, dass Leute extra wegen dem Gaudi nach Barcelona pilgern.

Der Parcours ging lange Alleen rauf und auf der Gegengeraden wieder runter. Das Publikum war hinreissend und feuerte uns hintere Chargen an, als ob wir reelle Chancen auf einen vorderen Platz hätten.
Hatten wir nicht, wie ich natürlich zum voraus wusste. Meine grosse Krise kam überraschenderweise bereits bei Kilometer 17, wo ich mich im Training jeweils noch total frisch gefühlt hatte. Ich war so miserabel dran, dass ich bereits nach Taxiständen Ausschau hielt; sicherheitshalber hatte ich eine 20-Euro-Note bei mir.

Das Isostar Gel wirkte dann jedoch Wunder, weil – so vermute ich – in dieses designte Food Glückshormone hineinmontiert werden, welche selbst in der ärgsten Krise für gute Stimmung sorgen, ähnlich wie die Fernsehunterhaltung in Ländern wie Portugal und Spanien angesichts der Krise, die die Menschen mit brutaler Härte trifft.

Aber item: Ich wurde immer langsamer und bei Kilometer 30 war klar, dass wir über eine Zeit auf der falschen Seite von 5 Stunden reden würden. Ich plagte mich über den Rest der Strecke mittels der Taktik des compartmentalizing. Das heisst: Man sagt sich nicht dauernd: „Jesses, noch 12, 10, 8 usw Kilometer“  Sondern man hangelt sich von Kilometer zu Kilometer und freut sich über den 25er,der die Mitte zum 30iger beinhaltet, dann den 26igsten, um schliesslich den 27igsten echt zu feiern, weil danach bereits der zweitletzte der 20er kommt usw usf.

Hat alles nichts genützt:  Als ich später im Hotel mit sauren Muskeln in den Beinen, aber einer Dose Bier in der Hand auf der Webseite meine Zeit nachschaute, war sie noch um 4 Minuten schlechter als die selbstgemessene: 5:19 Uhr. Grottenschlecht.  1:06 h  mehr als mein bester Marathon vor knapp 20 Jahren und mehr als eine halbe Stunde schlechter als die beiden Zürcher Ergebnisse.

Aber so ist es halt: ich werde älter und vielleicht ist es angesichts der gelaufenen Zeit nicht schlecht, wenn ich sage: Das war mein letzter Marathon.

Dienstag, 5. Februar 2013

Pyros


Wer als Fussballfan MIT Pyros erwischt wird, gerät in Schwierigkeiten. Wer als Segler KEINE Pyros bei sich hat, ebenfalls. Beide wissen, dass das Abbrennen der Fackeln gelernt sein muss. Neuerdings will den Fussballfans (nicht den Seglern) die Stadt Zürich gar ein kontrolliertes Umfeld für gekonntes Abbrennen bieten.
Gut so. In Lagos machen wir das genau gleich. Dort traf sich diese Woche an einem sonnigen Vormittag nämlich unsere internationale Seglergemeinde am Strand. Die Teilnehmer der Uebung brachten alle ein paar Pyros mit, deren Datum längst abgelaufen war; die guten behalten wir selbstverständlich an Bord für den Notfall, will heissen: für den Fall einer Kontrolle durch die Küstenwache

Ein älterer Brite kam mit Fackeln, die bereits seit 1992 nicht mehr ganz frisch sind. Er sagte, es falle ihm schwer, sich von ihnen zu trennen, weil er so viele Meilen mit ihnen zusammen zurückgelegt habe.
Wir von der Miranda II  hatten Fackeln von 2007 in einem kleinen gelben Koffer mitgebracht; die Jahrzahl bedeutet, dass die Dinger auch gut 8000 Meilen hinter sich gebracht haben seit ihrer besten Zeit. Wir hatten zwar immer wieder neue gekauft, aber die alten dennoch behalten, weil ein paar besonders schöne Exemplare darunter waren: Rauchpetarden zum Beispiel, die ich mit ihrem aufsehenerregenden dichten und sehr orangen Supernebel noch nie auf einem Spielfeld gesehen habe. Auch die Fallschirmfackeln hatten wir für den Notfall trotz abgelaufenem Datum behalten, weil man davon – finde ich - nie genug haben kann. Denn sie steigen hoch in den Himmel und leuchten lange und ausgiebig, um in der Not (vielleicht) von einem Frachterkapitän gesehen zu werden.

Die Übung selbst, das kontrollierte Abbrennen, verlief unter kundiger Leitung unspektakulär. Man öffnet jeweils auf der Unterseite der Fackel den Plastikdeckel. Dann passiert zur allgemeinen Ueberraschung noch gar nichts. Denn nun muss man erst an einem Draht ziehen, der wie eine Feder unten an der Fackel heraus guckt. Und dann: Wwwuuuuschsch, brennt das Ding hell und klar - oder schiesst gen Himmel.

Das wichtigste ist, die Fackel richtig in der Hand zu halten, nämlich vertikal (also nicht so wie auf dem Bild oben!), sodass  man nicht verletzt wird für den Fall, dass der Schuss buchstäblich hinten heraus geht. Alles schon vorgekommen, wie erfahrene Uebungsteilnehmer mit wichtiger Miene berichteten. Echte Pyros-Profis zeichneten sich an dem Vormittag  dadurch aus, dass sie die Fackeln nicht mit der blossen Hand hielten, sondern mit einem Handschuh für den Fall einer unerwarteten Hitzeentwicklung.

Ich hatte keinen solchen Handschuh bei mir, dafür die richtige Mütze: Die schöne schwarze Limited Edition mit der Jahrzahl 1879 des FC St. Gallen.

Samstag, 5. Januar 2013

Neues Jahr - neue Fenster


Unsere Acryl-Fenster waren auf beiden Seiten zerkratzt, hatten Spalten, die nur notdürftig mit Dichtungsmasse verklebt wurden – und waren an einer Stelle immer wieder undicht. Wir mussten deshalb mitten auf dem Atlantik nachdichten, wozu wir kleine Sikaflex-Tuben bei uns hatten  (keine grossen, weil  die einmal angebrauchte  Masse eh nur austrocknet).

Irgendwann im Sommer entschlossen wir uns, während des Winters dann neue Fenster zu basteln, kauften in Lissabon schon mal das Acryl, welches unter dem Namen Polycarbonat vertrieben wird.

Und nun also, Anfang Januar,  war es soweit: Wir hatten gute Vorsätze gefasst und sollten nun also daran gehen, unserem Boot neue Fenster zu verpassen.

 Als erstes schraubten wir die alten Fenster ab, und legten sie  auf die im Sommer gekaufte Acryl-Glasplatten, damit die Formen abgenommen werden konnten. Dann sägten wir die neuen Stücke mit der Stichsäge aus und machten je zwei Referenzschraubenlöcher von jedem alten Glas ins Neue. Bei diesen Arbeiten verwendeten wir  Bohrer und Sägeblätter, wie sie für das Bohren bzw Sägen von Metall gebraucht werden.¨
Die neuen Fenster sind provisorisch aufgeschraubt worden,¨
so ist sicher, dass die Schrauben passen.

Nach dem Aussägen der neuen Formen ging es ans Anpassen. Die neuen Stücke wurden mit den zwei Referenzschrauben in die richtigen Löcher im Alu geschraubt. Dann bohrten wir die übrigen Bohrlöcher, und zwar indem wir sie mit einem dünnen Bohrer von innen im Boot durch die Alu-Löcher hindurch im Acryl zuerst markierten. In einem weiteren Arbeitsschritt nahmen wir das neue Fenster mit den vormarkierten Bohrlöchern wieder ab und bohrten die 5.5mm grossen Löcher ins Acryl.


Dann haben wir die neuen Fenster  - noch ohne Dichtungsmasse - total ans Alu angeschraubt (siehe Bild oben links), um sicher zu sein, dass die neuen Schraubenlöcher auch wirklich auf die bestehenden Alu-Löcher passen. Wir fanden, der Mehraufwand lohne sich. Denn wenn einmal Dichtungsmasse ins Spiel kommt, ist es für nachträgliches Anpassen und Bohren zu spät.

 Während nun die schönen neuen Fenster ohne Dichtungsmasse angeschraubt waren,  klebten wir Abdeckband entlang der Fensterkanten, damit die später herausgedrückte Dichtungsmasse nicht das Alu verkleckern würde. Schliesslich wurden die eben provisorisch verschraubten Fenster wieder abgenommen, die Dichtungsmasse (Sikaflex) auf das Alu aufgetragen, die Fenster drauf gelegt und nun definitiv angeschraubt. Hier ein Tipp:  Damit man beim Anpassen der Fenster sehen kann, wo unter der aufgetragenen Dichtungsmasse die Schraubenlöcher versteckt sind, stösst man ein paar Zahnstocher von innen her durch die Dichtungsmasse.

Tipps für jedermann

Schutzfolie auf beiden Seiten schützt das neue Fenster vor
der Dichtungsmasse.
Hier ein paar weitere Ratschläge, die wir entweder bekommen haben oder die uns selbst wichtig sind.

1.       1. Die Löcher für die Schrauben im Acryl müssen etwas grösser sein als die Schrauben selbst. Wir haben 5er Schrauben genommen und die Löcher 5.5mm gebohrt. Grund: Acryl will sich in der Wärme ausdehnen können. Wenn es das nicht kann, dann gibt es schon im ersten Sommer Sprünge in die neuern Fenster.  Weiter sollten die Löcher ins Acryl von der Mitte der neuen Fensterstücke aus in Richtung der jeweiligen Enden  vormarkiert werden, wenn die Fenster (wie bei uns) leicht gebogen sind. Am besten ist, wenn man sie während des Markierens von aussen andrückt. Nur so ist sicher, dass die Löcher bei leichten Biegungen wirklich passen.

2.       2. Das Acryl wird mit Schutzfolie auf beiden Seiten angeliefert. Man nimmt diese Schutzfolie erst weg, wenn das Werk vollendet ist. Auf keinen Fall vorher. Grund: Die Folie schützt effizient vor Verschmutzung des Glases durch Dichtungsmasse (siehe Bild oben rechts).

3.       3. Ueberhaupt die Dichtungsmasse: Man muss höllisch aufpassen, dass man sie beim Anbringen  nicht ins  Gesicht, auf  Werkzeuge und auf das Znünibrot schmiert. Ergo immer Haushaltspapier und einen Abfallsack bei sich haben und mehrmals die Latex-Handschuhe wechseln.

       4. Die Schrauben müssen von Dichtungsmasse umgeben sein, damit kein Wasser eindringen kann. Wir haben das Problem so gelöst, dass wir  die Löcher im Alu mit Dichtungsmasse total überschmiert haben, dann haben wir die Schrauben von aussen durch das Glas und die Dichtungsmasse ins Innere gestossen. Dort wurden die Gewinde von der Dichtungsmasse gereinigt und erst dann die Muttern angebracht.

6.       5. Die Muttern zieht man zunächst nur provisorisch fest. Wenn die Dichtungsmasse dann fest geworden ist, nach circa einem Tag, zieht man sie  nach. Dabei muss ein Helfer oder eine Helferin die Schrauben mit einem Schraubenzieher festhalten. Diese dürfen sich nämllich auf keinen Fall drehen beim Festziehen der Muttern, weil sonst die Dichtung um das Gewinde reisst und dort  Wasser eindringen kann.

      Der Frosch-Moment

      Ganz zuletzt kommt das, was wir den Frosch-Moment nennen, der Moment also, wo der Frosch ins Wasser rennt. Im Fall von Fenstern ist es der Dichtigkeitstest. Man kann danmit bis zum ersten Regen warten oder bis die erste Welle über das Deck schappt. Wer es gerne schon vorher wissen möchte, spritzt mit dem Wasserschlauch Wasser auf die Schrauben - und siehe da;: eine undichte Schraube ist zu beklagen. Folge: Man nimmt sie raus, trocknet das nass gewordene Loch mit Ohrenstäbchen, schmiert Dichtungsmasse hinein, steckt die Schraube durch das Loch, zieht die Mutter fest an. Und macht einen neuen Dichtigkeitstest.

p   PS: Hier noch der letzte Tipp: Unbedingt schwarze (und keine weisse) Dichtungsmasse verwenden. Denn weisse gibt einen "gruusigen" Kontrast auf dem Alu, viel zu hell. Schwarz muss sie sein, die Dichtungsmasse.


Dienstag, 4. Dezember 2012

Tarte à l'envers


Seit wir einen neuen Backofen haben an Bord, macht backen wieder Spass. Der alte hatte zuviel Unterhitze und fast keine Oberhitze, sodass wir Brot auf dem Blech umdrehten, um eine akzeptable Bräunung zu bekommen.
Der Neue nun macht seine Sache hervorragend. Und so habe ich heute zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Tarte à l’envers gebacken. Das ist ein Apfelkuchen, der umgekehrt, also mit den Aepfeln nach unten und dem Teig oben in den Ofen geschoben wird und am Ende gestürzt, das heisst sozusagen wieder auf die Füsse gestellt wird.

Hier das Rezept:
Vorbereiten: einen geriebenen, ausgewallten Teig: doppelt so viel Mehl wie Butterstücke, zB 200gr Mehl und 100 gr Butter, je nach Grösse der Pyrexplatte, Salz, 1 TL Zucker und ein verquirltes Ei und evtl. etwas Wasser.

Ca 20 bis 40 Zuckerstücke, geschälte und halbierte, hartkochende Aepfel.

Backofen auf 200 Grad vorheizen.

Zubereitung: In einer durchsichtigen Pyrexform die mit Wasser benetzten Zuckerstücke auf einer Herdplatte bzw über dem Gas caramelisieren, dann Pyrexform vom Herd nehmen und die Aepfelhälften mit der flachen (also der Innen-) Seite nach unten in den caramelisierten Zucker legen.

Ausgewallten Teig über die Aepfel legen.

Ca 20 Minuten backen, bis der Teig leicht gebräunt ist.

Pyrexform herausnehmen, eine Tortenplatte darauflegen und beide zusammen über dem Schüttstein drehen, sodass nun die Torte mit den Aepfeln nach oben und der gebackene Teig auf die Tortenplatte zu liegen kommen.

Das ist der schwierige Teil, weil flüssiger Zucker beim Drehen herausläuft und es gerne eine Sauerei gibt oder die schönen neuen Topflappen zum Schutz der Hände mit dem heissen flüssigen Zucker getränkt werden.

Die Tarte erkalten lassen und idealerweise noch ganz leicht lauwarm als Dessert servieren.¨

In Frankreich kriegt man Tarte aux Demoiselles Tatins (wie der Name auch lautet) nicht nur mit Aepfeln, sondern auch mit Birnen und Aprikosen.

Dienstag, 6. November 2012

Gebastel


Unsere Steuersäule, man kann es nicht anders sagen, war ein Bild des Jammers . Und ein Sicherheitsrisiko. Angenommen, ein Sturm hätte getobt im Atlantik und jemand wäre gegen den Haltegriff geflogen, selbiger hätte mit grosser Wahrscheinlichkeit seine ganze Haltung verloren und wäre umgeknickt. Denn der Haltegriff vor der Steuersäule wurde noch von einer von ursprünglich vier Schrauben gehalten.

Bild 1:  Epoxy-verleimte Muttern.
Die Reparatur war nicht einfach, da die Schrauben abgebrochen waren und in den Gewinden ein Schraubenrest aus rostfreiem Stahl steckte, welcher sich mit dem Alu auf unzertrennliche Art, nämlich durch Korrosion, verbunden hatte.
Ich bohrte deshalb zuerst einmal die Gewinde auf. Not much fun, selbst mit feinsten HSS-Bohrern. 

Dann lautete die Frage: neue Gewinde schneiden – oder einen Murks probieren.

Der Entschluss war Murks.


Bild 2: Hübsche Gewindestängelchen
 Ich entschloss mich, kleine Gewindestangen zu basteln, indem ich neuen Schrauben den Kopf absägte. Den hübschen Gewindestängelchen wurde dann je ein Mütterchen beigegeben, welches ich in eine knapp kleinere Oeffnung ins Alu schlug (mit dem Hammer) – und dann das ganze mit Epoxy verleimte (siehe Bild 1). Dann wurden die Gewindestangen in die Mütterchen eingeschraubt (siehe Bild 2).

Der Rest war einfach: Dichtungen zuschneiden und einsetzen, Haltegriff draufsetzen, verschrauben, zweite Dichtung drauf, dann Kompasshalterung draufschrauben, Kompass anschliessen und einschrauben Wobei ich mir für den elektrischen Anschluss zwei kleine Stecker leistete (5.21 Euro bei Sopromar), um im Notfall rasch den Kompass ausstecken und ausbauen zu können.


Ueberhaupt: der Notfall. Um eine gerissene Steuerkette auswechseln zu können, sind neu nur noch 4 Schrauben nötig. Vorher waren es 10.

Ein Fortschritt, finde ich. Auch wenn alles mit segeln nichts zu tun hat. Oder doch?

Sonntag, 4. November 2012

Lagos


Wir sind in Lagos an der Algarve und fest in britischer Hand. Die Sonntagszeitungen aus London sind am späteren Sonntag vormittag erhältlich. Und so setzen wir uns gegen Mittag  zu einem English Breakfast (no pudding, but 2 slices of toast, pleez!)mit der Sunday Times ins Café, um das Neuste von DC (David Cameron) und Rebekah Brooks zu lesen. Von den britischen Touristen, die mit dem Flugzeug hierher gereist sind und an den Nebentischen ebenfalls die Sonntagszeitungen lesen, unterscheiden wir Boat people uns durch brauntgebrannte Gesichter - kein Wunder, wenn man das ganze Jahr an der Sonne ist.
Das beste aber ist der Navigators Club. Jeden Morgen um 9.30 Uhr gibt’s einen Rundruf auf Kanal 09 des Marinefunks; wir bekommen fast täglich Mails, in denen wir auf neue Bojen, Diebe und günstige Airport-Taxis hingewiesen werden. 14täglich treffen wir uns zum Dinner, nächste Woche ist ein Sprachkurs angesagt. Es gibt Wanderungen, Büchertausch, Quiz-Abende.
Ich habe gerade einen historischen Roman gelesen, der in Asien spielt zur Zeit des britischen Kolonialreichs vor dem zweiten Weltkrieg. Und in dem Roman treffen sich Briten im fernen Asien ebenfalls in Clubs, die dem unseren hier in Lagos sehr ähnlich sind, wenn gleich die Helden dort ein härteres Leben hatten, bei allem Komfort, als wir hier.
Ich bin fest überzeugt: Der nationale Zusammenhalt in der Fremde, nein: die verbindliche Unverbindlichkeit von zwangslos organisierten Beliebigkeiten, ist das wahre Geheimnis des britischen Weltreichs.

Sonntag, 9. September 2012

Pilgerfahrt nach Fatima


Der Bus hält in Fatima inmitten von Wohnblöcken, sodass man sich bewusst wird, dass hier Leute wohnen, für die Fatima nichts anderes ist als ein Wohnort, wie Brüttisellen für die Brüttiseller. Und deshalb gibt es hier auch eine Apotheke, einen Lebensmittelladen, eine Weinhandlung, eine Bäckerei mit Tea room, einen Coiffeur. Und sogar ein Büro für Webdisgn preist seine Dienste an.
Wer dann zur Hauptgasse hochgeht und in die Richtung der Pilgerstätte einbiegt, kommt an ersten Läden vorbei, die religiöse Souvenirs anbieten, wie dies in Brüttisellen unvorstellbar wäre. Unsere Liebe Frau gibt es hier in Fatima in allen Grössen und Preislagen zu kaufen, dazu Amulette, Ringe, Bildchen, Trinkgläser, Tassen -  für jedes Portemonnaie das passende Mitbringsel

In einem Laden sehe ich, dass neben den Statuen der Mutter Gottes gleich  auch Leibchen von Messi und Co. zum Verkaufe aushängen, den verehrten Stars von heute. Man müsste von kirchlicher Seite eigentlich gegen diesen Götzendienst einschreiten. Doch ich habe das Gefühl, das Konzept des Götzen, des falschen Gottes also, ist längst veraltet. 
Wer nun der Stätte näher kommt, wo die Mutter Jesu am 13. Mai 1917 drei Hirtenkindern erschienen ist, sieht  zunächst einen riesigen Platz, auf dem gut und gerne eine halbe Million Gläubige  Platz haben. Der Blick richtet sich dann  nach links auf eine Anhöhe wo  eine schneeweisse Kirche mit kleinem Turm zu sehen ist
 Auf dem Platz führt auf der ganzen Länge von vielleicht 300 Metern ein Marmorweg Richtung Treppe zur Anhöhe, biegt dann jedoch nach etwa gut zwei Dritteln scharf nach links ab, wo eine Kapelle  neueren Datums an der Seite des Platzes  eingerichtet worden ist.
Sinn der fein geschliffenen Wegplatten ist es, den auf den Knieen rutschenden Gläubigen die Bewältigung der Strecke ein bisschen zu erleichtern. Fast alle haben Kniekissen umgebunden. Eine Frau hält beim Vorwärtsrtutschen so gut es geht noch einen Unterarm aus Plastik in die Höhe, deren Sinn ich zunächst nicht sehe.
Ein älterer Mann, offenbar schwer gehbehindert, ist nicht in der Lage, seinen Bittgang  auf den Knien zu absolvieren, er robbt unter grössten Anstrengungen mit seinen Armen dem Ziel entgegen. Wenn der Allmächtige nur eine Fürbitte erhören möchte an dem heutigen Tag, dann wäre es diese, denke ich. Und bin sofort erstaunt, wie schnell man daran geht, ins Räderwerk Gottes einzugreifen, wenn  einem die Stimmung gepackt hat.
Ich gehe nun zur Kirche hoch; im Innern auf den dunklen Holzbänken haben Hunderte von Gläubigen Platz genommen. Eine junge, ausserordentlich schöne Frau mit langem Haar und in Jeans in der hintersten Reihe fällt mir auf. Sie hält das Gesicht in ihren zum Gebet gefalteten Händen verborgen, was Ihrer Andacht eine Innigkeit gibt, wie ich sie noch nie gesehen habe. Ich frage mich, was ihr Anliegen ist: eine Beziehungssache? Der Dank für einen neuen Job? Oder ein krankes Familienmitglied?
Andere sitzen mit geschlossenen Augen da, aber viele haben einfach nur Platz genommen, um auszuruhen,  gucken dem unablässigen Menschenstrom zu und halten ihre Handys auf dem Schoss, ohne für einmal daran herumzufingern – wohl aus Respekt  vor dem geweihten Raum.
Später finde ich einen Laden, der punkto Angebot an religiösen Artikeln alle andern bei weitem übertrifft. Und da entdecke ich nun Unterarme gleich im Dutzend, dazu weitere Körperteile wie Füsse und Knie, aber auch innere Organe wie Herz und Mägen, aber keine Sexualorgane.
Die Verkäuferin erklärt mir, dass man die Plastikstücke kaufe, entsprechend den eigenen Leiden. Wer also ein Stress-Ulcer hat, kauft einen Plastikmagen und bringt diesen dann  als Fürbitte – auf den Knieen rutschend oder auch zu Fuss gehend – zu der Kapelle am Ende des Marmorwegs.
Interessant ist, dass der Laden mit einer Ueberwachungskamera ausgestattet ist. Und da muss ich nun eines sagen:  Ich bin ein toleranter Mensch. Von mir aus können Leute gerne mit Plastikmägen ihren Gebresten zu Leibe rücken.  Wir kennen ja alle den Placebo-Effekt. Was ich aber absolut nicht verstehen kann, ist, dass jemand im Ernst glauben kann, er würde mit  einem geklauten  Plastikmagen von seinem Magengeschwür befreit.
Nach dem Besuch in diesem Supermarkt  der religiösen Artikel ging ich zur Ausgabestelle für die Kerzen. Viele Gläubige kaufen dort gleich sechs oder neun, manche noch mehr  Kerzen. Doch ich fand, dass dies bedeuten müsste, dass  man einen klar definierten Kreis von Familienmitgliedern ziehen müsste, denen man gedenken wolle. Aehnlich wie man bei Google+ gezwungen wird, gewisse Familienmitglieder in den Kreis „Family“ einzuschliessen und andere daraus zu verbannen. Das schafft man im Fall Google+ zwar ohne weiteres, aber hier ist das etwas ganz anderes.
Ich kaufte deshalb eine einzige dunkelbraune Wachskerze  für alle Familienangehörigen, aber dafür eine riesige, 60cm lang mit einem Durchmesser von 2,5 cm, zum Preis von 2.70. Damit ging ich zu einer Art schwarzem Schrein neben der Kapelle und stellte mich in die Schlange. Beim Näherkommen sehen wir, dass ein Feuer in dem Schrein, eine Art Cheminée,  lodert. Und als ich an der Reihe bin, merke ich, dass man seine Kerze nun der Hitze aussetzen muss. Die meisten Kerzen hängen bereits – ein unschönes Bild – wie Würste herunter, andere sind in der Hitze der lodernden Flammen schon fast ganz geschmolzen. Das Feuer wird offensichtlich genährt durch flüssigen Wachs, der sich in einer Wanne am Fusse der Feuerstelle sammelt, wo schwarze Dochtresten wie tote Fliegen drin schwimmen.
Ich war bestürzt über diese Anlage, deren Sinn ich absolut nicht erkennen konnte: Ging es darum, angesichts des Andrangs immer wieder neuen Platz zu schaffen, der anderweitig  für neue Kerzen nicht zur Verfügung stand? Handelte es sich um ein Recycling Projekt für Wachs? Oder verband sich mit dem Feuer eine kirchliche Komponente, die sich mir als Ungläubigem nicht erschlossen hatte, die religiöse Vereinigung aller Anliegen in dem geschmolzenen Wachs, dessen Rauch gen Himmel steigt? Wie immer.
Ich verliess nach diesem niederschmetternden Erlebnis die Pilgerstätte und suchte eine Wirtschaft auf, wo Pilgerin und Pilgersmann sich bei Speis und Trank erfrischen konnten. Es gab zum Glück kein spezifisches Pilgeressen (Hirsebrei mit getrocknetem Fisch oder so ähnlich) und so bestellte ich einen gemischten Salat.
Später ging ich Richtung Busbahnhof. Und, da ich viel zu früh dran war für die Rückfahrt nach Lissabon, kehrte ich im Tea room ein, dessen Pasteis da Nata mich bereits am Morgen bei der Ankunft gluschtig gemacht hatten.
Doch kaum hatte ich mich gesetzt, packte mich eine  innere Unruhe. Ich ass das feine Blätterteiggebäck hastig, spülte sofort nach mit dem Kaffee und machte mich auf zum Bus-Bahnhof. Beim Näherkommen sah ich, dass gerade letzte Passagiere in einen Express-Bus einstiegen, der mit „Nr. 47“ und „Lisboa“ angeschrieben war. Ich klaubte mein Ticket hervor und sah mit Schreck, dass diese Nr.47  mein Bus war, der fahrplanmässig nicht um 15.30h, wie ich im Kopf hatte, sondern bereits um 15h fahren würde.

 Ich stieg als Letzter ein und erhielt meinen online reservierten Platz zugewiesen. Dann fuhr der Bus los und ich dachte, dass die innere Unruhe im Tea room wohl eine Fügung gewesen sein müsse und ein gläubiger Mensch  nun sagen würde, da sei Gottes Hand im Spiel gewesen. 

Montag, 30. Juli 2012


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Donnerstag, 26. Juli 2012

Vier Ueberquerungen des Atlantik - die Bilanz


Das also war die vierte Atlantiküberquerung: Wir sind am 15. Mai in Jacksonville (Florida) gestartet. Auf den ersten paar Meilen begegneten wir einem sogenannten Gunner, einem Gummiboot der US-Coast Guard, an dessen Bug ein Maschinengewehr montiert war, dahinter ein Schütze. Der Grund: Ein U-Boot war aus der Tiefe aufgetaucht und bot seine geheimen Formen und Materialien offen den Spionen der Welt dar. Entsprechend wurden wir verscheucht von diesem Gunner-Mann, der uns weg vom U-Boot drängte.

Viel mehr Dramatik konnten wir ab dann nicht mehr bieten: Wir segelten Richtung Bermuda; nach einem Zwischenstopp dort ging es weiter nach Flores auf den Azoren. Und nun von Horta aus nach Lissabon: 3695 Meilen zeigt das Logbuch an. Es war, abgesehen von einer Reparatur auf Bermuda und einem Sturm auf dem Weg auf die Insel, die beste und (in Tagen auf See gerechnet) auch unsere schnellste Atlantiküberquerung..

Die erste machten wir 1999 von Montauk (New York) via Horta nach Plymouth an Bord der deutschen Jacht "La Villa", einer Bavaria 42; die zweite dann bereits mit Miranda II im Jahr 2006 von Norfolk (Virginia) via Horta nach Le Croisic (Frankreich). Die dritte ging 2010 in der Gegenrichtung: Lanzarote- Kapverden-Barbados. Und nun also der vierte Trip, wiederum von West nach Ost.

Was ist das besondere an den Ueberquerungen - im Vergleich zur Küstensegelei? Die Antwort ist einfach: Man ist für gut drei Wochen kompromisslos unabkömmlich, lebt in der kleinen Welt des eigenen Segelbootes und stellt fest, dass dies einer der wenigen Orte in der Welt ist, wo man wirklich auf sich allein angewiesen ist. Klar gibt es heute Email, doch die kommen immer irgendwie von weit weg und scheinen einem manchmal ein bisserl irreal.

Die meisten Kollegen, Freunde, Angehörigen wollten vor und nach unseren Atlantiküberquerungen  immer  wissen, wie man im ärgsten Falle gerettet werden könnte.Das ist eine Frage, die uns - gottseidank - unterwegs nie beschäftigt hat.

Im Gegenteil: Eine Atlantiküberquerung ist eine grosse Auszeit für Körper und Seele. Der Lebensrhythmus verlangsamt sich wie nie sonst im Alltag: keine Termine,  keine Pendenzen, keine Laufereien. Einfach nichts, was einen aus der Ruhe bringen könnte. Manchmal sass ich an irgendwelchen Nachmittagen unendlich lange im Cockpit und habe aufs Wasser geschaut oder nachts ins Himmelszelt. Es gibt da draussen schlicht nichts, was die eigenen Gedankenwege hätte stören können, auch nichts, was man unbedingt hätte denken oder überlegen müssen. Man spürt am eigenen Körper, dass man langsamer tickt und der Körper auf dem Wasser auf easy geschaltet hat.

Dann mussten wir immer die Frage  beantworten bezüglich Beziehungskrise auf so engem Raum. Hier waren wir jedoch gut dran: Die sog. Mom-and-Pop-Operations gelten als die erfolgreichsten, will heissen: Alte Pärchen wie wir geraten mitten auf dem Atlantik kaum aneinander, nur weil im Gegensatz zur häuslichen Wohnung plötzlich Wasser um sie herum schwappt. Ich hatte nie auf den gut 10 000 Meilen der vier Reisen das Gefühl von Enge. Eng ist es mir eher im wirklichen Leben vorgekommen - an Land in Sitzungszimmern,  geschäftigem Leerlauf und sinnloser Hektik.

Auf dem Atlantik lebt man  aus dem Moment heraus: Freut sich an den fröhlichen Delphinen, den weit reisenden Schildkröten - und natürlich am guten Wind. Wind ist das alles dominierende Thema an Bord einer Jacht.

Auf der 99er Ueberquerung hatten wir nur gerade ein Barometer für die Wetterprognose  und gelegentliche Voraussagen auf Kurzwelle. 2006 gab es dann Wetterkarten in Fax-Qualität, heruntergeladen via Kurzwellenradio. 2010 und jetzt hatten wir Grib, das ist der Standard der Wettermodelle, sehr zuverlässig, einfach herunterzuladen - und akkurat.Niemand, der nicht mit einem Boot eine lange Reise gemacht hat, kann sich vorstellen, dass man sich auf See so intensiv mit Wetter und Wetterentwicklungen beschäftigen würde. 


Doch am Ende hängt der Erfolg einer langen Seereise - abgesehen von der Seetüchtigkeit des  Bootes und der Kompetenz der Crew -  allein davon ab, ob man für den erhofften Kurs den richtigen Wind bekommt. Die letzten drei Tage jetzt  auf dem Weg von Horta nach Cascais bei Lissabon waren da ideal: Wie segelten in östlicher Richtung mit gutem und beständigem Wind aus Norden. Es war der beste Abschluss von vier Atlantiküberquerungen, den man sich denken konnte. Und bei der Ankunft gab es keinen kriegerischen Gunner. Europa halt. Und Portugal ist - entgegen allen Schlagzeilen der Wirtschaftsmedien - vielleicht das beste, was Europa derzeit zu bieten hat.

Mittwoch, 25. Juli 2012

92 Meilen vor Lissabon

An Bord Miranda II: Martin, Thomas, Agnes, playing happy crew.

Position: 38 43'10.47 N, 011 46'15.51 W
Course: + 107.24, Speed: + 5.35
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4:3

Nun sieht unsere Bilanz nicht mehr so schlecht aus mit 4 gesegelten und drei unter Motor verbrachten Nächtebn: Wir haben eine weitere Nacht mit gloriosem Wind hinter uns, surften bei rekordverdächtigen 7.1 Knoten Richtung Lissabon. Und auch der Vormittag kann sich sehen lassen mit knapp 5 Knoten. Hoffentlich hält der Wind für die letzten 100 Meilen bis nach Cascais bei Lissabon, wo wir hoffen, am Donnerstag anzukommen. Kleiner Wermutstropfen: Der frisch reparierte Generator hat eine neue (alte?) Macke und wollte partout nicht laden. Batteriepower haben wir an sich genug - oder laden dann mit der Maschine. Doch der Laptop ist ein bisschen schwach, ausgerechnet für die Ansteuerung vor Cascais morgen, wenn wir die neue Navigationssoftware benutzen wollen. Da werden wir dann wohl das moderne Teufelszeug erst in Betrieb nehmen, wenn wir unter Motor sind und den 12-Volt-Adapter an den Laptop anschliessen können. Für den Moment heisst es nun, Strom sparen und deshalb fasse ic
h mich kurz: Mached's guet und bis bald.

Position: 38 43'18.11 N, 011 48'18.05 W
Course: + 101.74, Speed: + 4.47
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Dienstag, 24. Juli 2012

3:3

Endlich der Ausgleich. In einer vom Wind gut begonnenen zweiten Halbzeit konnten wir endlich die dritte Nacht segeln und das entscheidende dritte gesegelte Tor erzielen. Nun ist Gleichstand: drei Nächtre mit Motor und drei gesegelte. Es wird also spannend auf den Schluss hin. Nicht nur nachts, auch tagsüber hatten wir guten Wind und heute morgen machen wir unter gerefftem Gross und Genoa weiterhin fünf Knoten Fahrt.

Aus dem Bordalltag können wir erzählen, dass es nach einem feinen Spaghetti-Kürbis auf indonesische Art mit Reis - ein gefeierter kulinarischer Erfolg - heute nun Spiralnudeln gab. Die Köchin hatte ihren wöchentlichen halben Tag frei und so schüttete ich Tomatensauce aus einem 250gr-Glas über die Teigwaren, dann etwas Parmesan drauf und fertig. Zum meinen Gunsten daruf ich sagen, dass die See zum Zeitpunkt des Abendessens ziemlich aufgewühlt war, an Tischtuch und Stoffservietten war nicht zu denken.

Auch im Cabinet médical sind die US-Vorräte nun ausgegangen. Eine Flasche aus dem US-Bundesstaat Kentucky konnte durch ein Malz-Spitzenprodukt ersetzt werden, das im schottischen Hochland hergestellt wird. Der Fingerbreit zur Happy hour wurde entsprechend gefeiert, wenngleich es auch Stimmen gab, die die "Verwässerung" mit Dreifingerbreit Soda kritisch würdigten.

So gehen die Tage an Bord von Miranda dahin; am Abend mussten wir leider den am Vortag begonnenen Astronomiekurs für Fortgeschrittene streichen wegen Bewölkung. Eine eilends organisierte Saalveranstaltung lockte keine Teilnehmer an; das mag am Thema gelegen haben: "Die Hermeneutik der Antike am Beispiel des Sternbildes Pegasus". Wen interessiert dasschon! Heute hingegen können wir längst nicht alle Anmeldungen berücksichtigen. Thema der abendlichen Weiterbildung ist: "Astrologie leicht gemacht - hol Dir Deine Zukunft von den Sternen".

Montag, 23. Juli 2012

2:3

Seit gestern abend sind wir wieder eine Segeljacht: Wir haben den ersehnten nördlichen Wind bekommen, der als Windband der portugiesischen Küste entlang weht und fast 400 Meilen weit in den Atlantik hinaus reicht bzw reichen sollte.

In der Nacht glitt unser Boot mit knapp 4 Knoten durch ein fast glattes Meer. Wir sind immer stolz, dass unsere Ovni auch bei leichten Winden gut läuft. Im Match Segler gegen Motörler holen damit die Segler eine Nacht auf und es wird nun auf den Schluss hin spannend. Der Wind ist nämlich auch heute Montag vormittag eher schwach und so ist nicht garantiert, dass wir die restlichen drei Nächte alle segeln können.

Am besten am zweiten Tor der Segler ist, dass wir nun alle die minutiös geführten Dieselreserverechnungen fortwerfen können und wir auf jeden Fall genug Most haben, wenn wir das nächste Mal Sir John bitten müssen, die Propellerwelle zu drehen. Ebenfalls positiv: Wir konnten nachts endlich unseren beliebten Kurs "Sternbilder gucken - leicht gemacht" durchführen und Martin in die Kunst der Astronomie einweihen.

Sonntag, 22. Juli 2012

1:3

Das Azorenhoch ist weit stärker geworden in den letzten drei Tagen, als auf den ursprünglichen Wetterkarten vorausgesagt. Ursprünglich hätten wir heute Sonntag oder spätestens morgen Montag in ein Windband geraten sollen, das entlang der Küste von Portugal von Nord nach Süd wehnt. Nun ist dieses Band so schmal und schwach in den nächsten Tagen, dass wir uns fragen, ob wir überhaupt je Wind haben werden auf diesem Trip.


Die aktuelle Lage heute Sonntag ist nämlich, dass wir weiterhin keinen Wind haben und die dritte Nacht motoren mussten. Wir wollten es am Tag einmal wissen und hissten den Spinaker. Doch unser schönes grünes Ballonsegel hing herunter wie ein Stück Stoff im Stoffladen.


Wir betrachten Miranda deshalb ab sofort als Motorjacht und haben Herrn Perkins wegen tadellosen Funktionierens bereits in den Adelsstand erhoben. Sir John kriegt alle paar Stunden ein paar Schlucke Oel und jede zehnte Stunde 20 Liter Diesel. Was auf Horta nur eine theoretische Frage war, nämlich ob im ärgsten Fall der Diesel zum durchmotoren reichen würde, ist nun zu einer realen Aussicht geworden. Die minutiös geführte Tagesdieselbilanz zeigt, dass wir in der Tat durchmotoren könnten und am Ende noch 30 Liter eiserne Reserve hätten.


Immerhin eine gute Nachricht für Martins Arbeitgeber. Wir können den Arbeitnehmer pünktlich am Ferienende abliefern. Ausser Sir John hat eine Krise. Dann wären wir wieder Segelboot - und die Reise würde länger dauern.


Position: 39 11'31.71 N, 018 55'30.74 W
Course: + 83.75, Speed: + 5.63
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Samstag, 21. Juli 2012

1:2

Von den drei Nächten unterwegs mussten wir zwei motoren, nur eine konnten wir segeln und die Schlafenden hatten ihre Ruhe. Wir sind nun also sozusagen 1:2 im Rückstand. Soviel motoren am Stück hatten wir noch nie absolviert. Und wir sind froh, dass der vierte Mann an Bord, Perkins, uns so munter voran treibt. Dazwischen gibt es immer wieder leichte Winde und wir segeln für ein paar Stunden, machen ein bisschen Conny-Land, das heisst schauen den Delphinen zu. Oder es kommt ein Frachter in Sicht. Martin, unser dritter Mann, hat sich bestens eingelebt; dass er Wache schiebt, ist ein grosser Gewinn, weil es die Ruhezeiten des Eignerpärchen markant verlängert. Agnes kocht wie immer vorzüglich: gestern gab es einen Kartoffelgratin mit frischem Salat. Vor dem Essen abends ist wie immer Happy hour und ich kriege Einenfingerbreit aus dem Cabinet médical; für Martin gibt's ein Bier - gekühlt, weil wir motoren und der Kühlschrank läuft. Ein weiterer Vorteil, den uns unser hochgeschätzter Perkins bietet.

Position: 39 20'11.76 N, 021 27'44.74 W
Course: + 89.3, Speed: + 5.26
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Donnerstag, 19. Juli 2012

Gut gestartet

Auf unserer Reise von Horta nach Lissabon sind wir zuerst quer durch die Inselwelt der Azoren gesegelt und haben dann in der Nacht Terceira hinter uns gelassen. Zum Znacht gab es ein feines Schweinsfilet im Teig mit Salat, das Festessen war sozusagen die Entschädigung für das viele Motoren. Wir hatten am ersten Tag gar keinen Wind, probieren es jetzt mit Segeln, doch der neu auf diesem Blog ausgedruckte Speed (in Knoten) zeigt, dasss wuir wohl schon bald wieder die Maschine anwerfen.

Position: 38 53'24.82 N, 026 04'31.00 W
Course: + 59.15, Speed: + 2.33

Donnerstag, 12. Juli 2012

Bild mit Bastelanleitung

Das Werk ist vollbracht. Und wie das meiste, was man anpackt im Leben, hätte es besser heraus kommen können. Das Schaukelpferd versinnbildlicht die Schiffsbewegungen, der blaue Hintergrund das Meer und die weissen Segel den Wind.

Am schwierigsten war, die Schrift anzubringen. Es galt, für 2006 unseren Gabier, den verehrten und hochgeschätzten Cousin Jean-Pierre, gebührend zu würdigen, der 2012 nicht mehr dabei war. Der diplomatische Balanceakt, finde ich, kann sich sehen lassen.


Hier noch die Bastelanleitung:

Man besorge sich von einer Crew, die ihr Werk gerade fertiggestellt hat, die restlichen Farbtöpfe.
- beauftrage dann einen international renommierten Grafiker mit der Ausarbeitung eines Grobkonzepts,
- kaufe in der Papeterie einen dünnen Karton,
- google "Schaukelpferd" und "Schablone" im Internet,
- stelle die Schablone  her, 
- suche eine passende Stelle an der Hafenmauer aus, die ein wirklich  total verblichenes Bild enthält, alles andere ist unfair.
- male die Hintergrundfarbe auf und lasse sie mind. 24 Stunden trocknen.
- spraye das Schaukelpferd mittels Schablone auf die Mauer.
- pinsle die Buchstaben mit Kleinstpinsel aus der Kosmetikabteilung,
 - fotografiere das Bild.
Und entferne die Farbflecken von Fingern und Fotoapparat.